Pressemitteilung | Deutscher Bühnenverein - Bundesverband der Theater und Orchester

Was kostet was im Theater?

(Köln) - Wer zur Zeit meint, dem Theater einen besonderen Gefallen tun zu müssen, der klagt in der Öffentlichkeit gerne über dessen Kosten. Nur 15 Prozent der Gelder, heißt es dann immer wieder, stünden für die Kunst zur Verfügung. Beliebt ist auch der Hinweis, 85 Prozent der Kosten seien Personalkosten, was häufig so aufgefasst wird, als ob diese Gelder nichts mit der Kunst zu tun hätten. Solche Debatten erreichen gerne ihren intellektuellen Höhepunkt mit der Feststellung, das Theater gebe sein Geld überwiegend für die Verwaltung aus. So wird der Eindruck erweckt, das Theater sei nichts anderes als eine Bürokraten-Hochburg. Mit alledem erweist man den Brettern, die immer noch die Welt bedeuten, einen ziemlichen Bärendienst. Denn das, was eigentlich der Schärfung des Problembewusstseins dienen sollte, verhilft dem Theater zu nichts anderem als einem beträchtlichen Image-Verlust. Der ist um so schlimmer, als die in die Öffentlichkeit gestreuten Zahlen mit der Realität so wenig zu tun haben wie ein Glas Bordeaux mit einer Tasse Pfefferminztee.

Fangen wir an mit den 80 bis 85 Prozent Personalkosten, die in der Regel der Realität entsprechen. Zu kritisieren ist daran allerdings so gut wie gar nichts, denn schließlich ist gerade das Theater ein personalintensiver Betrieb. Davon kann sich jeder überzeugen, der einmal in seinem kurzen Leben einer langen "Götterdämmerung" beigewohnt und in der Pause einen etwas genaueren Blick in das Programmheft gewagt hat. Ein Chor ist eben erst ein Chor, wenn er aus mehreren und zugleich so vielen Sängern besteht, dass man ihn auch als Chor wahrnimmt. Wie viel Musiker im Graben sitzen, hängt vor allem von der Partitur ab. Und alle diese Mitarbeiter gehören genauso wie Schauspieler und Tänzer, Gesangssolisten und Dramaturgen, Bühnenbildner und Regisseure, Souffleure und Inspizienten zum künstlerischen Personal, was zur Folge hat, dass etwa 56 Prozent der Personalausgaben der Kunst direkt zuzurechnen sind.

Weitere 33 Prozent der Personalausgaben fließen dem technischen Personal zu. Nun, bereits ein Drittel der Theatertechniker ist ohnehin überwiegend künstlerisch tätig. Dazu zählen ein großer Teil der Mitarbeiter von Beleuchtung und Maske, Ton und Requisite, nicht zuletzt das leitende Personal von Werkstätten wie Schreinerei, Schlosserei und Schneiderei. Doch auch bei den Bühnen-Handwerkern stellt sich die Frage, ob denn die Unterscheidung in künstlerisches und nichtkünstlerisches Personal überhaupt Sinn macht. Im Übrigen ist ein Schneider, der heute noch ein Barockkostüm zu nähen weiß, der Kunst näher als manch einer glaubt. Schließlich spricht man gerne von der Kunst des Handwerks und das nicht zu Unrecht. Und ist es nicht ohnehin das richtige Selbstverständnis eines guten Theaters, dass letztlich alle Mitarbeiter der Kunst dienen, egal ob direkt oder nur indirekt?

Dies trifft auch für die Verwaltung eines Theaterbetriebs zu. Für diese entstehen nicht einmal neun Prozent der Gesamtkosten. Davon werden die Verwaltungsangestellten sowie das Hauspersonal bezahlt, also z.B. Hausmeister, Reinigungskräfte oder Pförtner. Theater brauchen wie jedes andere Unternehmen Mitarbeiter, die Löhne und Gehälter abrechnen und überweisen, die die Buchhaltung machen oder sich um die Instandhaltung der Gebäude kümmern. Ansonsten wäre bald Schluss mit dem Theaterspielen. Und der Pförtner ist im Übrigen ein wichtiger Mann für die Kunst, denn er weiß oft als einziger, wer von den dringend gesuchten Darstellern eigentlich im Hause ist, damit es mit der Probe weitergehen kann.

Ein weiterer Posten sind die Sachkosten, sie liegen bei etwa 15 bis 20 Prozent des Gesamtbudgets. Den größten Anteil davon machen die sog. "sonstigen Theaterbetriebsausgaben" mit rund 422 Millionen Euro (ca. 9,15 Prozent der Gesamtkosten) aus. Zu ihnen gehören der Erwerb oder Erhalt von Maschinen wie der gesamten Bühnen- und Beleuchtungstechnik, die Bewirtschaftung und Unterhaltung von Grundstücken und Gebäuden ebenso wie Steuern, Abgaben, Versicherungen, Transport und Schulungskosten. Die Ausstattungskosten liegen bei knapp 3,5 Prozent der Gesamtkosten. Die übrigen sieben Prozent der Sachkosten entfallen schließlich auf Mieten und Pachten, Tantiemen, GEMA-Gebühren, Veröffentlichungen sowie Abstecher- und Gastspielkosten.

Soweit so gut! Alles in allem eine gesunde Kostenstruktur für den, der sich mit dem Theater auskennt. Sparen lässt sich da allerdings leider wenig, zumindest wenn man den künstlerischen Standard halten möchte. Ohne viele Mitarbeiter kann man eben nicht mehrere Hundert Vorstellungen im Jahr spielen. Oder sollten etwa kleine Tafeln hochgehalten werden, auf denen der – hoffentlich geneigte – Zuschauer dann lesen kann, welche Szenerie und Besetzung er sich aufgrund des Personalmangels bitte ausmalen möge? Solche Maßnahmen würden wohl kaum dazu beitragen, die Attraktivität des Theaters zu erhöhen. Auch im technischen Bereich ging man lange Zeit von Rationalisierungseffekten durch neuere, moderne Technik und Beleuchtung aus. Inzwischen hat sich aber gezeigt, dass mit einer Verbesserung der technischen Möglichkeiten auch ein verändertes Anspruchsdenken einhergeht. Technische Effekte, die vor zehn Jahren noch begeisterten, gehören heute zum alltäglichen Geschäft. Dementsprechend konnte die Anzahl der Vorstellungen pro technischem Mitarbeiter in den letzten zehn Jahren nur unmaßgeblich von 3,4 auf 3,9 Vorstellungen gesteigert werden, obwohl auch die Technik am Theater fast eine revolutionäre Entwicklung hinter sich hat.

"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit" hat Karl Valentin einmal gesagt und Arbeit, so wäre heute zu ergänzen, ist nun einmal teuer hierzulande, ob im Theater oder anderswo.

Personalausgaben im Theater

Künstlerisches Personal: 56,2 Prozent
Technik: 33,3 Prozent
Verwaltung: 8,8 Prozent
Sonstige Personalausgaben: 0,9 Prozent
Versorgungsbezüge: 0,7 Prozent

Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Bühnenverein - Bundesverband deutscher Theater St.-Apern-Str. 17-21, 50667 Köln Telefon: 0221/208120, Telefax: 0221/2081228

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