Wachstum der deutschen Automatisierungsindustrie setzt sich fort / Industrie sieht sich technologisch für die Zukunft gerüstet
(Hannover) - Der Umsatz der deutschen elektrischen Automatisierungstechnik wuchs erneut um 3,4 Prozent auf nunmehr 36 Mrd. Euro im Jahr 2005 nach plus 5,4 Prozent im Vorjahr. Dies meldet der ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e. V. anlässlich der Hannover Messe 2006. Der Verband führt dieses verringerte Umsatzwachstum zum großen Teil auf enormen Preisdruck in der Branche zurück. Helmut Gierse, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbandes Automation: Trotz etwas verringerter Dynamik ist unsere Industrie wiederum wachstumsstärker als die Elektrotechnik- und Elektronikindustrie insgesamt. Der Zuwachs komme erneut vom guten Auslandsgeschäft mit plus acht Prozent, während der Umsatz mit inländischen Kunden stagniere. Die Exportquote erreichte 2005 ein Allzeithoch von 77 Prozent.
Die Prognose für 2006 sei durchweg sehr positiv, wenn auch die verschiedenen Segmente mit unterschiedlichen Erwartungen in die Zukunft gehen. Unsicherheiten bringen die hohen Energie- und Rohstoffpreise, die Druck auf unsere Branche ausüben, aber auch Chancen bringen, so Gierse.
Dem Beschäftigungsrückgang der vergangenen fünf Jahre ist im Verlauf des Jahres 2005 erstmals wieder ein leichter Aufbau von einem Prozent auf knapp 208.000 Arbeitnehmer gefolgt.
Branchensegmente unterschiedlich erfolgreich
Nach ZVEI-Angaben ist der Weltmarkt der elektrischen Automation im vergangenen Jahr insgesamt um gut vier Prozent auf 214 Mrd. Euro gewachsen. Der deutsche Anteil an der Weltproduktion liege bei
13 Prozent. Deutschland sei damit der größte Nettoexporteur in Sachen Automatisierung. Das bedeute, dass trotz gestiegener Energie- und Materialpreise Automatisierungstechnik aus Deutschland konkurrenzfähig und auf den Weltmärkten gefragt sei. Neben der EU der 25 und Japan, die ebenfalls als Exporteure etabliert seien, komme zunehmend China mit seinen gewachsenen Produktionskapazitäten ins Spiel und steuere bereits acht Prozent des Weltmarktes der Produktion bei.
Deutsche Schaltgeräte, Industriesteuerungen und Sensorik für die Fabrik-Automation konnten 2005 trotz deutlichem Rückgang im Segment Automotive-Industrie die Produktion um 5,6 Prozent auf
11,6 Mrd. Euro steigern. Gierse: Mit ein paar Monaten Verzögerung profitieren wir von der positiven Entwicklung des Maschinenbaus. Einen Impuls aus dem Automobilbau erwarten wir erst wieder, wenn im Jahr 2007 Modellwechsel bevorstehen. Der Fachbereich Elektrische Antriebe legte im abgelaufenen Jahr um 4,3 Prozent auf 6,8 Mrd. Euro zu. Wesentliche Stütze sei der erneut um 6,7 Prozent gestiegene Export. Bei konstant gutem Auslandsgeschäft stimme die seit einigen Monaten verstärkt einsetzende Inlandsbelebung auch für die Geschäftsentwicklung 2006 zuversichtlich. Starke Impulse erwarten die Hersteller von Antriebselektronik und Elektromotoren insbesondere von der weltweit an Bedeutung gewinnenden Forderung nach Energieeffizienz.
Die traditionell auf den Konjunktur-Verlauf von Maschinen- und Anlagenbau versetzt reagierende Prozessautomatisierung lag mit fast zehn Mrd. Euro um gut vier Prozent über Vorjahresniveau. Michael Ziesemer, Mitglied des Fachverbands-Vorstands, gab sich optimistisch: Wir haben ein ausgezeichnetes Jahr hinter uns. Diesen spürbaren Schub konnten wir in das erste Quartal 2006 mitnehmen, werden aber dieses stramme Wachstum nicht ganz wiederholen können. Auch in diesem Segment komme der Schub aus dem Export mit plus 13 Prozent im Jahr 2005. Als eine Ursache der guten Konjunkturlage der Prozessautomatisierungs-Industrie identifizierte Ziesemer die hohen Ölpreise. Die Petrochemische Industrie investiere, denn künftig lohne sich auch der Abbau bisher unrentabler Rohstoffquellen.
Ziesemer wies darauf hin, dass nach wie vor die Emerging-Markets und allen voran die so genannten BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) wesentliche Wachstumsbeiträge liefern. Die höchste Wachstumsrate der deutschen Exporte zeige allerdings das Geschäft mit den USA. Es sei 2005 um gut ein Fünftel auf rund 1,2 Mrd. Euro gewachsen. Südostasien (rd. 1,5 Mrd. Euro) und Europa außerhalb der EU (rd. 0,8 Mrd. Euro) stünden mit etwa 13 Prozent Wachstum auf den Plätzen zwei und drei. Im EU-Raum, dem größten Einzelmarkt mit knapp fünf Mrd. Euro oder 54 Prozent Anteil, sei 2005 immerhin ein Wachstum von gut sechs Prozent erreicht worden.
Energieeffizienz im Fokus
Angesichts steigender Energiepreise sieht sich die Automatisierungsindustrie vor besonders hohen Anforderungen an die Energieeffizienz ihrer Produkte, sowohl bei der Fertigung als auch beim späteren Betrieb. Zwar sei der Nettostrombedarf der produzierenden Industrie nur um acht Prozent gestiegen, der Stromkostenanstieg habe aber innerhalb eines Jahres rund 50 Prozent betragen. Dies belaste die Automatisierungsindustrie selbst, aber auch deren Kunden. Gierse: Der weitaus größte Teil des Verbrauchs elektrischer Energie in der Produktion von bis zu 70 Prozent ist den elektrischen Antrieben zuzurechnen. Durch Verbesserungen der Antriebstechnik ließen sich in Deutschland rund 27,5 Milliarden Kilowattstunden Strom oder 2,2 Mrd. Euro pro Jahr einsparen. Hier habe die Industrie auf der Produkt- und Systemebene Lösungen entwickelt, um den Verbrauch zu reduzieren. Dazu gehörten bei Motoren höhere Wirkungsgrade und Energieeinsparung, aber auch eine Rückspeisung von Bremsenergie in die Versorgungsnetze.
Erforderlich sei allerdings eine weltweit einheitliche Klassifizierung von Energiesparmotoren. Der ZVEI warnt vor der gegenwärtigen Entwicklung, dass in vielen Ländern der Welt unterschiedliche Energieeffizienzklassen definiert werden. Dann müssen Motorenhersteller neben den technisch notwendigen Unterschieden auch noch länderspezifische Kriterien erfüllen und das ist insbesondere für mittelständische Anbieter nicht zu leisten, so Gierse. Deshalb hätten die europäischen Hersteller nun bei der Internationalen Elektrotechnischen Normungsorganisation (IEC) einen Antrag zur Normung der Wirkungsgradklassen und der Grenzkurven angestoßen.
Wie energiesparende Techniken wirkungsvoll in der Industrie eingesetzt werden können, zeigt die neue ZVEI-Broschüre Energiesparen mit elektrischen Antrieben Einsparpotentiale in Milliardenhöhe.
Trendtechnologien Digital Engineering und Mechatronik, Wireless Communication und RFID sowie MES
Ein Trend in der deutschen Automatisierungsindustrie sei die Entwicklung von Digital Engineering-Tools zur Simulation von Fertigungsmaschinen bis hin zur kompletten Fabrikplanung über den gesamten Produktionslebenszyklus hinweg. Das verkürze den Entwicklungszeitraum, reduziere die Kosten für Prototypen und senke Schulungskosten im Produktionsanlauf. Für den Maschinenanwender bedeute dies hohe Produktivität von Anfang an.
Besonders herausragende Techniktrends sind derzeit dem ZVEI zufolgen RFID (Radio Frequency Identification) und MES-Systeme (Manufacturing Execution Systems). Beide Technologien wirken bei der gesamtheitlichen Optimierung von Produktion und Logistik eines Unternehmens zusammen. Eine Studie der ARC Advisory Group prognostiziert für RFID ein bis 2008 auf vier Mrd. US-Dollar anwachsendes Marktvolumen. Solange jedoch der Tag-Preis für die Produkt-Logistik die Fünf-Cent-Schwelle nicht unterschreitet, müssen an dieser Zahl jedoch noch Abstriche gemacht werden, schränkte Gierse mit Blick auf die Fabrikautomatisierung ein.
Auch in der verfahrenstechnischen Industrie ist drahtlose Kommunikation mittlerweile ein Thema, so Ziesemer. Daher habe der ZVEI einen strategischen Arbeitskreis zu Wireless gegründet. Ferner beteilige er sich an der im Frühjahr durch die NAMUR gegründeten Arbeitsgruppe zu RFID.
In der Kommunikationstopologie zeichne sich auf der Sensor/Aktorebene mit IO-Link eine neue Entwicklung ab, FF (Fieldbus Foundation), Interbus und Profibus bauten ihre Führungspositionen bei den Feldbussen aus und darüber dominierten die verschiedenen Ethernetvarianten.
All diese Trends sieht der ZVEI auf der Hannover Messe im Zusammenspiel der Anwendungstechnologien repräsentiert. Diese Gesamtsicht mache die Stärke der Hannover Messe aus. Zum Zeitpunkt der anziehenden Konjunktur auch der Investitionsgüter-Industrie könne die Messe daher einen wichtigen Impuls für Innovation und nachhaltiges Wachstum in Deutschland und Europa setzen.
Quelle und Kontaktadresse:
Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI)
Pressestelle
Stresemannallee 19, 60596 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 6302-0, Telefax: (069) 6302-317
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