Pressemitteilung | vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V.

Studie zum Strommarktdesign: Strommarkt von morgen braucht dringend strukturelle

(München) - Deutschland braucht für die sichere Stromversorgung dringend wasserstofffähige Gaskraftwerke. Der Ausbau lahmt aber, weil sich neue Gaskraftwerke nicht wirtschaftlich erfolgreich betreiben lassen. Das günstigste Modell, um Anreize für einen Zubau zu schaffen, kostet jährlich rund eine Milliarde Euro. Das ist das Ergebnis einer von der vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e. V. beauftragten Studie bei der Prognos AG. "Können Wind und Sonne nicht genug Energie erzeugen, müssen flexible Gaskraftwerke unsere Stromversorgung sichern. Damit der Bau der Kraftwerke attraktiv wird, schlagen wir einen selektiven Kapazitätsmechanismus vor: Dieser entlohnt einerseits die Betreiber der Kraftwerke für ihre Stromerzeugung und andererseits erhalten sie Geld für ihre Funktion als Versicherer, weil sie Kapazitäten zur Stromerzeugung bereitstellen", erklärt vbw Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt und fügt hinzu: "Eine alleinige Finanzierung der Kraftwerke über den Strommarkt würde zu einem starken Anstieg der Strompreise führen und die jährlichen Mehrkosten lägen bei bis zu 7,6 Milliarden Euro."

Neben diesem Kapazitätsmechanismus zur Finanzierung neuer Gaskraftwerke braucht es laut vbw weitere Neuerungen am Strommarkt. "Die Verstromung von Wasserstoff droht zukünftig die Strompreise spürbar zu erhöhen. Nach unseren Berechnungen könnte so im Jahr 2035 der durchschnittliche Strompreis von 68 Euro pro Megawattstunde (MWh) auf 111 Euro/MWh steigen. Für ein stabiles Strompreisniveau muss ein Instrument eingeführt werden, dass die Preisdifferenz am Strommarkt zwischen Wasserstoff und Erdgas ausgleicht. Das würde jährlich rund fünf Milliarden Euro kosten. Ohne Regulierung könnten sich die Mehrkosten am Strommarkt aber auf etwa 37 Milliarden Euro pro Jahr belaufen", mahnt Brossardt.

Die vbw hält die weitere Förderung des Ausbaus erneuerbarer Energien für notwendig und sinnvoll. Mit Differenzverträgen könnten Betreiber von Anlagen für erneuerbare Energie einerseits einen festgeschriebenen Erlös für erzeugten Strom erhalten, andererseits würden über die Erlösgrenze hinausgehende Einnahmen an den Staat fließen. "Damit wird der Fortschritt hin zur klimaneutralen Energieversorgung vorangetrieben und Verbraucher könnten in Zeiten extrem hoher Preise am Strommarkt entlastet werden", so Brossardt.
Eine Aufteilung des deutschen Strommarktes lehnt die vbw hingegen ab. "Bei genauer Analyse eines Strompreiszonensplits zeigt sich schnell, dass negative Auswirkungen überwiegen. Eine geringere Liquidität der Märkte schränkt ihre Effizienz ein, Unternehmen verlieren an Planungssicherheit, es entstehen neue Verteilungsfragen und der Netzausbau im Norden sowie Osten verliert an Attraktivität. Zudem würden die industriellen Zentren in Süddeutschland durch höhere Strompreise belastet, mit negativen Folgen für Deutschland und Europa. Unter dem Strich ist ein zügiger Netzausbau und der Erhalt der einheitlichen Strompreiszone in Deutschland die beste Option", findet Brossardt.

Quelle und Kontaktadresse:
vbw - Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft e.V. Pressestelle Max-Joseph-Str. 5, 80333 München Telefon: (089) 55178-100, Fax: (089) 55178-111

(jg)

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