100 Jahre Emscherbrunnen / DWA erinnert an wichtige Erfindung der Abwassertechnik
(Hennef) - In diesem Jahr wird der Emscherbrun-nen, ein Meilenstein der mechanischen Abwasserreinigung, 100 Jahre alt. Dr.-Ing. Karl Imhoff, der 2006 seinen 130sten Geburtstag feiern würde, führte auf innovative Weise die Absetz- und Faulprozesse der mechanischen Abwasserreinigung in einem Bauwerk zusammen. Dank dieser Weiterentwicklung der bis dahin bestehenden Systeme konnte erstmals der Abfluss von fauligem Wasser vermieden werden, wodurch die Geruchsbelastung der Abwasserreinigung minimiert wurde. Diese Neuentwicklung ließ Imhoff sich 1906 patentieren. In Anlehnung an seinen damaligen Arbeitgeber, die Emschergenossenschaft, wurde seine bahnbrechende Erfindung "Emscherbrunnen" genannt. Aufgrund ihrer einfachen Konstruktion und des günstigen Betriebs kamen Emscherbrunnen bald weltweit zum Einsatz. Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) würdigt aus gegebenem Anlass die großen Verdienste, die sich Dr.-Ing. Karl Imhoff um die deutsche und internationale Abwasserwirtschaft erworben hat.
Der Emscherbrunnen
Der Emscherbrunnen (oder auch Imhoff-Tank) ist ein zweistöckiges Bauwerk der mechanischen Abwasserreinigung. Im oberen Teil des Emscherbrunnens - dem Absetzraum - setzen sich die im Abwasser befindlichen Feststoffe ab, sinken herab und sammeln sich an den schräg angelegten Trennwänden des Absetzraumes. Durch Längsschlitze gelangen diese Feststoffe in den im unteren Teil des Emscherbrunnens angeordneten Faulraum, wo sie sich am Boden sammeln, sedimentieren und anaerob - d.h. unter Luftabschluss - ausfaulen. Über eine Ablassleitung konnte der ausgefaulte Schlamm regelmäßig entfernt werden. Das wirklich Neue am Emscherbrunnen war, dass durch die gewählte Konstruktion jeder Durchfluss von Abwasser durch den Faulraum vermieden wurde. So konnte verhindert werden, dass fauliges Wasser das Bauwerk verließ. Die Anlage arbeitete bei guter Reinigungsleistung weitgehend geruchlos. Der erste Emscherbrunnen wurde 1906 auf der Kläranlage Recklinghausen-Altstadt der Emschergenossenschaft in Betrieb genommen. 1911 hatten 70 deutsche Städte Emscherbrunnen-Kläranlagen. Diese bahnbrechende Erfindung wurde aufgrund der einfachen Konstruktion und des günstigen Betriebs bald weltweit, vor allem jedoch in den USA, hundertfach eingesetzt. Auch in großen Kläranlagen wie z.B. für die Stadt Chicago wurden Emscherbrunnen verwendet. Eine weitere Pionierleistung Imhoffs ist die erste großtechnische Anwendung des Belebungsverfahrens auf dem europäischen Kontinent in der Kläranlage Essen-Rellinghausen des Ruhrverbands. Diese Kläranlage, die mit Emscherbrunnen ausgerüstet war, ist 2005 nach 80 Betriebsjahren außer Betrieb gegangen.
Karl Imhoff - Ein Pionier der Stadtentwässerung
Karl Imhoff (1876 - 1965) wandte sich früh der Abwassertechnik zu. Nach seinem Studium an den Technischen Hochschulen in München und Karlsruhe war er ab 1899 zunächst bei der badischen Rheinbauinspektion tätig, bevor er 1906 zur Emschergenossenschaft ging. Ab 1913 war Dr.-Ing. Karl Imhoff der erste Geschäftsführer des Ruhrverbands, zu dem er 1922 endgültig wechselte, um ihn weitere zwölf Jahre zu führen. In seinen Jahren bei der Emschergenossenschaft und dem Ruhrverband trug er wesentlich dazu bei, die aufgrund der zunehmenden Industrialisierung schwierige siedlungswasserwirtschaftliche Situation im Ruhrgebiet zu meistern. In Würdigung der großen Verdienste Imhoffs hat die damalige Abwassertechnische Vereinigung (ATV) 1956 erstmals den nach dem Abwasserpionier benannten Karl-Imhoff-Preis vergeben. Er wird im Abstand von drei Jahren für hervorragende Forschungsarbeiten, Dissertationen oder Prüfungsarbeiten aus dem Tätigkeitsbereich der DWA verliehen.
Bei Bedarf stellen wir Ihnen gerne entsprechendes Fotomaterial zur Verfügung.
Quelle und Kontaktadresse:
DWA Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e.V.
Dr. Frank Bringewski, Pressereferent
Theodor-Heuss-Allee 17, 53773 Hennef
Telefon: (02242) 8720, Telefax: (02242) 872135
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