Verkehrssicherheit mit Augenmaß, statt pauschaler Tempolimits
(Frankfurt am Main) - Die mediale Diskussion um flächendeckende Tempolimits auf Autobahnen sowie um eine generelle Einführung von Tempo 30 in Städten ist aktuell wieder in vollem Gange. Dabei greifen diese Forderungen aus Sicht des Automobilclub von Deutschland (AvD) zu kurz. Verkehrssicherheit lässt sich nicht durch starre Vorgaben erreichen, sondern durch differenzierte, situationsangepasste Maßnahmen, die dort ansetzen, wo reale Risiken bestehen. Hierzu zählen eine intelligente Verkehrssteuerung sowie der konsequente Ausbau von sicherer Infrastruktur.
Selektive Tempolimits auf Autobahnen
Es stimmt, dass Deutschland in Europa eine Sonderrolle einnimmt, da es kein generelles Tempolimit auf Autobahnen gibt. Diese Einordnung ist jedoch sachlich zu relativieren: Nur rund 1,4 Prozent des gesamten deutschen Straßennetzes sind Autobahnabschnitte ohne feste Geschwindigkeitsbegrenzung. Gleichzeitig sind Autobahnen statistisch die sichersten Straßen. Lediglich etwa zehn Prozent aller Unfälle mit Personenschäden ereignen sich dort, deutlich weniger als innerorts oder auf Landstraßen. Das Fehlen eines pauschalen Tempolimits ist nicht die Hauptursache schwerer Unfälle, sondern Ablenkung, zu geringer Abstand, Fehlverhalten beim Spurwechsel und eine nicht angepasste Fahrweise.
Rund 30 Prozent aller Autobahnstrecken sind bereits heute mit festen oder dynamischen Tempolimits ausgestattet, die sich an Verkehrsaufkommen, Wetter oder Baustellen orientieren. Diese situationsabhängigen Regelungen erhöhen nachweislich die Sicherheit und sind wirksamer als ein starres, flächendeckendes Limit, das weder Verkehrsrealität noch regionale Unterschiede berücksichtigt.
Tempo 30, wo es Sinn macht
Geschwindigkeitsbeschränkungen können in Städten einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit leisten, allerdings sollten diese gezielt und nicht flächendeckend gelten. Internationale Beispiele wie Helsinki zeigen positive Effekte, lassen sich jedoch aufgrund unterschiedlicher Stadtstrukturen, Verkehrsaufkommen und Kontrollintensität nicht eins zu eins auf deutsche Städte übertragen. Zudem war in der finnischen Hauptstadt nicht das extreme Tempolimit ausschließlich entscheidend, sondern vielmehr weitere bauliche Maßnahmen. Auch in Deutschland ließe sich durch den infrastrukturellen Ausbau, wie sichere Fußgängerüberwege, Kreisverkehr statt Kreuzungen und eine automatisierte Verkehrsüberwachung, das Unfallrisiko deutlich senken. Wie ein Gutachten der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) bestätigt, können bauliche Maßnahmen an Unfallschwerpunkten die Zahl schwerer Unfälle um bis zu 40 Prozent senken, unabhängig vom individuellen Fahrverhalten.
In Deutschland nimmt ohnehin die Zahl der Tempo-30-Zonen seit Jahren zu. Der AvD begrüßt dies insbesondere in Wohngebieten sowie rund um sensible Einrichtungen wie Schulen, Kindergärten und Spielplätzen. Eine pauschale Einführung der extremen Geschwindigkeitsbeschränkung in gesamten Innenstädten ist jedoch kritisch zu sehen. Sie kann den Verkehrsfluss beeinträchtigen, Ausweichverkehre in Wohnstraßen verlagern und durch häufige Geschwindigkeitswechsel zusätzliche Lärm- und Emissionseffekte verursachen. Leistungsfähige Hauptverkehrsachsen sind notwendig, um Verkehr zu bündeln und sensible Bereiche zu entlasten.
Der AvD setzt sich daher für mehr gezielte Verkehrsüberwachung, den Ausbau sicherer Infrastruktur und intelligente Verkehrssteuerung ein. Verkehrssicherheit braucht Augenmaß, Differenzierung und wirksame Lösungen statt pauschaler Tempolimits.
Quelle und Kontaktadresse:
Automobilclub von Deutschland e.V. (AvD), Marc Kennedy, Pressesprecher(in), Goldsteinstr. 237, 60528 Frankfurt am Main, Telefon: 069 6606-0
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