Verbändereport AUSGABE 5 / 2015

Professionell in die Falle

Warum Berufserfahrung das Risiko für Fehlentscheidungen erhöhen kann

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Mit steigender Berufserfahrung nimmt in der Regel der Umfang an Entscheidungsbefugnissen zu. Dies wird meist damit begründet, dass mit der Erfahrung das Wissen und die Kompetenzen zunehmen und dadurch schneller bessere Entscheidungen getroffen werden können. Doch diese einfache Gleichung, mehr Erfahrung = bessere Entscheidungen, trifft nicht zu. Vielmehr steigt durch Erfahrung das Risiko an, in gewisse Denkfallen zu geraten, die die Qualität von Entscheidungen mindern können. So nimmt beispielsweise mit der Erfahrung das Vertrauen in die eigenen Entscheidungen zu. Die subjektive Gewissheit, richtig zu entscheiden, steigt an. Die Folge ist, dass schneller entschieden wird, verfügbare Informationen ignoriert oder in ihrer Bedeutung herabgemindert werden und weniger Vorkehrungen gegen die Folgen von Fehlentscheidungen getroffen werden. Dies kann gravierende Folgen haben. So kosten medizinische Fehldiagnosen von Ärzten mit übermäßigem Selbstvertrauen fast täglich Menschenleben. Doch Erfahrung birgt nicht nur Risiken, sie kann auch gegen Fehler bei Entscheidungen schützen. Wann was der Fall ist, soll dieser Artikel aufzeigen.

Planungsfehler – Eine Denkfalle, gegen die Erfahrung erstaunlich wenig ausrichtet Erstaunlich viele Projekte werden nicht termingerecht fertig. Und dies betrifft nicht nur Großprojekte wie den Bau von Flughäfen oder Militärtransportern. Genau genommen sind Planungsfehler gerade bei hochkomplexen Projekten zu erwarten. Nehmen Sie zum Beispiel die Entwicklung von neuen Waffensystemen, wie den Bau eines Flugzeugträgers. Die Entwicklungszeit beträgt über zehn Jahre. In dieser Zeit wird eine Vielzahl von technischen Neuerungen entwickelt. Hierzu gehören unter anderem neue Chiptechnologien und neue Betriebssysteme für die Rechneranlagen. Nun sollen diese Neuerungen in die laufende Entwicklung mit einbezogen werden, sodass das fertig entwickelte Produkt auf dem neusten Stand ist. Die Planer können aber schlecht absehen, welche Neuerungen es in den nächsten zehn Jahren geben wird. Die Folge ist, dass sie so planen müssten, dass sie gegebenenfalls neu planen könnten, wenn es relevante Innovationen gibt,

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Autor

York Hagmayer

ist Akademischer Rat am Georg-Elias-Müller-Institut für Psychologie an der der Universität Göttingen.

https://www.psych.uni-goettingen.de/de/cognition/team/hagmayer
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