Pressemitteilung | Deutsches Studierendenwerk
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"Wir haben die Hälfte der Bologna-Reform verschlafen"

(Berlin) - Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger im Interview mit dem "DSW-Journal" des Deutschen Studentenwerks (DSW) • Klares Bekenntnis zum Bachelor, aber Kritik an der Umsetzung durch Politik, Hochschulen und Unternehmen • Sattelberger zu den Studierenden-Protesten: "Ich hätte mitdemonstriert"

Berlin, 23. November 2009. Die Studierenden protestieren zum zweiten Mal in diesen Jahr für bessere Studienbedingungen. Was ist am Bologna-Prozess zu verbessern, fragt das "DSW-Journal" des Deutschen Studentenwerks zwei Experten aus Wirtschaft und Hochschulforschung: den Telekom-Manager Thomas Sattelberger und den Hochschulforscher Ulrich Teichler.

Deutliche Worte findet Thomas Sattelberger, Personalvorstand der Deutschen Telekom und Verbindungsmann zwischen Wirtschaft und Hochschulen. Er lässt an der Umsetzung der neuen Bachelor- und Master-Studiengänge in Deutschland kaum ein gutes Haar.

Sattelberger wörtlich: "Wir haben die Hälfte der Bologna-Reform verschlafen. Die ersten fünf Jahre bis 2004/2005 waren nur heiße Luft. Anfang der 1990er Jahre hat die Politik die Reform wie eine tote Katze über den Zaun geworfen. Die meisten Hochschulen haben sie dann erst einmal liegen lassen." Selbst die Einführung der neuen Postleitzahlen nach der Wende, polemisiert Sattelberger, sei mit "mehr Gründlichkeit und Herzblut" eingeführt worden.

Für die Proteste der Studierenden habe er "große Sympathie". "Die Studierenden gehen auf die Straße, weil sie sich zu Lernautomaten degradiert fühlen. Ich hätte auch mitdemonstriert."

Der Telekom-Personalvorstand nimmt auch die Wirtschaft in die Pflicht. Die großen Unternehmen, sagt er, hätten die Bologna-Reform verstanden. Bei den mittleren und kleineren Unternehmen sei das noch nicht angekommen, befürchtet er. "Ich habe Personalverantwortliche kennen gelernt, die wussten noch im Jahr 2006 nicht, was Bologna ist", sagt er im Interview mit dem "DSW-Journal".

Sattelberger bekennt sich dennoch dezidiert zu Bachelor/Master: "Die Bachelor-Absolventen, die ich erlebt habe, haben alle bewiesen, dass der Bachelor-Abschluss etwas taugt." Die Unternehmen sollten ihre betriebliche Personalentwicklung auf die Integration von Bachelor konzentrieren, fordert der Telekom-Vorstand.

Der renommierte Hochschulforscher Ulrich Teichler plädiert im neuen "DSW-Journal" dafür, die jeweiligen Anforderungen von Studium und Beschäftigungssystem als Daueraufgabe von Hochschulen und Wirtschaft zu verstehen. Teichler schreibt: "Die Hochschulen können nicht allein den Erwartungen des Beschäftigungssystems entsprechen, sondern es ist gut, wenn sie auch 'Sperrgut' liefern, das im Beschäftigungssystem zum Umdenken und zur Umorganisation der Berufsrollen beiträgt."

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Das DSW-Journal 4/2009 zum Download (44 Seiten):
http://www.studentenwerke.de/pdf/DSWJournal_4_09.pdf

Quelle und Kontaktadresse:
Deutsches Studentenwerk e.V. Stefan Grob, Referatsleiter, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Monbijouplatz 11, 10178 Berlin Telefon: (030) 297727-0, Telefax: (030) 297727-99

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