Von Regelschmerz über Schwangerschaft bis Menopause: Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF) erinnert zum Tag der Rückengesundheit am 15. März an frauenspezifische Aspekte der Volkskrankheit „Rücken“
(München) - Rückenschmerzen gelten als Volkskrankheit – nicht zuletzt, seit Bewegung im Alltag vieler Menschen abnimmt und mehrstündiges Sitzen zur Normalität geworden ist. (1) Doch sie sind nicht immer „nur“ ein orthopädisches Thema. Anlässlich des Tags der Rückengesundheit am 15. März 2026 betont der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF): Bei Frauen können Rückenschmerzen je nach Lebensphase wichtige Hinweise liefern – etwa auf hormonelle Umstellungen, zyklusabhängige Beschwerden, schwangerschaftsbedingte Veränderungen oder Risiken für Knochen und Muskulatur. (2) Die gute Nachricht: Frauenärztinnen und Frauenärzte denken hier ganzheitlich gynäkologisch mit und klären ab.
„In der frauenärztlichen Sprechstunde werden uns häufig Rückenschmerzen geschildert. Gerade in bestimmten Lebensphasen treten sie vermehrt auf: etwa in der Schwangerschaft, wenn der Körper großen hormonellen Umstellungen ausgesetzt ist oder sich gegen Ende der Körperschwerpunkt deutlich nach vorn zum Bauch verlagert. Das belastet den Rücken. Aber auch während der Regelblutung oder in der Menopause sind Rückenschmerzen keine Seltenheit. Als Frauenärztinnen und Frauenärzte nehmen wir Rückenschmerzen ernst: Wir ordnen ein, klären gezielt ab und behandeln im Zweifel interdisziplinär weiter“, betont Dr. Frank Thieme, 2. Vorsitzender des BVF.
Zyklus und Regelschmerzen: Wenn der Rücken „mitleidet“
Während der Periode sind Unterleibsschmerzen (Dysmenorrhoe) eine häufige Beschwerde. Diese Schmerzen können deutlich in den Rücken und in die Beine ausstrahlen. Viele Frauen beschreiben das als Ziehen im unteren Rücken. Nach wenigen Tagen sind diese Rückenschmerzen meist wieder verschwunden. (3) Sehr starke, wiederkehrende Rückenschmerzen können jedoch auch ein Hinweis auf Erkrankungen wie Endometriose sein. Gebärmutterkontraktionen, entzündliche Herde, Verwachsungen oder Nervenreizungen, die zyklusabhängig auftreten, können Auslöser der Schmerzen sein. (4) Betroffene mit derartigen Beschwerden sollten das gezielt bei ihren Frauenärztinnen bzw. -ärzten ansprechen.
Rückenschmerzen in der Schwangerschaft: Erhöhte Belastung, manchmal auch Warnzeichen
In der Schwangerschaft verändern sich einerseits die Hormone rasant, andererseits verlagert das wachsende Kind nach und nach den Körperschwerpunkt nach vorn. Beides kann sich auf den Rücken auswirken. Das Gelbkörperhormon Progesteron führt beispielsweise zu einer Entspannung der Muskulatur und lockert gleichzeitig das Bindegewebe: Bänder, Muskeln und Gelenke werden weicher. (5) Abhilfe können spezielle Stützgürtel sowie sanfte Mobilisations- und Kräftigungsübungen schaffen. Bei starkem Ziehen oder anhaltenden Rückenschmerzen sollten Schwangere aufmerksam werden und eine frauenärztliche Praxis aufsuchen. Solche Beschwerden können auch ein Zeichen beginnender Wehentätigkeit sein.
Peri- und Menopause: Erneute Hormonumstellung mit Östrogenabnahme
Mit der Menopause sinkt der Östrogenspiegel. Östrogen beeinflusst unter anderem Knochendichte und Gewebefeuchtigkeit, ebenso wie Regeneration und den Aufbau von Muskelmasse. (6) Bei vielen Frauen verläuft die Östrogenabnahme schleichend, bei einigen jedoch mit deutlichen Beschwerden. Neu auftretende Rückenschmerzen können auch ein Hinweis auf Osteoporose sein. Akute oder chronische Rückenschmerzen können sich unter anderem bei Wirbelkörperfrakturen bemerkbar machen. Auch Senkungen im Beckenbodenbereich können Rückenschmerzen verursachen. (2) In der Peri- und Menopause kann Rückenschmerz daher ein Anlass sein, in der frauenärztlichen Praxis Risikofaktoren zu prüfen, präventive Maßnahmen zu besprechen und bei Bedarf auch an Spezialisten zu überweisen.
Ein „Ja“ zur Bewegung: Passend zur Lebensphase
Der Tag der Rückengesundheit stellt dieses Jahr unter dem Motto „Rück’n’Roll – Bring Bewegung in dein Leben!“ die körperliche Aktivität in den Mittelpunkt der Rückengesundheit. (7) Bei den meisten Ursachen von Rückenbeschwerden ist es zentral, aktiv zu bleiben, um Beschwerden nicht zu verfestigen und eine Chronifizierung zu vermeiden. (8)
Dr. Frank Thieme betont: „In vielen weiblichen Lebensphasen ist es aber auch sinnvoll, Rückenschmerzen gynäkologisch abklären zu lassen. Dahinter können Erkrankungen, Wehen oder hormonelle Veränderungen stehen. Eine fachärztlich begleitete und interdisziplinäre Therapie, etwa durch passende Arzneimittel, angeleitetes Training und Physiotherapie, kann dann zielführend sein. Die Anamnese erfolgt in der Frauenheilkunde ganzheitlich – Rückenschmerzen werden systematisch erfragt, eingeordnet und Betroffene bei Bedarf gezielt weitergeleitet.“
Quellen und weitere Informationen:
(1) https://de.statista.com/themen/1364/rueckenschmerzen/#topicOverview
(2) https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/rueckenschmerzen/gynaekologisch-bedingte-rueckenschmerzen/
(3) https://www.gesundheitsinformation.de/regelschmerzen.html
(4) https://register.awmf.org/assets/guidelines/015-045l_S2k_Diagnostik_Therapie_Endometriose_2025-10.pdf
(5) https://www.frauenaerzte-im-netz.de/schwangerschaft-geburt/infektionen-und-schwangerschaftsspezifische-erkrankungen/schwangerschaftserkrankungen-beschwerden/
(6) https://www.frauenaerzte-im-netz.de/erkrankungen/rueckenschmerzen/rueckenschmerzen-im-zusammenhang-mit-den-wechseljahren/
(7) https://agr-ev.de/de/tag-der-rueckengesundheit
(8) https://www.bundesaerztekammer.de/fileadmin/user_upload/_old-files/downloads/pdf-Ordner/Patienteninformationen/kreuzschmerz-chronisch.pdf
Quelle und Kontaktadresse:
Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte e.V. (BVF), Agnes Tzortzis, Leiter(in) Verbandskommunikation, Arnulfstr. 58, 80335 München, Telefon: 089 244466-129
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