185 Jahre Börsenverein: Abrechnungsbörse, Wirtschafts- und Kulturverband, Innovationsmotor
(Frankfurt am Main) - Der Erfolg des Buches ist der Erfolg einer Branche: Seit 1825 gestaltet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels als Spitzenorganisation der Verlage, des Buchhandels und des Zwischenbuchhandels die Entwicklungen in Buchmarkt und Buchbranche. Er fördert das faire Miteinander der Unternehmen, engagiert sich für adäquate Rahmenbedingungen in Politik und Wirtschaft und schafft Aufmerksamkeit für Bücher, Inhalte und das Lesen. Heute eröffnet die Digitalisierung neue Chancen für das Buch als Prinzip. Innovationen in Technik und Kommunikation als Seismograph der Buchbranche voranzutreiben und die Marktteilnehmer dabei zu unterstützen, die Chancen des medialen Wandels wahrzunehmen, sind deshalb zentrale Aufgaben des Verbands. Am 30. April 2010 wird der Börsenverein 185 Jahre alt.
Im Zentrum der Buchpolitik: Preisbindung und Urheberrecht
Als die 108 Gründungsmitglieder des Börsenvereins 1825 in Leipzig den ersten Vorstand der Deutschen Buchhändler-Börse wählen, haben sie vor allem eines im Sinn: das Abrechnungsverfahren zwischen den Verlegern und Sortimentern zu erleichtern. Die vielen unterschiedlichen Währungen im Deutschen Bund und die getrennten Kontoführungen von Bestellern und Lieferanten machen einen zentralen Ort für den Kassensturz unentbehrlich. So dient der Börsenverein in seinen Anfangsjahren rein wirtschaftlichen Interessen. Dieser Aufgabe verdankt er bis heute seinen Namen. Doch die Rationalisierung alltäglicher Arbeiten reicht der schnell wachsenden Mitgliedschaft als zentrale Verbandsaufgabe bald nicht mehr aus - der Börsenverein wird politisch, mischt sich ein für die Zukunft des Buches.
Bereits 1851 verfasst er eine erste Denkschrift zum internationalen Urheberrecht. Der Schutz des geistigen Eigentums ist seitdem ein wichtiger Eckpfeiler in der Lobbyarbeit des Verbands. Geht es im 19. Jahrhundert vor allem um den Kampf gegen Raubdrucke, beschäftigen den Börsenverein heute illegale Downloads im Internet und die widerrechtliche Digitalisierung von Millionen von Büchern durch Privatunternehmen wie Google.
Unverändert ist hingegen seine Haltung: Ein starkes Urheberrecht ist die Voraussetzung für die Produktion und Publikation von Literatur und damit für einen vielfältigen Buchmarkt.
Zentrales Thema des Börsenvereins ist die Preisbindung für das Kulturgut Buch. Sie sichert die literarische Vielfalt und beflügelt Forschung und Wissenschaft. 1888, in dem Jahr, in dem die Geschäftsstelle des Börsenvereins das Buchhändlerhaus in Leipzig bezieht, treten erstmals Bestimmungen über den festen Ladenpreis von Büchern in Kraft. Sie sorgen dafür, dass Verlage Chancen und Risiken ausgleichen und so mit dem Erlös aus einem Bestseller neue Autoren fördern, Titel zu ausgefallenen Themen verlegen und literarische Experimente verwirklichen können. Und sie tragen dazu bei, dass sich diese Vielfalt auch im Buchhandel widerspiegelt.
Für ein Gesetz zur Preisbindung muss der Börsenverein aber noch mehr als 100 Jahre streiten: Erst 2002 werden feste Preise für alle Bücher gesetzlich festgeschrieben.
Von der Geschichte geformt - die Strukturen des Börsenvereins
Das Dritte Reich, der Zweite Weltkrieg, die deutsche Teilung, die Wiedervereinigung - politische und gesellschaftliche Umbrüche haben den Börsenverein entscheidend geprägt. Ist er 1825 noch als erster deutscher Wirtschaftverband mit Geltung über die Ländergrenzen hinweg gegründet worden, so passt er sich ab 1933 in seiner Struktur politischen Programmen und Grenzlinien an.
In einer Art Selbstgleichschaltung wird der Börsenverein 1933 Erfüllungsgehilfe der nationalsozialistischen Machthaber. Während der folgenden zwölf Jahre NS-Regime verhält sich der reichsdeutsche Buchhandel weitgehend systemkonform. 1945, nach dem Zweiten Weltkrieg, beginnt sich Deutschland in die beiden Lager Ost und West auseinander zu dividieren.
Zudem sprechen sich die Besatzungsmächte gegen jeglichen Zentralismus aus und blockieren eine Organisationsform über die Länderebene hinaus. Daher schließen sich die Mitglieder des Börsenvereins in den von den westlichen Alliierten kontrollierten Gebieten nach 1945 zunächst in Orts- und Kreisgruppen zusammen. Diese organisieren sich dann nach und nach in Landesverbänden, bis 1950 alle westdeutschen Verleger und Buchhändler im Börsenverein Deutscher Buchhändler- und Verleger-Verbände in Frankfurt am Main vereint sind. Im sowjetisch verwalteten Teil Deutschlands nimmt der Leipziger Börsenverein 1946 seine Tätigkeit neu auf.
Beide Vereine existieren nebeneinander. Erste Gespräche der Interessenvertretungen in Frankfurt am Main und Leipzig werden 1982 aufgenommen, um den Buchaustausch zwischen Ost und West zu intensivieren. Fünf Jahre später werden erstmals Buchtitel aus der DDR ins westdeutsche Verzeichnis Lieferbarer Bücher aufgenommen. 1991, ein Jahr nach der deutschen Wiedervereinigung, schließen sich ostdeutscher und westdeutscher Börsenverein zum gesamtdeutschen Dachverband mit Sitz in Frankfurt am Main zusammen.
Heute besteht der Börsenverein als Gesamtverein aus 5.700 Unternehmen, darunter 1.700 Verlage, 3.800 Sortiments- und Antiquariatsbuchhandlungen und 80 Firmen des Zwischenbuchhandels. Im Zuge einer Verbandsreform wurden Wirtschaft und Politik getrennt - für die politische Arbeit ist der Verband verantwortlich, wirtschaftliche Aktivitäten übernehmen die Wirtschaftstöchter: Ausstellungs- und Messe GmbH (Frankfurter Buchmesse) und MVB Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH.
Auf der Frankfurter Buchmesse kommen jährlich rund 7.300 Aussteller aus 100 Ländern zusammen, um Verhandlungen zu führen, Verträge abzuschließen und Kontakte zu knüpfen. Für die rund 290.000 Besucher ist die Frankfurter Buchmesse auch ein buntes Kulturereignis, auf dem sie sich über literarische Neuerscheinungen und Trends informieren können.
Die MVB bietet mit dem VLB Verzeichnis Lieferbarer Bücher das mit über 1,2 Millionen Titeln umfangreichste Titelverzeichnis für die Branche und mit libreka! eine Branchenplattform, die Bücher im Internet recherchierbar, verfügbar und handelbar macht. Auch das Börsenblatt, das als führendes Fachmagazin der Buchbranche wöchentlich aktuelle Themen bereit hält, gehört zum Angebot der MVB.
Zwischen Wirtschaft und Kultur:
das Buch als Leitmedium der Gesellschaft
Seit 1972 gibt es im Börsenverein die Firmenmitgliedschaft, vorher galt die persönliche Mitgliedschaft: 5.700 Verlage, Buchhandlungen und Unternehmen des Zwischenbuchhandels sind heute im Verband zusammengeschlossen. Der Börsenverein ist damit international die einzige Interessenvertretung für das Buch, die alle drei Handelssparten unter einem Dach vereint. Diese Struktur verleiht ihm als Sprachrohr der gesamten deutschen Buchbranche eine starke Stimme in der Politik.
Sein Engagement für das Buch geht aber weit über wirtschaftspolitische Interessen hinaus. Einsatz für Versöhnung und Ausgleich, Leseförderung im Kindesalter und Auszeichnung herausragender deutschsprachiger Literatur: Mit seinen Initiativen in Kultur, Bildung und Wissenschaft engagiert sich der Börsenverein für das Buch als Leitmedium der Gesellschaft.
Seine wichtigste Auszeichnung ist der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Seit 1950 würdigt der Börsenverein mit dem Friedenspreis Persönlichkeiten, die mit ihrer literarischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Arbeit als Friedensstifter wirken. Als Neuanfang wollte der Börsenverein nach dem Zweiten Weltkrieg durch diese Auszeichnung eine politische Haltung dokumentieren. So wurde der Preis von Beginn an auch im Ausland viel beachtet. Bis heute spiegelt der Friedenspreis den Wertebezug und Wertewandel der Gesellschaft wider. Verliehen wird er jährlich in der Frankfurter Paulskirche im Rahmen der Buchmesse.
Mit dem Vorlesewettbewerb des Deutschen Buchhandels hat der Börsenverein 1959 die wichtigste deutsche Leseförderungsinitiative ins Leben gerufen. Als Bildungsprojekt der gesamten Buchbranche fördert der Vorlesewettbewerb die Freude am geschriebenen und gesprochenen Wort. 15 Millionen Teilnehmer, fast 140.000 Veranstaltungen in Buchhandlungen, Schulen, Bibliotheken und anderen kulturellen Einrichtungen und viele prominente Paten zeigen: Der Wettbewerb des Börsenvereins, der unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten steht, ist ein wichtiger Bestandteil der deutschen Bildungslandschaft.
Den medialen Wandel im Blick: Börsenverein geht neue Wege
Die Zukunft gewinnen heißt für den Börsenverein, neue Wege zu gehen. EReader, iPad, digitale Produkte - der mediale Wandel ist als "Prinzip Buch" längst in der Buchbranche angekommen. Formate und Inhalte erweitern sich, zusätzliche Anbieter gestalten den Markt mit und spannende Varianten von Büchern entstehen und erreichen neue Lesergruppen. Der Börsenverein treibt diese Entwicklung mit neuen Formaten voran. So bieten das Forum Zukunft und das BuchCamp die Möglichkeit, Innovationen zu diskutieren und über die Zukunft des Buches aktiv zu entscheiden.
Quelle und Kontaktadresse:
Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.
Pressestelle
Großer Hirschgraben 17-21, 60311 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 13060, Telefax: (069) 1306-201
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen



