Warum Hausarztpraxen jetzt gestärkt werden müssen
(Köln) - In den hausärztlichen Praxen spitzt sich die Lage dramatisch zu, die Frustration wächst. Täglich fressen Bürokratie, Dokumentation, fehleranfällige Telematik und ausufernde Verwaltung wertvolle ärztliche Arbeitszeit auf. Ärztinnen und Ärzte werden 61 Arbeitstage im Jahr zu Verwaltungsangestellten degradiert – zulasten der Patientinnen und Patienten.
Vor diesem Hintergrund ist die Debatte über die Substitution ärztlicher Tätigkeit gefährlich und lenkt vom eigentlichen Problem ab. Solange fachfremde Aufgaben die ärztliche Zeit blockieren, ist es ein Irrweg, die Kernaufgaben infrage zu stellen.
Hausärztliche Primärversorgung umfasst: Beschwerden einordnen, Risiken unter Unsicherheit bewerten, Therapien steuern und komplexe Verläufe langfristig begleiten. Diese Verantwortung ist unteilbar und braucht Steuerung. Genau das sichert die Hausarztzentrierte Versorgung (HZV) seit 16 Jahren – mit Erfolg. Rund 11 Millionen Patientinnen und Patienten bundesweit vertrauen bereits dem HZV-Versorgungssystem, das im Gesundheitssystem als Innovationsmotor für zukunftsfähige Versorgung in Teampraxen gilt. Die Interprofessionalität ist wichtig, ersetzt aber keine ärztliche Gesamtverantwortung. Das Modell HÄPPI (Hausärztliches Primärversorgungszentrum – Patientenversorgung Interprofessionell) zeigt, wie Zusammenarbeit sinnvoll funktioniert und sich ergänzt.
Das deutsche Gesundheitssystem leistet sich gleichzeitig Über-, Unter- und Fehlversorgung – ein unhaltbarer Zustand. Statt das Problem zu lösen, entstehen immer neue Versorgungsstrukturen. Das ist teuer, ineffizient und medizinisch unsinnig. Leistungen werden nicht sinnvoll, nur weil sie jemand anderes erbringt. Wir brauchen keine Ausweitung, sondern eine klare Steuerung der Versorgung.
Die Politik steht an einem Wendepunkt. Entweder sie stärkt die hausärztlich geführte Primärversorgung konsequent, oder sie zementiert ein System, das Ressourcen verschwendet und Qualität gefährdet. Unnötige Diagnostik, überlastete Krankenhäuser und die Kostenexplosion müssen gestoppt werden. Der Rotstift muss angesetzt werden, wo unnötig Milliarden fehlgesteuert werden: bei versicherungsfremden Leistungen, Mehrwertsteuer auf Arzneimittel, strukturellen Defiziten im stationären Bereich, explodierenden Kosten für Telematik und Software sowie ineffizienten Verwaltungsstrukturen. In den Arztpraxen gibt es nichts mehr zu holen – jede weitere Kürzung gefährdet unmittelbar die Versorgung.
Interprofessionalität darf nicht als Sparprogramm dienen. Wer sie dazu nutzt, gefährdet die Qualität. Gute Versorgung bedeutet, das medizinisch Notwendige zu sichern, Überflüssiges zu beenden und die hausärztliche Arbeit endlich angemessen zu vergüten. Dafür steht die HZV. Jetzt braucht es eine klare, unmissverständliche und geschlossene politische Stimme für die hausarztzentrierte Versorgung.
Quelle und Kontaktadresse:
Hausärztinnen- und Hausärzteverband Nordrhein e.V., Monika Baaken, Pressesprecher(in), Edmund-Rumpler-Str. 2, 51149 Köln, Telefon: 02203 57562900
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