Verband & Tagung

Tagen im Industriedenkmal

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Es müssen nicht immer Kongresszentren und Tagungshotels sein, wenn Verbände zu Weiterbildung und Austausch laden. In allen Regionen gibt es zahlreiche außergewöhnliche Orte, die Veranstaltungen einen stärkeren Eventcharakter verleihen. Dazu gehören auch ehemalige und heute denkmalgeschützte Industriegebäude. Einige stellt der Verbändereport exemplarisch vor.
Bar in einem ausgedienten Frachtcontainer in der Halle 45 in Mainz © Halle 45
Bar in einem ausgedienten Frachtcontainer in der Halle 45 in Mainz © Halle 45

Halle 45: Kreativer Allrounder auf Wachstumskurs

In Mainz-Mombach empfängt die Halle 45 auf dem Industriegelände der Alten Waggonfabrik bis zu 2.000 Gäste für Tagungen, Kongresse, Messen und Corporate Events. Innerhalb von sechs Jahren hat sich das Flächenangebot für Veranstalter von zunächst rund 4.000 Quadratmetern auf mittlerweile 6.200 Quadratmeter erweitert. Die Geschichte des Areals ist eine bewegte und auch heute noch spürbar. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts ist es fester Bestandteil rheinhessischer Industriegeschichte. Heute verfügt der lebendige Standort neben Lofts und Büroflächen v. a. über große industrielle Hallen- und Lagerflächen für Gewerbe und Produktion. Die jetzige Halle 45 stach jedoch immer in ihrer Bedeutung hervor: Vor dem 2. Weltkrieg wurden hier Kutschen und Eisenbahnwaggons gefertigt. 1944 fast vollständig zerstört, wurde sie 1949 auf den Ruinen als Phönix-Halle wieder neu errichtet und diente als Fabrikhalle für die Produktion von Omnibussen und Eisenbahnwaggons, später im Auftrag der US-Streitkräfte für die Instandsetzung militärischer Fahrzeuge und Heeresgerät. 1998 beginnt ihre Zeit als Veranstaltungshalle. Zunächst als Ausweichlocation für das Mainzer Staatstheater genutzt, entwickelte sich die Phönix-Halle zur gefragten Adresse für Kultur- und Konzertveranstaltungen.

2015 startet die Fortsetzung dieses Kapitels, aber mit klarer Neuausrichtung. Denn die neue Betreibergesellschaft startet nicht nur als Halle 45 unter neuer Marke, sondern richtete auch ihren Fokus auf den MICE-Bereich. Der Name bezieht sich dabei auf die historische Gebäudenummer 6345 – da allen Gebäuden auf dem Areal der Alten Waggonfabrik die 63 vorangestellt war, lag die Umbenennung in „Halle 45“ nah.

Die 4.800 Quadratmeter Grundfläche waren die ideale Voraussetzung für eine multifunktionale Veranstaltungshalle. Doch zunächst musste umfangreich in die Modernisierung und Sanierung des etwas in die Jahre gekommenen Industriedenkmals investiert werden. Der Charme ihrer Geschichte blieb erhalten, aber bei Wiedereröffnung strahlte die Halle im neuen Antlitz. Der Fußboden wurde durch einen spiegelglatten Schwerlastboden ausgetauscht, der mit 40-Tonnern befahrbar ist. Auch die Tore vorne wie hinten sind entsprechend dimensioniert. Die Sicherheitstechnik von Sprinkleranlage bis Brandmeldeanlage und Sprachalarmierungssystem wurde auf den neusten Stand gebracht. Der Zugang zur Halle ist nun mit einer doppelreihigen, bodentiefen Fensterfront versehen, und sogar die Sanitärräume sind ein echtes Highlight: Ausgemusterte Frachtcontainer wurden mit hochwertigen Armaturen und Keramik ausgestattet. Das Containerdesign findet sich vielfach wieder, ob als Barbereich, mobile Garderobe, Stilelement beim Bühnenbau oder optische Raumbegrenzung.

Über 4.000 Quadratmeter Eventfläche und 13 Meter Höhe im Giebel sind die Basisfakten. Die Besonderheit sind die sechs wieder instand gesetzten Laufkrane, die sich heute in Kombination mit schweren Moltonvorhängen als flexible Raumteiler nutzen lassen. So ist die Halle 45 auf Knopfdruck in bis zu neun Areale teilbar und je nach Flächenbedarf zu verkleinern. Direkt angrenzend sind die Bar 45 und der Konferenzraum Kurt Cobain als Break-out, Produktionsbüro oder Besprechungsraum zu integrieren. Mittlerweile ist das Location- und Flächenensemble auf dem Areal deutlich angewachsen: aktuell auf insgesamt über 6.200 Quadratmeter Eventfläche, die sich auf insgesamt vier Locations und acht Räume verteilen. Neben der Halle 45 sind das gleich vis-à-vis das historische „Auktionshaus“ und die „Turbinenhalle“ für jeweils bis zu 150 Personen. Die vierte Einheit bildet das „Kesselhaus“ gemeinsam mit der „Motorenhalle“. In Kombination ergeben sie inklusive der drei integrierten Workshopräume zusätzlich fast 800 Quadratmeter. So ergeben sich vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten, ob als zusätzliche Plenarräume bei mehrtägigen Kongressen oder für das Abendevent. Aber alle Flächen sind auch jeweils autark anzumieten für kompaktere Tagungen und Events. Hinzu kommen insgesamt rund 1.000 Quadratmeter Außenbereich, der kürzlich um eine fest installierte Sonnenterrasse erweitert wurde.

Die stetige Weiterentwicklung hat sich gelohnt: Im Jahr 2021 wurde die Halle 45 zur zweitbesten Eventlocation Deutschlands gewählt. Während der Pandemie konnten dank der großzügigen Fläche zahlreiche Veranstaltungen in Präsenz durchgeführt werden. Neben diversen Parteitagen fanden Messen, Produktpräsentationen und Kongresse live und hybrid statt, wie der Coface Kongress Länderrisiken 2021 und 2022. Die 260 Quadratmeter große Turbinenhalle wurde 2021 übernommen und zunächst in erster Linie als Streamingstudio genutzt. Nun wird sie für kleinere und mittlere Tagungen ausgebaut. Mit der neu verlegten Glasfaseranbindung, der technischen Infrastruktur und guter Akustik dank Schallisolierung ist sie auch weiterhin die richtige Wahl für hybride und rein digitale Eventformate.

Durch die Erweiterung des Raumangebots kann die Halle 45 dank der vielfältigen Möglichkeiten motiviert in die Zukunft blicken, da nahezu alle Größenordnungen abbildbar sind und Veranstaltungen in Bezug auf mögliche Abstands- und Hygienevorschriften zu jeder Zeit angepasst werden können. „Zurückblickend sind wir früh die richtigen Schritte gegangen. Vor allem weil wir immer versucht haben, den Wünschen und Anforderungen unserer Kunden gerecht zu werden und unser Angebot ständig zu erweitern und zu optimieren. Die Übernahme der Turbinenhalle ist das aktuellste Beispiel“, erklärt Dr. Hanns-Christian von Stockhausen, Geschäftsführer der Halle 45 GmbH, „aber sicher nicht das letzte.“

Im Bereich Catering und Technik arbeitet man mit Preferred Partnern zusammen, die die Halle 45 gut kennen. Bei allen Partnern besteht jedoch keine verpflichtende Bindung, sodass Kunden die Wahl der Gewerke nach eigenem Ermessen treffen können. Messerich Catering ist mit seiner Produktionsküche mittlerweile sogar direkter Nachbar und kann damit die CO2-Bilanz einer Veranstaltung deutlich senken. Gerade erst feierte zum Beispiel der Bundesverband Breitbandkommunikation e. V. im Rahmen der Digital- und Glasfasermesse fiberdays 22 hier seine Networking-Night. Aber auch sonst ist die Messewelt längst aufmerksam geworden. So hat zum Beispiel die Keramika, die internationale Fliesenfachmesse des hagebau Fachhandels, die Halle 45 2018 und 2020 zu ihrer Location gemacht. Eine Premiere feierte 2021 der Medialog des Hamburger AV-Distributors Kern & Stelly. Seitdem ist er mit seiner zweitägigen Hausmesse jährlicher Gast.

Unverzichtbar für Veranstaltungsplaner ist und bleibt eine gute Erreichbarkeit. Hier profitiert die Halle 45 zum einen von der Nähe zum Frankfurter Flughafen. Nahe der Halle sind rund 300 Parkplätze vorhanden und zusätzliche Shuttlemöglichkeiten mit angrenzenden Parkhäusern gegeben. Zum anderen ist auch die ÖPNV-Anbindung sehr gut ausgebaut. Lange im Schatten der umliegenden Städte erlebt Mainz seit ein paar Jahren als Eventdestination einen erheblichen Aufschwung. Im Jahr 2021 fand sich die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt erstmals im Ranking auf Platz vier hinter Köln, Düsseldorf und Berlin und noch vor Frankfurt wieder.

Weiterführende Informationen:
www.halle45.de


Kraftwerk Mitte Dresden: Kultur, Kunst und Business

Das Kraftwerk Mitte Dresden, ebenfalls ein Industriedenkmal aus dem 19. Jahrhundert, hat sich zu einem lebendigen Kunst-, Kultur- und Kreativstandort entwickelt. Die größtenteils verklinkerten Industriebauten wurden einer neuen Nutzung zugeführt, Brachflächen wiederbelebt, Neubauten ergänzen den denkmalgeschützten Baubestand. Auf dem Areal mit rund 40.000 Quadratmetern Fläche befinden sich zum Beispiel die Spielstätten der Staatsoperette Dresden und des tjg. theater junge generation, die einst beide am Stadtrand angesiedelt waren. Die ehemalige Maschinenhalle des Kraftwerks dient heute als Foyer der Theater.

Daneben bietet das 2019 renovierte Stromwerk einen vielseitigen Eventbereich. Platz finden bis zu 1.000 Gäste. Die Hauptfläche befindet sich in der ehemaligen Heizmaschinenhalle mit Foyer, Empore und Bühne, in die auch eine LED-Leinwand integriert wurde. Die technische Ausstattung reicht von Licht-, Ton- und Video- bis hin zur modernen Multimedia-Ausstattung. Auf der Empore befindet sich zusätzlich eine große Loungearena, die mit in die Veranstaltung einbezogen oder auch abgetrennt werden kann. Im Obergeschoss gibt es außerdem eine separate Bar mit Tanzfläche. Der Bereich ist als Balkon angelegt mit Blick auf das Geschehen. Dank variabler Module und zahlreicher Aufhängungsmöglichkeiten an der 13 Meter hohen Decke kann das Stromwerk flexibel für Tagungen, Bankette und Kongresse umgebaut und gestaltet werden.

Eine weitere Möglichkeit im Kraftwerk bietet die Kunsthalle, deren Erdgeschoss eine große Fensterfront ziert. Bühne oder Leinwand sind flexibel einsetzbar, die Raumhöhe beträgt stolze 16 Meter. Je nach Anlass der Veranstaltung finden bis zu 150 Personen Platz.

Auch Zentralkino, Vinothek, Kulturwirtschaft oder Energiemuseum können für Events angemietet werden. Im Energiemuseum kann man nicht nur viel zur Geschichte der Strom-, Gas-, Wasser- und Fernwärmeversorgung lernen, sondern zwischen den Exponaten auf zwei Stockwerken auch größere Veranstaltungen durchführen. Neben einem Seminarraum für ca. 30 Personen ist das gesamte Museum mietbar. Die Bestuhlung variiert je nach Anlass und Größe.

Weiterführende Informationen:
www.kraftwerk-mitte-dresden.de


Motorworld München: Neuer Dampf in alten Hallen

Angesiedelt ist die Motorworld München auf dem Areal des ehemaligen Ausbesserungswerkes der Deutschen Bahn in München-Freimann. Ihr Herzstück ist die unter Denkmalschutz stehende Lokhalle, in der einst Lokomotiven repariert wurden und in die nach 25 Jahren Stillstand neues Leben eingezogen ist. Mit ihren Ausmaßen – 185 Meter lang, 90 Meter breit und bis zu 18 Meter hoch – ist sie eine der größten frei tragenden historischen Stahltragwerkshallen Europas. Die Halle sowie die anderen zum Ensemble gehörenden Gebäude wurden in den letzten Jahren saniert und um moderne Gebäudeelemente ergänzt. Insgesamt umfasst das Gelände 75.000 Quadratmeter.

Ein Highlight in der historischen Lokhalle sind die 120 Glasboxen, die sich auf vier Ebenen in der Halle verteilen. Oldtimer- und Sportwagenbesitzer können hier ihre automobilen Schätze, für andere sichtbar und für sie selbst jederzeit zugänglich, unterbringen.

Teil des Ensembles der Motorworld München sind die Eventhallen Zenith, Kesselhaus und Kohlebunker, in denen schon seit einigen Jahren Konzerte, Veranstaltungen und Messen stattfinden. Mit der Lokhalle und dem vorgelagerten Gebäude 79 kommen nun 22 weitere Tagungsräume dazu sowie der neue Event- und Konzertsaal „Dampfdom“, der bis zu 2.400 Personen fasst. Eine besondere Note haben die drei Thementagungsräume, die die Motorworld den bekannten Rennfahrer-Legenden Hans-Joachim „Strietzel“ Stuck, Leopold „Poldi“ Prinz von Bayern und Walter Röhrl mit Christian Geistdörfer gewidmet und in Zusammenarbeit mit ihnen ausgestattet hat. Eine charmante Eventlocation ist zudem ein Kino im Art-déco-Stil. Für ein Rahmenprogramm mit Nervenkitzel sorgen die vorhandenen Renn- und Flugsimulatoren. Verschiedene gastronomische Betriebe sorgen für das leibliche Wohl der Besucher, darunter auch Feinkostläden, Cafés, mehrere Restaurants, eine Kaffeerösterei und eine Chocolaterie.

Direkt in die Lokhalle integriert ist das Vier-Sterne-Hotel Ameron mit 153 Designzimmern, darunter sechs Premium-Suiten. Drei Car & Bike Studios ermöglichen es den Gästen sogar, ihre Autos bzw. Motorräder direkt im eigenen Zimmer zu parken und diese durch eine großflächige Glasscheibe immer im Blick zu haben.

Die Motorworld Group verfolgt mit dem Erhalt historisch bedeutsamer Gebäude auch ihre Nachhaltigkeitsstrategie. In der Motorworld München sind zudem Fotovoltaikanlagen und Blockheizkraftwerke in Betrieb. Damit werden insgesamt ca. 2,6 Millionen Kilowattstunden erneuerbarer Strom pro Jahr produziert, was einer jährlichen Einsparung von ca. 700 Tonnen CO2 entspricht.

Weiterführende Informationen:
www.motorworld.de


(KS)

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