ZVEI: Elektrische Antriebe drehen auf / Automatisierung und Energieeffizienz treiben an
(Frankfurt am Main) Die elektrische Antriebstechnik befindet sich nun schon im vierten Wachstumsjahr in Folge. Zu dieser Einschätzung kommt der Fachbereich Elektrische Antriebe im Fachverband Automation des ZVEI - Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. Im laufenden Jahr werde der kumulierte Jahresumsatz mit Produkten, Systemen und Dienstleistungen der elektrischen Antriebstechnik voraussichtlich um weitere sieben Prozent auf 9,25 Milliarden Euro anwachsen. Wesentlichen Anteil an der positiven Entwicklung habe der Export, der aus heutiger Sicht um 8,4 Prozent auf 4,9 Milliarden Euro zulegen werde. Schon im Jahr 2005 habe der Umsatz mit einem Plus von 6,9 Prozent die Erwartungen deutlich übertroffen.
Die Erwartungen der Industrie für das erste Halbjahr 2007 sind gut. Die Exportzahlen zeigen weiter nach oben. Die Inlandsnachfrage hat sich deutlich erholt. Unser Hauptabnehmer, der Maschinenbau, hat gerade seine Wachstumsprognose bestätigt. Auch die Automobilhersteller gehen trotz schwächelnder Binnennachfrage von einem weiteren Produktionsanstieg aus, erklärte Günter Baumüller, Vorsitzender des Fachbereichs Elektrische Antriebe auf der diesjährigen Jahrestagung des Fachverbands Automation. Sorgen bereite der starke Importzuwachs aus China von fast 40 Prozent im laufenden Jahr und der damit einhergehende steigende Wettbewerbsdruck im Inlandsmarkt.
Die Hersteller hat die Konjunkturentwicklung überrascht, meint Baumüller. Nach den besonders im Inland mageren Jahren um die Jahrtausendwende hat die Industrie die Produktionskapazitäten nach unten angepasst. Auch nach dem Spitzenjahr 2004 mit einem Umsatzplus von 9,5 Prozent habe noch niemand an einen stabilen Aufschwung geglaubt. Besonders im arbeits- und materialintensiven Motorenbereich käme es nun zu drastisch erhöhten Lieferzeiten. Der Kapazitätsengpass betreffe alle Stufen der Fertigungskette von der Materialbeschaffung über die Produktion bis zur Qualitätsprüfung und Auslieferung. Der Ingenieur- und Fachkräftemangel erschwere die Situation zusätzlich.
Entwicklung einzelner Marktsegmente fast durchweg positiv
Ein Drittel des Branchenumsatzes entfallen laut ZVEI auf Kleinmotoren, 28 Prozent auf Industriemotoren und 20 Prozent auf Antriebs¬elektronik. Der Rest sind Gleichstrommotoren und Zubehör bzw. Motorenteile. Das Marktsegment Niederspannungs-Drehstrommotoren profitiere von der Entwicklung im Maschinen- und Anlagenbau in Deutschland. Nach einem Plus von acht Prozent im Jahr 2005 deutet sich für 2006 ein nochmaliger Anstieg um neun Prozent auf 1,85 Milliarden Euro an, so Baumüller. Noch kräftigere Zuwächse von 20 Prozent und darüber seien bei großen Maschinen für den Anlagenbau zu verzeichnen. Auch Frequenzumrichter blieben auf dem langjährigen Wachstumspfad. Dem Plus von fünf Prozent im Jahr 2005 folge 2006 ein weiterer Umsatzzuwachs von voraussichtlich dreizehn Prozent auf 1,38 Milliarden Euro. Das Geschäft mit Software und Dienstleistungen, mittlerweile rund ein Fünftel des Branchenumsatzes, wachse ebenfalls um schätzungsweise fünf Prozent.
Bei den Kleinmotoren ist erstmals seit vielen Jahren ein kleiner Einbruch von knapp 3 Prozent zu verzeichnen. Das ist im wesentlichen auf eine rückläufige Nachfrage aus dem Automotive-Bereich zurückzuführen. Im laufenden Jahr zeichnet sich aber wieder eine leichte Erholung von plus einem Prozent auf knapp 2,4 Milliarden Euro ab, so Baumüller.
Das Interesse an Gleichstrommotoren nimmt weiter zu, stellt der ZVEI fest. Die Substitution durch Drehstrom ist offensichtlich weitgehend abgeschlossen. Der langjährige Abwärtstrend hatte 2002 die Talsohle durchschritten. Seither habe sich die Produktion wieder um ein Viertel erhöht. Für 2006 geht der ZVEI von einem Produktions¬anstieg von acht Prozent auf 114 Millionen Euro aus.
Nach der für die elektrische Antriebstechnik und die Automation sehr erfolgreichen Hannover Messe 2006 im April bereiten sich die Unternehmen nun auf die SPS/IPC/Drives im November 2006 in Nürnberg vor. Sie ist für die Branche das wichtigste nationale Jahresereignis, den Kunden und der Fachpresse mit technischem Tiefgang die neuesten Produkte, Systeme und Lösungen der Automation vorzustellen. Die elektrische Antriebstechnik wird in den Hallen 1 und 4 ihren weltweiten Führungsanspruch unter Beweis stellen, berichtete Baumüller.
Energieeffizienz ist Thema Nr.1
Der sparsame Umgang mit Energie werde von der Elektroindustrie schon seit Jahren durch das vielfältige Angebot energiesparender Produkte, Geräte und Systeme gefördert. Inzwischen seien auch auf politischer Ebene die Aktivitäten verstärkt worden. Die relevanten Richtlinien sind aus ZVEI-Perspektive die EUP-Richtlinie, das EU-Grünbuch über Energieeffizienz und die Energie¬dienstleistungsrichtlinie EDL. In Deutschland gingen zusätzliche Impulse vom Energiegipfel der Bundeskanzlerin, der Umsetzung verschiedener Richtlinien in nationales Recht und vom Energieeffizienz-Allokationsplan aus. Der ZVEI unterstützt die Energieeffizienzkampagne der Bundesregierung mit seiner Initiative Leitmarkt Energieeffizienz.
Nach Analyse des ZVEI bietet die elektrische Antriebstechnik mit Energiesparmotoren und Antriebsregelung das größte Einsparpotential. Etwa 27 Milliarden Kilowattstunden könnte der Verbrauch pro Jahr allein im industriellen Bereich reduziert werden. Das entspricht elf Kraftwerksblöcken der 400 MW-Klasse. Die Stromkosten der Anwender könnten durch energieeffiziente Antriebstechnik um 2,2 Milliarden Euro reduziert werden, stellte Baumüller fest. Das sei ein umweltpolitisches Schwergewicht, das zudem mit keinerlei Nachteilen verbunden ist. Es erfordere lediglich ein höheres Anfangsinvestment, das durch die Energieeinsparung bereits in ein bis zwei Jahren kompensiert werde. Insofern begrüßten die Hersteller elektrischer Antriebstechnik die politischen Aktivitäten, Einkäufer oder Nutzer dazu zu bewegen, bei der Kaufentscheidung auch die Energiekosten bzw. die Life-Cycle¬Costs zu berücksichtigen. Diese lägen oft ein Vielfaches über dem Kaufpreis, stellte der ZVEI fest.
Quelle und Kontaktadresse:
Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie e.V. (ZVEI)
Christian Mannigel, Leiter, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stresemannallee 19, 60596 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 6302-0, Telefax: (069) 6302-317
Weitere Pressemitteilungen dieses Verbands
- ZVEI: 2018 Produktionsplus drei Prozent für Elektroindustrie / Fachkräftemangel derzeit größte Herausforderung / Klimaschutz eröffnet Chancen für die Industrie und den Standort
- Gute Geschäftslage und viel Optimismus bei der bayerischen Elektroindustrie
- Sozialpartner in der Metall- und Elektro-Industrie analysieren Berufsbilder und Qualifizierungsbedarf für Industrie 4.0
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen

