1. Tarifverhandlung in M+E Mitte / Altersteilzeit: Verhandlungsführer Kulenkamp lehnte IG Metall-Forderung als unverantwortlich ab / Rückkehr zu fairer Tarifpolitik statt haltloser Umverteilungsrhetorik gefordert / Neuer Tarifvertrag zum Flexiblen Übergang in die Rente für M+E Mitte übernommen
(Frankfurt am Main/Darmstadt) - Wir weisen die 8-Prozent-Forderung der IG Metall als unverantwortlich zurück. Sie wird der konjunkturellen Entwicklung nicht gerecht, ist weitgehend nicht nachvollziehbar und unfair gegenüber den Beschäftigten. Wir wollen, dass unsere Industrie Spitze bleibt, Arbeit in Deutschland gesichert wird und die Arbeitnehmer wie in der Vergangenheit mit einem fairen Plus am Erfolg beteiligt werden. Unser Tarifabschluss muss möglichst viele Arbeitsplätze halten, statt sie mit Umverteilungspolitik geradezu mutwillig zu vernichten, sagte Dr. Eduard Kulenkamp zum Auftakt der bundesweit 1. Tarifverhandlung der Tarifgemeinschaft M+E Mitte heute in Darmstadt. Der Verhandlungsführer erläuterte für die 430.000 Beschäftigten der Metall- und Elektro-Industrie von Hessen, Pfalz, Rheinland-Rheinhessen und Saarland weiter, die deutsche M+E-Industrie habe sich in den letzten Jahren durch Restrukturierung, weltweites Engagement, Innovationen und eine angepasste Tarifpolitik erfolgreich neu aufgestellt. Sie habe mit den Gewinnen die Investitionen im Inland ausgeweitet und in den letzten zweieinhalb Jahren eine Viertelmillion neuer Arbeitsplätze geschaffen. Derzeit würden die Herausforderungen durch weltweiten Konjunkturrückgang und Finanzmarktkrise von Tag zu Tag offensichtlicher.
Kulenkamp verwies auf die solidarische Verteilung der Ergebnisse des Aufschwungs. Die Tarifpolitik habe nicht nur jene bedient, die bereits einen Arbeitsplatz in der M+E-Industrie hatten, sondern auch einer Viertelmillion Einsteigern zu einer neuen Stelle verholfen. Die Verteilungs-Bilanz zeige, dass beide Gruppen etwa im gleichen Maße vom Aufschwung profitiert hätten: So habe sich die Bruttoentgeltsumme im laufenden Jahr um rund 10 Milliarden Euro erhöht. Etwa 55 Prozent oder 5,5 Milliarden Euro davon entfielen auf die Entgelterhöhung der bisher schon beschäftigten Mitarbeiter. Diese seien mit durchschnittlich 45.000 Jahresgehalt die weltweit bestbezahlten Arbeitnehmer mit den kürzesten Wochenarbeitszeiten. Die verbleibenden 4,5 Milliarden Euro flössen auf die Konten der zusätzlich Beschäftigten. So sei die Kaufkraft viel nachhaltiger gestärkt worden: Ohne die Neuen wäre ein so rasantes Wachstum gar nicht möglich gewesen. Diese solidarische Tarifpolitik hat die Arbeitslosigkeit in den M+E-Berufen in einem Maße zurückgeführt, wie wir es noch nicht erlebt haben. Und diese Beschäftigungserfolge durch gesicherte Weltmarktfähigkeit müssen wir im kommenden Abschwung sichern. Dazu muss die IG Metall auf den Boden der Realitäten und zu einer fairen Tarifpolitik zurückkehren, so Kulenkamp.
Die 2. Tarifverhandlung für M+E Mitte findet am 23. Oktober 2008 statt.
Noch vor Beginn der 1. Tarifverhandlung hatten die Verhandlungspartner vereinbart, für M+E Mitte das in Baden-Württemberg gefundene Verhandlungsergebnis zum Flexiblen Übergang in die Rente zu übernehmen. Der neue Tarifvertrag zeigt die Gestaltungskraft der Tarifparteien auch bei komplexen Herausforderungen. Damit wird die Altersteilzeit zu einem personalpolitischen Instrument weiterentwickelt, das den demografischen Wandel begleitet und Leistungsträger länger in den Unternehmen halten kann, erklärte Kulenkamp.
Der flexible Übergang werde künftig einheitlich geregelt, lasse den Unternehmen aber ausreichend viele Differenzierungsmöglichkeiten, um auf betriebliche Besonderheiten einzugehen. Jede Differenzierung müsse sich allerdings an den tariflichen Standards messen lassen, Der Verhandlungsführer hob hervor, dass der vereinbarte neue Finanzierungs-Mix ohne Subventionen der Bundesagentur für Arbeit auskomme. Das Verhandlungsergebnis flankiere die Entscheidung der Politik, das gesetzliche Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre anzuheben. Bestimmte Personengruppen wie zum Beispiel Schichtarbeiter erhielten weiterhin eine vorzeitige Ausstiegsmöglichkeit. Für alle anderen Arbeitnehmer dagegen ende die Altersteilzeit erst unmittelbar mit dem regulären Renteneintritt. Dies eröffne den Betrieben die Chance, die Erfahrung und das Fachwissen ihrer Beschäftigten länger zu nutzen.
Quelle und Kontaktadresse:
Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände e.V. (VhU)
Dr. Ulrich Kirsch, Leitung, Presse und Kommunikation
Emil-von-Behring-Str. 4, 60439 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 95808-0, Telefax: (069) 95808-126
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