Pressemitteilung | k.A.
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Unfreundliche Halbjahresbilanz im Einzelhandel / Vorjahresumsätze mit einigem Optimismus noch zu erreichen

(Berlin) - Der Einzelhandel hat bisher von der leichten gesamtwirtschaftlichen Belebung nicht profitieren können. „Die Hoffnungen, dass das Jahr 2004 für die Branche zu besseren Entwicklungen führen würde, haben sich bislang nicht erfüllt“, erklärte am 04. August der Präsident des Handelsverband BAG, Walter Deuss, vor Journalisten in Frankfurt. Die Umsätze für den Einzelhandel im engeren Sinne, d.h. bereinigt um den Absatz von Kraftfahrzeugen und Brennstoffen und ohne die Umsätze der Tankstellen und Apotheken, sind in den ersten sechs Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum nominal wie real um 1,2 Prozent gesunken. Lediglich in den Monaten März und Juni, die im Jahresvergleich über einen bzw. zwei Verkaufstage mehr verfügten, waren leichte Umsatzzuwächse zu verzeichnen.

Die Geschäftslage im Einzelhandel werde sich in den nächsten Monaten trotz der zu erwartenden leichten Belebung des Wirtschaftsgeschehens allenfalls marginal verbessern. „Mit einigem Optimismus erwarten wir für das gesamte Jahr 2004 ein Umsatzvolumen, das dem vorjährigen entspricht“, erklärte Deuss. Dabei sei die niedrige Basis des schlechten Geschäftsverlaufs im vorjährigen zweiten Halbjahr mit seinem enttäuschenden Weihnachtsgeschäft bereits berücksichtigt. „Erst im kommenden Jahr besteht die Chance einer Umsatzbelebung. Dies setzt allerdings voraus, dass sich die hoffnungsvolleren Konjunkturprognosen bewahrheiten und den Konsumenten genügend sachliche Argumente an Hand gegeben werden, um ihre Verunsicherung einigermaßen zu überwinden“, prognostizierte Deuss.

Der Geschäftsverlauf in den einzelnen Sparten der Branche war auch im ersten Halbjahr 2004 wieder sehr differenziert. „Branchen, die bislang vergleichsweise gut abgeschnitten haben, wie beispielsweise der Lebensmitteleinzelhandel mit seinen im Trend liegenden Discountern, müssen inzwischen kürzer treten“, führte Deuss aus. Dementsprechend haben Supermärkte, Verbrauchermärkte, SB-Warenhäuser und Discounter bis einschließlich Juni nur noch einen nominalen Umsatzzuwachs von 0,3 Prozent und real sogar ein Minus von 0,3 Prozent erzielt (1. Halbjahr 2003: nominal + 1,8 Prozent; real + 2,1 Prozent). Die Anbieter von Textilien, Bekleidung, Schuhen und Lederwaren mussten insgesamt ein nominales Umsatzminus von 2,8 Prozent hinnehmen. Preisbereinigt betrug der Rückgang 2,4 Prozent. Der Einzelhandel mit Kosmetik, pharmazeutischen und medizinischen Produkten verzeichnete bis Ende Juni dagegen ein nominales Umsatzplus von 3,9 Prozent (real 4,6 Prozent). Besonders gelitten hat im ersten Halbjahr der Versandhandel, der nominal 6,7 Prozent (real 6,1 Prozent) weniger umgesetzt hat als in der gleichen Zeit des Vorjahres. Auch die Umsätze der Waren- und Kaufhäuser lagen mit nominal 2,2 Prozent (real 1,8 Prozent) im Minus.

Die Geschäfte im Juli verliefen nach Einschätzungen aus der Branche insgesamt verhalten, so Deuss. Im Vergleich mit dem vorjährigen Juli könne jedoch zumindest mit einem Pari-Ergebnis gerechnet werden, wobei die zum Teil erfreulichen Plus-Ziffern im Bekleidungshandel durch Umsatzrückgänge in anderen Sektoren in der Gesamtschau offensichtlich weitgehend ausgeglichen wurden.

Deuss machte die hohe Resistenz der Arbeitslosigkeit als Hauptursache der von den Konsumenten gezeigten Verunsicherung aus. „Die Ungewissheit über die Beständigkeit des eigenen Arbeitsplatzes dämpft die Ausgabenbereitschaft erheblich. Neben diesem eher psychologischen Hemmnis sind materielle Konsumbremsen zu berücksichtigen. Zu ihnen gehören insbesondere die Folgen der Gesundheitsreform, höhere Gebühren und Abgaben auf kommunaler Ebene und nicht zuletzt der exorbitant hohe Preis für Treibstoffe“. Weil die unvermeidbaren Ausgaben überproportional gestiegen sind, habe sich der frei verfügbare Anteil der Haushaltseinkommen trotz der Steuerentlastungen vermindert. Im übrigen verlagerten sich die Interessen der Verbraucher zunehmend auf nicht-einzelhandelsrelevante Verwendungen. „Entsprechend der alten Weisheit, dass den Letzten die Hunde beißen, resultieren für den Einzelhandel daraus kritische Marktentwicklungen“, fasste Deuss zusammen.

Vielfältig sei der Versuch unternommen worden, die Umsatzentwicklung durch intensivierte Werbung, Tiefpreismarketing und Rabattgewährungen zu beleben. „Die im Vorjahr zu beobachtenden Rabattexzesse wurden offensichtlich aus betriebswirtschaftlichen Gründen behutsamer eingesetzt. Dem extremen Konkurrenzkampf in unserer Branche hat dies allerdings keine Erleichterung eingetragen“, so Deuss. Dementsprechend haben die Insolvenzen im Einzelhandel in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres um 4,5 Prozent auf rund 2.300 Fälle zugenommen. Für das Gesamtjahr rechnet der Verband der Vereine Creditreform e.V. mit 4.700 Insolvenzen. „Auch bekannte Traditionsunternehmen mussten inzwischen die Segel streichen“, resümierte Deuss.

Die Diskussion um eine Erhöhung der Mehrwertsteuer bezeichnete Deuss vor diesem Hintergrund als höchst prohibitiv. „Die Suppe hätte vor allem der Einzelhandel auszulöffeln, denn es wird ihm angesichts des nach wie vor eingetrübten Konsumklimas schwer fallen, die erforderlichen Preiserhöhungen durchzusetzen. Damit wären weitere Margenverluste zu erwarten, die eine Vielzahl von Unternehmen in akute Existenznot versetzen würden“. Richtiger sei der Ansatz, den umfangreichen Mehrwertsteuerbetrug zu bekämpfen.

Quelle und Kontaktadresse:
Bundesarbeitsgemeinschaft der Mittel- und Großbetriebe des Einzelhandels e.V. (Handelsverband BAG) Atrium Friedrichstraße, Friedrichstr. 60, 10117 Berlin Telefon: 030/2061200, Telefax: 030/20612088

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