Zertifikat für barrierefreie Internetseiten ist nicht praxistauglich / BVDW bietet konkrete Praxishilfen
(Düsseldorf) - Das vom Aktionsbündnis für barrierefreie Informationstechnik (AbI) und der Zertifizierungsstelle DIN CERTCO in Aussicht gestellte Zertifizierungsprogramm stößt beim Arbeitskreis Barrierefreies Internet des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V. auf heftige Kritik. "Wir verstehen Barrierefreiheit als einen Prozess und nicht als einen überprüfbaren Zustand. Die kurzen Innovationszyklen der Internetbranche sind mit einer Zertifizierung prinzipiell unvereinbar", so Arbeitskreisleiter Benno Klaas (denkwerk). Ähnlich sieht es Daniel Vorhauer (hexerei software), ebenfalls Arbeitskreisleiter: "Es macht nur wenig Sinn, mit Hilfe eines Zertifikats einen barrierefreien Zustand zu attestieren, der auf dem technologischen Stand von vorgestern ist." Vor diesem Hintergrund würden die Teilnehmer des Arbeitskreises vor allem an konkreten praktischen Hilfen arbeiten, die den Agenturen bei der Erstellung von barrierefreien Angeboten als Leitfaden dienen.
Das Aktionsbündnis für barrierefreie Informationstechnik (AbI) und die Zertifizierungsstelle DIN CERTCO Gesellschaft zur Konformitätsbewertung mbH haben vereinbart bis Mitte 2005 gemeinsam ein Zertifizierungsprogramm und ein Prüfverfahren zur Zertifizierung von barrierefreien Websites zu entwickeln. Laut AbI reagiere man damit auf die Forderung von Interessenverbänden der Behinderten, sowie von öffentlichen und privaten Anbietern von Websites nach einem Zertifikat als Qualitätsnachweis. Nach Ansicht des BVDW-Arbeitskreises "Barrierefreies Internet" würde damit jedoch das gesamte Thema Barrierefreiheit mit der umstrittenen BITV (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung) gleichgesetzt. "Damit würden die Standards auf dem technologischen Niveau von 1997 eingefroren. Jede nur halbwegs innovative und dynamische Webseite speist sich jedoch heute aus unterschiedlichen Quellen, die von den Betreibern zumindest nicht kontinuierlich kontrolliert werden können", kommentiert Andreas K. Bittner, einer der Gründer des Arbeitskreises, das aktuelle Vorhaben. So sind neuere technologische Standards bisher komplett unberücksichtigt, etwa PDF-Formate, Flash-Programmierungen, RSS-Technologien oder JavaScript.
Für die Agenturen, Auftraggeber und die Privatwirtschaft erarbeitet der Arbeitskreis derzeit einen umfassenden Leitfaden. "Dadurch wollen wir den Kunden Sicherheit geben im Hinblick auf die angebotenen Leistungen. Gleichzeitig geben wir den Agenturen praxisorientierte Standards an die Hand und liefern verlässliche Hilfestellung hinsichtlich der interpretationswürdigen Aspekte der BITV", bietet Benno Klaas Einblick in die aktuellen Arbeitsschwerpunkte des BVDW-Gremiums. Zweifellos hat die BITV nach Ansicht des Arbeitskreises für den Abbau von Barrieren Einiges erreicht, dennoch würden weitere Gruppen bei einem Zertifikat auf BITV-Basis unberücksichtigt bleiben - so etwa Gehörlose, Legastheniker, Analphabeten, bildungsferne Milieus, geistig Behinderte oder Senioren.
"Vor diesem Hintergrund ist es kaum vorstellbar, dass Kunden Geld in ein faktisch aussageloses Zertifikat investieren werden. Guten Gewissens ist das jedenfalls nicht zu empfehlen", so Andreas K. Bittner weiter. Daher sei es wichtig auf allen Seiten die barrierefreie Gestaltung als einen kontinuierlichen Prozess zu begreifen, der nicht durch Zertifikate zu dokumentieren ist. Ebenso sei es im Übrigen wichtig, das Thema Barrierefreiheit und Accessibility auch auf Seiten der Hardware-Anbieter und Access-Provider zu erkennen.
Quelle und Kontaktadresse:
Bundesverband Digitale Wirtschaft e.V. (BVDW)
Kaistr. 14, 40221 Düsseldorf
Telefon: 0211/6004560, Telefax: 0211/60045633
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