Pressemitteilung | Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V.

Weg von der Minutenpflege / Deutsche Rheuma-Liga begrĂŒĂŸt Initiative von Bundesminister Hermann Gröhe, pflegebedĂŒrftige Menschen zukĂŒnftig bedarfsgerechter zu versorgen

(Bonn) - ZukĂŒnftig soll fĂŒr die EinschĂ€tzung der PflegebedĂŒrftigkeit nicht mehr die erforderliche Zeit fĂŒr die Pflege, sondern der Grad der SelbstĂ€ndigkeit bei der DurchfĂŒhrung von AktivitĂ€ten ausschlaggebend sein. Bereits 2016 soll die zweite Stufe der Pflegereform und damit der neue PflegebedĂŒrftigkeitsbegriff in Kraft treten. Die Deutsche Rheuma-Liga begrĂŒĂŸt dies sehr.

Schneller als gedacht, werden die gesetzlichen Vorarbeiten fĂŒr die EinfĂŒhrung eines neuen PflegebedĂŒrftigkeitsbegriffs in Angriff genommen. Hierzu wird in einem Vorschaltgesetz bereits jetzt dem Spitzenverband Bund der Pflegekassen und dem Medizinischen Dienst des GKV-Spitzenverbandes (MDS) der Auftrag erteilt, mit den Vorbereitungen fĂŒr die neuen Begutachtungs-Richtlinien zu beginnen. "Der pflegebedĂŒrftige Mensch mit seinen BedĂŒrfnissen und WĂŒnschen muss in den Mittelpunkt gestellt werden und nicht die Zeit, die es bedarf, um ein Gesicht zu waschen oder zur Toilette zu gehen. Jetzt erfolgt endlich der von uns seit 2008 angemahnte Wechsel von der Minutenpflege hin zur teilhabeorientierten Pflege", so Helga JĂ€niche, Vorstandsmitglied der Deutschen Rheuma-Liga.

Das bisherige Modell der Pflegezeit richtet sich in erster Linie an der Pflege alter Menschen aus. Der Hilfebedarf rheumakranker Menschen ist jedoch keine Frage des Alters, sondern orientiert sich vielmehr an der IntensitÀt und dem Verlauf der Erkrankung. So kann bei der Pflege rheumakranker Menschen der Hilfebedarf zu Anfang deutlich geringer ausfallen, steigt aber im Verlauf der Erkrankung unter UmstÀnden langfristig kontinuierlich an. Zudem kann der schubweise Verlauf der Erkrankung einen sehr hohen Hilfebedarf in einem relativ kurzen Zeitraum hervorrufen.

Die gesetzliche Pflegeversicherung wurde 1995 als 5. SĂ€ule der sozialen Sicherung eingefĂŒhrt. Seitdem ist PflegebedĂŒrftigkeit mit HilfebedĂŒrftigkeit gleichgesetzt. Der Wechsel von drei Pflegestufen auf fĂŒnf Pflegegrade soll eine differenziertere EinschĂ€tzung des Bedarfs an Pflege ermöglichen und sowohl körperlich beeintrĂ€chtigte Menschen als auch demente Menschen angemessen berĂŒcksichtigen.

Die bisherigen Studienerfahrungen zu dem neuen Modell zeigen, dass fĂŒr einzelne Betroffenengruppen durchaus eine Verschlechterung zu erwarten ist. Dies trifft vor allem NeuzugĂ€nge nach der EinfĂŒhrung des neuen PflegebedĂŒrftigkeitsbegriffs. "Die neuen Begutachtungs-Richtlinien dĂŒrfen nicht dazu fĂŒhren, dass PflegebedĂŒrftige gegeneinander ausgespielt werden. Vielmehr muss die Bundesregierung darauf hinwirken, dass eine Verschlechterung nicht eintritt", fordert Helga JĂ€niche.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutsche Rheuma-Liga Bundesverband e.V. Pressestelle Maximilianstr. 14, 53111 Bonn Telefon: (0228) 766060, Fax: (0228) 7660620

(sy)

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