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Grüne Meetings definieren sich als „Meetings, die über alle Planungsphasen hinweg umweltfreundliche Konzepte integrieren, um Schäden für die Umwelt möglichst gering zu halten“. Dabei umfasst Nachhaltigkeit in der Veranstaltungsbranche heute weit mehr als regionales Catering und Mülltrennung. Der Verbändereport stellt ausgewählte Häuser und einen Messeplatz vor, die Vorreiter in Sachen Green Meetings sind.

(C) Verbändereport Ausgabe 2, März/April 2020
Umweltforum © Besondere Orte/Sebastian Greuner

Deutschland hat Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein zu seinem Markenzeichen gemacht. Nachhaltig wirtschaftende Kongresszentren und Hotels mit innovativen Energiekonzepten und nicht zuletzt dem Schwerpunkt auf saisonaler und regionaler Küche gewährleisten einen sparsamen Umgang mit Ressourcen. Und auch die Einhaltung nachhaltiger Standards im Hinblick auf die sozialen Aspekte Corporate Social Responsibility (CSR), Mitarbeiterkomfort und Compliance ist genauso in den Mittelpunkt gerückt wie das nachhaltige wirtschaftliche Handeln. Fast 40 Prozent der deutschen Veranstaltungsstätten haben bereits ein Nachhaltigkeits-Managementsystem implementiert und zahlreiche Anbieter sind durch Organisationen wie z. B. Green Globe,
EMAS, ISO oder das Qualitätssiegel „Certified“ des Geschäftsreiseverbands VDR zertifiziert. Auch der Nachhaltigkeitskodex der Veranstaltungsbranche „fairpflichtet“ verzeichnet bereits mehr als 370 Unterstützer. Der Kodex ist eine freiwillige Selbstverpflichtung zur unternehmerischen Verantwortung für Nachhaltigkeit bei der Organisation und Durchführung von Veranstaltungen. Zehn Leitlinien fassen den Kodex zusammen. Sie geben das qualitative Ziel der Ausgeglichenheit von ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten wieder.

365 Tage für die Nachhaltigkeit

Seit der Firmengründung der BESONDEREN ORTE vor knapp 20 Jahren ist Nachhaltigkeit ein wesentlicher Bestandteil der Unternehmensphilosophie. Das liegt im Zweck des Unternehmens begründet: dem Erhalt historischer Gebäude, die wenig oder gar nicht mehr genutzt wurden. Als Veranstaltungsorte erhalten sie zum einen nicht nur eine neue Funktion, sondern über die Einnahmen aus den Veranstaltungen wird zum anderen auch der bauliche Erhalt der Gebäude sichergestellt.

Heute orientieren sich alle wesentlichen Prozesse im Unternehmen am Kriterium Nachhaltigkeit: die Beschaffung von Waren und Dienstleistungen, die Bewirtschaftung der acht Eventlocations, die Durchführung von Veranstaltungen, die internen Kommunikationsstrukturen und die Personalarbeit.

Ganz deutlich steht die Nachhaltigkeit auch bei den Buchungen im Vordergrund, wie Geschäftsführerin Anke Stopperich darlegt: „Im vergangenen Herbst hatten wir sehr viele Veranstaltungen zum Klimawandel. Sei es zu erneuerbaren Energien oder zum Klimaschutz in der Landwirtschaft. Bei solchen Themen sind die BESONDEREN ORTE mit ihrem nachhaltigen Profil die erste Wahl als Eventlocation. Gleichzeitig spüren wir einen erhöhten Beratungsbedarf, wenn es darum geht, wie eine Veranstaltung möglichst nachhaltig ausgerichtet werden kann. Hier unterstützen wir mit unserem Nachhaltigkeits-Know-how, zum Beispiel, wie wir Foodwaste vermeiden, und mit Angeboten wie dem Veranstaltungsticket der DB. Denn die Anreise der Gäste ist in der CO2-Bilanz einer Veranstaltung immer noch der größte Faktor.“

Ausgehend vom Stammhaus, dem Umweltforum, ist das Portfolio an Tagungsstätten kontinuierlich gewachsen. Heute gibt es acht BESONDERE ORTE in zentraler Berliner Lage – vom Checkpoint Charlie über den Gendarmenmarkt zum Alexanderplatz und zu Mediaspree.

Das Unternehmen ist nach dem Umweltmanagementsystem EMAS zertifiziert. Außerdem sind die BESONDEREN ORTE aktives Mitglied im Netzwerk Sustainable Meetings Berlin und beim Global Compact. Zudem hat es sich dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex und weiteren Initiativen verpflichtet. Ganz frisch wurde es für den CSR-Preis 2020 der Bundesregierung nominiert, der Unternehmen mit besonderem gesellschaftlichem Engagement auszeichnet. „Und last but not least stehen in diesem Jahr die Sustainable Development Goals der UN – also die globalen Nachhaltigkeitsziele – auf unserer Agenda. Welche der SDGs unterstützen wir bereits? Welche Ansatzpunkte sehen wir als kleines Unternehmen, um einen Beitrag zu den großen Zielen wie Klimaschutz zu leisten? Da kann ich mir vorstellen, dass wir über eine Umstellung unseres Fuhrparks auf E-Mobility reden werden“, erklärt Stopperich.

2020 stehen noch weitere Projekte auf der Agenda der BESONDEREN ORTE. „Wir stehen kurz vor der eigenen Bio-Zertifizierung. Säfte, Milch, Kaffee und Tee genießen unsere Gäste seit fast 20 Jahren in Bioqualität. Mit der Zertifizierung durch eine unabhängige Kontrollstelle dürfen wir das bekannte sechseckige deutsche Bio-Siegel verwenden. Im gleichen Schritt erhöhen wir den Anteil der verwendeten Bio-Lebensmittel. So wird es auch Butter, Hafermilch, Eier, Quark, Joghurt, Sahne, Brötchen, Baguettes, Brote und Müsli nur noch in Bio geben“, erzählt Anke Stopperich.

Auch an den Locations wird gearbeitet. So erhält das Tagungswerk aktuell ein komplettes Make-over. „In dem Haus am Checkpoint Charlie entstehen geräumigere Seminarräume, große Fensterfronten und die Barrierefreiheit wird verbessert. Nach der Wiedereröffnung im Juni wird es außerdem einen großzügigen Catering- und Empfangsbereich geben, von dem aus die Gäste direkt zur Außenterrasse auf unserem Lindenhof gelangen“, ergänzt Stopperich. Inspiriert von der ökologischen Gebäudetechnik des Umweltforums hat das Tagungswerk ebenfalls eine Photovoltaikanlage und ein Gründach
erhalten.

Darüber hinaus gibt es ein weiteres Bauprojekt: „Auch in unserem Premium-Haus am Berliner Gendarmenmarkt, der Französischen Friedrichstadtkirche, wird gebaut. Von Akustik über Raumaufteilung bis zur Barrierefreiheit werden wir fast alles anfassen und optimieren. Im Sommer 2021 eröffnen wir wieder“, verrät Stopperich.

Sämtliche Locations liegen zentral in der Innenstadt und sind gut mit dem ÖPNV zu erreichen. Ausreichend Fahrradabstellanlagen befinden sich jeweils im Außenbereich. Die Häuser sind barrierefrei, ebenerdig zugänglich und verfügen über Fahrstühle und Behinderten-WCs.

Im Frühling erwartet Gäste des Umweltforums wieder eine strahlend gelbe Blumenwiese vor dem Haus. Jedes Jahr im Herbst pflanzt das Grüne-Daumen-Team der BESONDEREN ORTE Frühblüher in die Grünfläche vor dem Gebäude ein. Zusammen mit der Wildblumenwiese nebenan freuen sich darüber auch die hauseigenen Bienen.

Das Vorurteil, dass nachhaltige Tagungen höhere Kosten beim Kunden produzieren, möchte Anke Stopperich unbedingt entkräften: „Gerade beim Catering haben wir einen pragmatischen Kompromiss gefunden: Wir setzen auf langjährige Partnerschaft zu Lieferanten aus der Region und damit auf saisonale Produkte. Zur gleichen Zeit erhöhen wir sukzessive den Anteil der Bio-Lebensmittel anstatt auf 100-prozentiges Bio-Catering umzustellen, was in der Tat einen höheren Preis hätte. Beim Gebäudemanagement steht die Energieeffizienz im Vordergrund. Hier sind LED-Beleuchtung, Wasserspareinrichtungen, Gründächer wichtige Stichworte. Damit sparen wir Kosten und Ressourcen ein. Unser Umweltforum trägt seinen Namen ja, weil es schon vor 20 Jahren Vorzeigeprojekt für ökologisches Bauen war. Übrigens haben die Referenten bei allen genannten klimarelevanten Veranstaltungen einen Bezug zum Tagungsort – dem Umweltforum – hergestellt. In Zeiten, wo das Storytelling auch für Veranstaltungen wichtiger wird, gehen nachhaltige Veranstaltungsinhalte Hand in Hand mit nachhaltigen Locations.“

Ein Landgut mit Modellcharakter

Nur 35 Minuten vom Flughafen Berlin Tegel entfernt, inmitten einer Parklandschaft mit See im Havelland, liegt das inhabergeführte Landgut Stober. Schon lange ist Nachhaltigkeit hier nicht mehr nur eine Vision des Eigentümers Michael Stober, der das ehemalige Landgut vor 19 Jahren erwarb, sondern steht im Mittelpunkt der gesamten Unternehmensausrichtung. Alle Produktionsprozesse werden auf ihre Nachhaltigkeit hinterfragt. Und das Engagement auf dieser klaren Linie zahlt sich aus. Seit 2012 wird das Tagungshotel fast jährlich mit entsprechenden Auszeichnungen prämiert: Bestes deutsches Tagungshotel, Nachhaltigste Tagungs-, Event- und Hotellocation, Gewinner des Green Hotelier Award (Grünstes Hotel Europas) und Meeting Experts Green Award 2015 & 2019. Im Frühjahr 2019 ließ sich das Landgut nach dem anspruchsvollen Kriterienkatalog der Sustainable Meetings Berlin, initiiert von visit Berlin Convention Office, auditieren und konnte eine Performance von über 90 Prozent verzeichnen. Michael Stober ist zudem einer von fast 4.500 „Entrepreneurs for Future“. Das Netzwerk aus Unternehmern will den Klimaschutz voranbringen bzw. sich dafür einsetzen, dass die Wirtschaft mit innovativen Produkten, Technologien, Dienstleistungen und Geschäftsmodellen schnellere und bessere Klimaschutzmaßnahmen voranbringt. Die soziale Säule der Nachhaltigkeit wird

Etwa die Hälfte der Kunden bucht das Landgut Stober aufgrund des konsequenten, klimaschonenden Wirtschaftens. Dabei geht es Stober auch darum, zu zeigen, dass man nicht auf Vier-Sterne-Komfort verzichten muss, wenn Ressourcen und Natur geschont werden. Eher möchte man durch entspanntes Vorleben möglichst viele Menschen von einem bewussteren Lebensstil überzeugen. Gäste, die auf die tägliche Zimmerreinigung verzichten können, erhalten ein kleines, nachhaltiges Geschenk. Beim Frühstück wird dezent kommuniziert, bewusst nur das vom Büfett zu nehmen, was auch gegessen wird.

Auf dem Landgut Stober gibt es insgesamt 30 historische Tagungs- und Veranstaltungssalons für bis zu 750 Teilnehmer. Man tagt in den ehemaligen Fabrikhallen der Borsig-Werke, in denen man zur Zeit des Preußischen Reichs Eisenbahnen baute, oder in Räumen, die als Rinderstall, Kornspeicher und Brennerei genutzt wurden. Seit 2018 sind Tagungen vor Ort klimapositiv. Nach erfolgreicher Tagung erhalten die Teilnehmer sogar ein eigenes Zertifikat für die klimaneutrale Veranstaltung auf dem Landgut Stober. Besonderen Wert legt man in Brandenburgs erstem zertifizierten Biohotel auf frische, regionale Küche. Ein großer Kräuter- und Gemüsegarten sind Standard sowie Produkte von selbst geprüften lokalen Herstellern.

Bereits im Januar 2019 begann man mit der Erweiterung des Hotels auf 300 moderne Zimmer. Dafür wurden zum einen historische Bestandsgebäude saniert und zum anderen eine straßenbegleitende Lücke durch einen Neubau geschlossen. Bereits ab März 2020 können die ersten Gäste ihre neuen Zimmer beziehen. Ergänzt wird das Bauvorhaben durch einen neuen Hotelempfangsbereich mit Workstations und einer modernen Bar für den abendlichen Ausklang.

Zukünftig möchte Stober die komplette Energieautarkie des Hotels erreichen und nur selbst produzierte Energie speichern, komplett ohne Zufuhr von fremden Netzbetreibern. Das wäre der konsequente Abschluss der bisher umgesetzten Maßnahmen: Stromversorgung durch eine Photovoltaikanlage, zwei Holzhackschnitzelheizungen mit Biomasse aus dem 12,5 Hektar großen eigenen Wald und die Nutzung des Regenwassers für alle Toilettenspülungen. Allein dadurch werden 50 Prozent Frischwasser eingespart. Weitere 25 Prozent Frischwasserersparnis werden durch die eigene Wasserdruckerhöhungsanlage und Perlatoren erreicht. Die zwei Holzhackschnitzelheizungen sparen seit dem dritten Jahr nach ihrer Inbetriebnahme circa 60.000 Euro Heizkosten pro Jahr.

Das Gesamtkonzept spiegelt sich auch in den Details. Die Gäste wohnen in elektrosmogreduzierten Zimmern und schlafen in metallfreien Betten aus Naturmaterialien und Fairtrade-Bettwäsche. In den Zimmern sind Fairtrade-Textilien, essbare Teppiche aus Mais und krumme Holzdielen verarbeitet, die 20 Prozent weniger Verschnitt in der Herstellung produzieren. Ein weiteres Ziel ist nun die Trinkwasserversorgung in 2020 aus eigener Quelle.

Die Gemeinwohlzertifizierung des Landguts nach dem Modell von Christian Felber spiegelt die dritte Säule der Nachhaltigkeit – das Handeln nach sozialen Gesichtspunkten. Soziale Gerechtigkeit, Achtung der Menschenwürde, Solidarität, demokratische Mitbestimmung und ökologische Nachhaltigkeit sind dabei die zentralen Werte. Seit 2018 ist das Haus gemeinwohlbilanziert. Die inzwischen anfallenden Gewinne werden zu 20 Prozent an gemeinnützige Institutionen oder für humanitäre Zwecke gespendet, zu mittlerweile 20 Prozent den Mitarbeitern durch verbesserte Sozialleistungen oder höhere Gehälter zurückgeführt, zu 40 Prozent reinvestiert und in Höhe von 10 Prozent für Sonderdarlehenstilgungen verwendet. Nur 10 Prozent fließen an die Eigentümer.

Grünes Engagement im Rhein-Main-Gebiet

Überall, wo Menschen zusammenkommen, ist auch der Klimawandel ein Thema. An- und Abreise, Heizung oder Klimaanlage am Veranstaltungsort, Essen und Trinken, Vorträge und Präsentationen – all dies verursacht Emissionen, die sich auf das Klima auswirken. „Wer diese Problematik nicht ausblendet, hat schon den ersten Schritt hin zum nachhaltigen Tagen gemacht“, sagt Prokuristin Sabine Maiwald-Wolf, die im Congress Park Hanau (CPH) unter anderem das Nachhaltigkeitsmanagement verantwortet. Das gesamte Team hat sich dem Nachhaltigkeitsgedanken verpflichtet und orientiert sich bereits seit 2013 an den Leitlinien von „fairpflichtet“, dem Nachhaltigkeitskodex der Veranstaltungswirtschaft.

Der Congress Park Hanau, direkt am Schlossgarten am Rande der Hanauer Altstadt, gehört zu den größeren Häusern im Rhein-Main-Gebiet. Seit der Eröffnung im Jahr 2003 finden hier Konferenzen und Tagungen wichtiger Unternehmen, Bundes- oder Landesparteitage, Theater- und Konzertaufführungen oder Bälle statt. Das Raumangebot vor Ort umfasst einen Kongresssaal mit über 1.000 Sitzplätzen, einen Theater- und Konzertsaal für 800 Personen und mehrere mittlere und kleine Säle, die flexibel genutzt werden können. Über 2.000 Quadratmeter Foyerflächen stehen für Messen und Ausstellungen zur Verfügung.
Insbesondere das Energiekonzept mit Ökostrom aus Wasserkraft, die Photovoltaik-Anlage auf dem Dach, die stetige Optimierung des Beleuchtungsplans und die regelmäßige Revitalisierung der Veranstaltungstechnik durch moderne, stromsparende Geräte haben eine große Hebelwirkung in Sachen Nachhaltigkeit. Dazu kommen der Einsatz von regionalem oder Bio-Catering, die konsequente Mülltrennung, der Verzicht auf Einweggeschirr und verschiedene wassersparende Anlagen im Haus.
Durch eine Kooperation mit „natureOffice“ haben Veranstalter die Möglichkeit, den CO2-Ausstoß ihrer Veranstaltung vorab zu errechnen und die ermittelten Emissionen über ein Klimaschutzprojekt zu kompensieren. Wer sich dafür entscheidet, darf seine Veranstaltung schon im Vorfeld mit dem Logo „Wir veranstalten klimaneutral“ bewerben. Das Thema Nachhaltigkeit im Veranstaltungsbereich steht im CPH seit vielen Jahren auf der Agenda. Nachhaltigkeit ist im strategischen Management verankert und wird bei Entscheidungen berücksichtigt. Ökologische und soziale Aspekte sind an vielen Stellen in die betrieblichen Abläufe eingebunden. „Konsequent erfassen wir die CO2-Emissionen bei Dienstreisen. Für unsere gedruckten Medien verwenden wir ausnahmslos recyceltes Papier, wenn überhaupt gedruckt wird. Und der Kaffee im CPH ist selbstverständlich fair gehandelt und stammt aus umweltverträglichem Anbau. Nach und nach werden wir durch nachhaltige Einkaufsrichtlinien unsere Lieferanten in den Prozess der Nachhaltigkeit mit einbeziehen. Wir wollen damit einen Dominoeffekt anstoßen, der sich in der Region auswirkt“, sagt Nicole Rautenberg, Geschäftsführerin der Betriebsführungsgesellschaft Hanau.

Deutsche Messe AG: Nachhaltigkeit im Großformat

Die Deutsche Messe AG mit Sitz in Hannover zählt zu den fünf größten deutschen Messegesellschaften. Bereits 2018 gewann Hannover den Deutschen Nachhaltigkeitspreis und wurde als „Deutschlands nachhaltigste Großstadt“ ausgezeichnet. Mit knapp 50 Prozent ist die Landeshauptstadt neben dem Land Niedersachsen am Messegelände beteiligt. Und so wird auch hier in unterschiedliche Nachhaltigkeitsprojekte investiert, einige Meilensteine sind bereits erreicht. Gerade Energiesparen ist für einen Messebetrieb eine große Herausforderung, da Büros und Werkstätten zwar täglich das ganze Jahr über genutzt werden, die Veranstaltungshallen jedoch nur temporär in Betrieb sind – und dann innerhalb von kürzester Zeit sehr viel Energie benötigen. Die energetische Sanierung der Hallen steht im Fokus: Den Anfang macht die Halle 11, bei der 2020 Kältebrücken durch Kabelkanäle und Dachluken beseitigt werden sowie Wände und Decken bei Bedarf eine verstärkte Dämmung erhalten.
Seit 2018 läuft das gesamte Messegelände mit Strom aus erneuerbaren Energien, das spart jährlich 18.000 Tonnen CO2. Außerdem wird regelmäßig in energieeffiziente LED-Leuchtmittel investiert. „Etwa 2025 werden wir das letzte von rund 6.500 Leuchtmitteln getauscht haben“, sagt Matthias Dorsch, Leiter des Technischen Facility Managements (TFM). Auch in Sachen Wasserverbrauch wurde kräftig reduziert. Zum einen haben sich die WC-Spülmengen von neun auf sechs Liter reduziert. Zum anderen gibt es bereits seit zehn Jahren kein Warmwasser mehr in den Sanitärbereichen. Dadurch werden weitere 80.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr eingespart. Auch auf Springbrunnen auf dem Gelände wird verzichtet, um hier nicht Wasser zu verschwenden. Dank eines guten Entsorgungskonzepts können außerdem 94 Prozent des Abfalls recycelt und damit wiederverwertet werden.

Viel Wert legt man auf das grüne Erscheinungsbild. Auf der über 200 Hektar großen Gesamtfläche sind allein neun Hektar als Gehölzfläche und 16 Hektar als Rasenfläche angelegt. Fast 4.000 Bäume stehen in Alleen und Parkflächen auf dem Gelände und jedes Jahr kommt mindestens einer dazu. Seit 1989 wird in feierlicher Tradition zu jeder LIGNA, einer Fachmesse zum Thema Holzverarbeitung und Holzbearbeitung, der Baum des Jahres gepflanzt. Einen enormen Grün-Schub erfuhr das Messegelände im Vorfeld der Weltausstellung EXPO 2000, die das Thema Nachhaltigkeit ins Zentrum rückte: Das Messegelände wurde in die Veranstaltung integriert und die gesamte Fläche über großzügige Parkanlagen wie die „Gärten im Wandel“ mit der offenen Landschaft verbunden.

Das Cosmopolitan auf dem Messegelände ist das höchste Restaurant Hannovers. Es bietet aus 38 Metern Höhe einen umfassenden Blick auf das Umland der Landeshauptstadt. Von dort kommt ein Großteil der Produkte, die in der Messegastronomie verwendet werden. Das Hauptverkehrsmittel auf dem Messegelände ist schon lange das Fahrrad. Rund 300 Fahrräder sind im Einsatz, allein 60 Lastenfahrräder mit Anhängern beliefern Restaurants, Bistros, Snackpoints und Foodtrucks sowie Messestände mit frischen Waren und stellen den Getränkeservice auf dem gesamten Messegelände sicher. Größere Lasten werden mit E-Karren und E-Fahrzeugen bewegt. Insgesamt 22 Parkplätze sind mit elektrischen Ladestationen ausgestattet.     (KS)

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