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Smart Cities: Riesiges Angebot – fernab der Metropolen

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London, Paris, Mailand – das muss nicht sein! Auch die Metropolen in Deutschland sind kein Muss, wenn Verbände zur Tagung einladen. Hierzulande finden sich zahlreiche Mittel- und Großstädte, die ebenfalls eine Reise wert sind. Manchmal schlagen sie sogar die Vorteile der Metropolen. Wir schauen uns an, was Baden-Baden, Erlangen und Freiburg auszeichnet.

(C) Verbändereport Ausgabe 2, März/April 2020
Galopprennen © Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH

Kurze Wege, lokale Spezialitäten und eigene Kompetenzcluster: Die deutschen Mittel- und Großstädte haben alles, was es zum angenehmen Leben – und Tagen – braucht. Manche von ihnen sind Spitzenreiter in Medizin und Technik wie Baden-Baden und Erlangen, andere zusätzlich Vorreiter in Sachen Nachhaltigkeit, wie Freiburg.

Baden-Baden mit neuem Image

Baden-Baden versteht sich schon längere Zeit nicht mehr nur als Kurstadt. Um ihr Image weiterzuentwickeln, hat die Stadt vor einiger Zeit den Slogan „Baden-Baden. The good-good life“ lanciert. Dadurch soll deutlich werden, dass die Stadt lebenswert ist, weil sie sich für sämtliche Lebensstile öffnet und durch ihre Leistungsträger immer wieder neu erfindet.
Diese Leistungsträger der Kongresse lassen sich drei Kompetenzfeldern zuordnen. Eines der Kompetenzfelder ist nach wie vor Medizin und Gesundheit, da der Standort über Kliniken verfügt und beispielsweise die Medizinische Woche und die Implantologietage ausrichtet. Ebenfalls Kompetenzen weist die Stadt sowohl im Finanzwesen als auch in den Bereichen Medien und Wirtschaft auf.

Das dritte Kernkompetenzfeld vereint die Technik und das Ingenieurwesen, da im Umland entsprechende Unternehmen angesiedelt sind und die Stadt zur Technologie-Region Karlsruhe zählt. So finden in Baden-Baden immer wieder Fortbildungen des Verbands Deutscher Ingenieure (VDI) statt, der Internationale Motorenkongress bringt jedes Jahr die Verbrennungsmotoren-Community in die Stadt, genauso finden jährlich bei den ista Süd-West Verwaltertagen Energiedienstleister zusammen.

„Durch unseren Imagewandel ist die Destination Baden-Baden attraktiver für Veranstaltungsplaner geworden“, so Nora Waggershauser, Geschäftsführerin der Baden-Baden Kur & Tourismus GmbH. „Die Aufmerksamkeit wird auf Lifestyles, die vielfältigen Möglichkeiten und einzigartige Kompetenzbündelung in der Stadt gelenkt. Als Ergänzung zu Traditionsveranstaltungen und Stammkongressen sehen wir ‚jüngere’ MICE-Formate und -Akteure dabei als Potenzial – insbesondere bei Veranstaltungen, die von der Leistungsbündelung und dem Know-how vor Ort, auch von lokalen Unternehmen und der Technologie-Region Karlsruhe profitieren können.“

Kongresshaus, Kurhaus und Festspielhaus

Wichtigste Veranstaltungsstätte der Stadt ist das Kongresshaus Baden-Baden. Dort werden pro Jahr rund 100 meist mehrtägige Veranstaltungen durchgeführt. Das Haus bietet insgesamt 4.500 Quadratmeter Fläche auf vier Ebenen. Die Fläche verteilt sich auf vier Konferenz- und 13 Sitzungsräume, sodass Veranstaltungen mit bis zu 2.700 Teilnehmern möglich sind.
Das Kurhaus Baden-Baden bietet zahlreiche elegante Säle, etwa den Bénazetsaal für bis zu 1.200 Personen. Darüber hinaus stehen das Festspielhaus Baden-Baden, die Rennbahn Baden-Baden Iffezheim, das Palais Biron als Tagungshaus der IHK und zahlreiche weitere Locations und Hotels für Tagungen, Symposien, Messen und sonstige Business-Veranstaltungen zur Verfügung.

Hightech aus Erlangen

Technik und Medizin – diese beiden Felder bestimmen den Wirtschaftsstandort Erlangen. Hier konzentriert sich das Know-how: mit der Siemens AG, der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, zahlreichen Hightech-Firmen sowie privaten und öffentlichen Forschungseinrichtungen. Mit rund 110.000 Arbeitsplätzen ist Erlangen auch eines der wichtigsten Arbeitsmarktzentren Bayerns. Größter Arbeitgeber ist Siemens, gefolgt von der Universität. Zudem haben zwei Fraunhofer-Institute hier ihren Sitz, genauso wie das Helmholtz-Institut Erlangen-Nürnberg für Erneuerbare Energien und das Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts. Mit Unterstützung des Freistaats Bayern wird derzeit am Erlanger Universitätsklinikum ein Max-Planck-Centrum für Physik und Medizin aufgebaut.

Neben Technik und Forschung ist es jedoch auch die Kultur, die manchen Gast und Veranstalter nach Erlangen lockt. Barocke Gebäude, ein Schlossgarten, enge Gassen und offene Plätze – auch sie machen Erlangen aus. Die Stadt gilt als eine der besterhaltenen barocken Planstädte in Deutschland.

Kongresszentrum, historischer Saal oder Co-Working Space

Zu den wichtigsten Veranstaltungsstätten Erlangens gehört die Heinrich-Lades-Halle. Sie bietet zwei Säle, zwei Foyers und acht Tagungsräume mit insgesamt rund 4.000 Quadratmetern Fläche. Genutzt wird sie für Kongresse, Seminare und Messe, genauso für Ausstellungen, Theateraufführungen, Klassik- und Pop-Konzerte. Der Große Saal bietet dazu etwa 900 Quadratmeter Fläche, ergänzt durch eine rund 200 Quadratmeter große Bühne. Um zusätzliche rund 1.300 Quadratmeter erweitert das Foyer den Großen Saal für Empfänge oder Messen.

Veranstalter, die eine historische Atmosphäre bevorzugen, finden mit dem Redoutensaal einen barocken Festsaal aus dem Jahr 1750. Er liegt in der Erlanger Altstadt, in unmittelbarer Nähe zum Schlossgarten. Der knapp 480 Quadratmeter große Saal eignet sich für Tagungen, Messen und Präsentationen, auch Bälle, klassische Konzerte, Kabarett und Empfänge finden darin statt. Bei Reihenbestuhlung fasst er maximal 550 Personen. Kreativ gestaltete Office-Flächen, Event- und Konferenzräume hat das Brucklyn Hall Coworking im Angebot. Fünf Meeting-Räume und die sogenannten Presentation Stairs als Event Space dienen für Veranstaltungen und Besprechungen. Im „Idea Cube“ ist beispielsweise alles beschreibbar: Tisch, Stühle, Wände und Boden.   
„Schön in Erlangen sind die besonders kurzen Wege, man ist eben schnell überall“, so Katja Rüth vom Tourismus & Tagungsmanagement. Das Erlanger Tagungsbüro unterstützt Veranstalter bei der Auswahl einer Location oder des Rahmenprogramms.

Freiburg: Nachhaltige Genussstadt

Die südlichste Großstadt Deutschlands ist für ihre zahlreichen Sonnenstunden, ihre kulinarische Vielfalt, den badischen Wein und nachhaltige Stadtentwicklung bekannt. Genauso nimmt die Wissenschaft in der Stadt eine wichtige Rolle ein: Besonders im Bereich Medizin und Gesundheit gibt es zahlreiche Angebote, denn Freiburg gilt als Gesundheitsregion.

Die wissenschaftliche Kompetenz Freiburgs und der Region im Bereich Biotechnologie und Medizintechnik spiegelt sich in weltweit bekannten Unternehmen, zahlreichen Forschungsinstituten und Verbänden, ebenso in der BioRegio, einem trinationalen Netzwerk zwischen Freiburg, Basel und Straßburg, wider. In der Stadt haben sich neben diesem Feld auch die Kompetenzfelder Chemie und Pharma, Technologie und Innovation sowie Energie und Umwelt herausgebildet.

Die Freiburger sind stolz auf das ökologische Profil ihrer Stadt. Es wird geprägt durch ein breit verankertes Umweltbewusstsein bei den Bürgern, eine langfristig angelegte Umweltpolitik als Teil einer nachhaltigen Stadtentwicklung und ein Netzwerk von international bekannten Unternehmen, Zulieferern und regionalen Verbänden – sie bilden das Cluster Green City. Derzeit hat das Cluster über 150 Mitglieder aus Freiburg und der Region. Jüngst hat eines dieser Clustermitglieder, das Unternehmen Taifun-Tofu, den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2020 in der Kategorie „Kleine und mittlere Unternehmen“ gewonnen, da es mit seinen pflanzlichen Biolebensmitteln einen Beitrag zur Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung leiste.

Die Stadt selbst gilt als Geburtsstätte der Umweltschutzbewegung und hat ebenfalls bereits zahlreiche Auszeichnungen erhalten: Sie wurde unter anderem Bundeshauptstadt im Klimaschutz, European City of the Year, erhielt den Deutschen Umweltpreis, den ersten Deutschen Nachhaltigkeitspreis und den Europäischen Nahverkehrspreis, sie wurde Ökohauptstadt und Deutsche Umwelthauptstadt. Auf dem Weg zu einer emissionsfreien Stadt im Jahr 2050 helfen zudem immer neue Modellprojekte.
Auch ihre Vielfalt an Technologiekompetenz bündelt die Stadt. Weltbekannte Unternehmen, die technische Fakultät der Universität Freiburg sowie politische Institutionen und Verbände arbeiten in den Feldern Informatik, Mikrosystemtechnik sowie Mess-, Steuer- und Regelungstechnik.

Zahlreiche Tagungsmöglichkeiten

Ein solches Umfeld zieht Tagungen und Kongresse an: Veranstalter, die sich über Tagungsstätten und Event Locations beraten lassen möchten, können sich an das Freiburg Convention Bureau wenden. Das Team empfiehlt aus seinem Netzwerk neben allen möglichen Dienstleistern rund 80 Locations – dazu gehören das Historische Kaufhaus, das Kongresszentrum Konzerthaus, Locations rund um den alten Güterbahnhof oder auch die Messe Freiburg. Teil dieses Netzwerkes ist auch die vielseitige Freiburger Hotellerie, die mit insgesamt etwa 3.500 zentrumsnahen Zimmern dafür Sorge trägt, dass eine Unterbringung der Kongressteilnehmer nahe den Tagungslocations gewährleistet werden kann.

Direkt am Münsterplatz gelegen findet sich das Historische Kaufhaus aus dem 16. Jahrhundert. Bis heute hat es seinen Charme behalten und ermöglicht Veranstaltungen mit bis zu 285 Personen. Einen Gegensatz dazu bildet das direkt am Freiburger Hauptbahnhof gelegene Kongresszentrum Konzerthaus Freiburg. Das knapp 25 Jahre junge Haus fasst mehr als 1.700 Besucher und liegt direkt gegenüber dem Freiburger Hauptbahnhof. Es verfügt zudem über ein angebundenes Kongresshotel.
Der alte Güterbahnhof im Freiburger Norden diente seit 1901 als Umschlagsplatz, um den Hauptbahnhof der Schwarzwaldhauptstadt zu entlasten. Die Zeiten von riesigen Güterwagons sind vorbei und den alten Lagerhallen wird neues Leben eingehaucht: Auf 390.000 Quadratmetern findet man heute auf dem Gelände moderne Bürogebäude, wissenschaftliche Einrichtungen und Forschung, Kultur, Medien und Kommunikation – außerdem urbane und innovative Eventlocations sowie Hotels. Große Tagungen bis 3.500 Teilnehmer finden „State of the Art“ in der gut angebundenen Messe Freiburg einen gebührenden Rahmen. (AB)

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