Pressemitteilung | Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK)

2005: Positives Jahr für deutsche Private Equity-Branche

(Berlin) - Der Bundesverband Deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften – German Private Equity and Venture Capital Association e.V. (BVK) zeigt sich mit der Branchenentwicklung im vergangenen Jahr zufrieden. Prof. Dr. Michael Groß, stellvertretender Vorstandsvorsitzender, fasste auf der Pressekonferenz am 14. Februar die Ergebnisse der Jahresstatistik des Branchenverbandes zusammen: „Die Neuinvestitionen haben zum Jahresabschluss zwar kein Rekordvolumen erreicht, aber das Fundraising ist in Deutschland erneut angelaufen. Positiv entwickelten sich außerdem die Beteiligungsverkäufe.“

Investitionen mit steigender Tendenz

Groß setzte fort, dass „die Private Equity-Gesellschaften im Jahr 2005 insgesamt 3,0 Mrd. Euro in 983 Unternehmen investierten. Damit schwächte sich das Investitionsvolumen zwar um 19 Prozent gegenüber dem Vorjahr
(3,7 Mrd. Euro) ab, jedoch konnte ab dem 3. Quartal eine Aufwärtsbewegung festgestellt werden.“ Der Großteil der Investitionen entfiel mit 1,9 Mrd. Euro auf das vierte Quartal und hier mit 66 Prozent vor allem auf einige große Buy-out-Transaktionen. 34 Prozent waren Venture Capital-Investments, vor allem Later stage-Projekte. Insgesamt machten 2005 die Buy-out-Transaktionen 58 Prozent aller Investitionen aus und lagen damit unter den Anteilen der Vorjahre mit jeweils 70 Prozent. Das Investitionsvolumen bei den Buy-outs lag mit 1,8 Mrd. Euro gut ein Drittel unter dem Vorjahreswert (2004: 2,7 Mrd. Euro). Dagegen stiegen die Venture Capital-Investitionen auf 1,3 Mrd. Euro (1,1 Mrd. Euro). Den Investitionen im Jahr 2005 stehen Abgänge in Höhe von 1,9 Mrd. Euro gegenüber. Das Gesamtportfolio stieg damit auf 21,5 Mrd. Euro, die sich auf insgesamt 5.723 kleine und mittlere Unternehmen verteilen.

Fundraising zeigt Kraft

Das Fundraising erreichte im Jahr 2005 ein Volumen von 7,2 Mrd. Euro und stieg damit um 262 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (2,0 Mrd. Euro). Abzüglich des darin enthaltenen paneuropäischen Fonds (4,3 Mrd. Euro) verbleibt ein Volumen von 2,9 Mrd. Euro, wovon allein 1,3 Mrd. Euro auf das besonders aktive vierte Quartal entfielen. Ohne den paneuropäischen Fonds erhöhten sich die von deutschen Private Equity-Fonds eingesammelten Mittel gegenüber dem Vorjahr um
45 Prozent. Allein das unabhängige Fundraising vervierfachte sich gegenüber 2004 auf 1,9 Mrd. Euro. „Es ist erfreulich, dass 2005 insgesamt 23 unabhängige Fonds bei der Kapitalbeschaffung erfolgreich sein konnten“, sagte Dr. Holger Frommann, BVK-Geschäftsführer. „Hier wirkt sich unter anderem die Initialzündung des ERP/EIF-Dachfonds aus.“ Vor allem zeige sich aber seit der zweiten Jahreshälfte 2005 ein zunehmendes Interesse deutscher institutioneller Investoren.

Early stage: Licht am Ende des Tunnels?

Im Frühphasen-Bereich sank das Investitionsvolumen 2005 auf 304,9 Mio. Euro
(353,5 Mio. Euro). „Vor allem in der zweiten Jahreshälfte gab es aber mit einer zunehmenden Anzahl der finanzierten Unternehmen deutliche Anzeichen für eine Belebung“, so Groß. „Wir sehen hier die positiven Auswirkungen der Aktivitäten von ERP-Start Fonds und High-Tech Gründerfonds sowie EFRE-co-finanzierten Venture Capital-Fonds der Länder. Auch die Tatsache, dass frisches Geld aus neuen Fonds für Neuinvestitionen verfügbar ist und die durch die Börsenaktivitäten beflügelten Phantasien finden hier ihren Niederschlag.“

Das Gros der neuen Investitionen entfiel auf die Einzelbranchen Kommunikation (11,9 Prozent), Konsumgüter (11,2 Prozent), Sonstige Dienstleistungen
(9,6 Prozent), Maschinenbau (9,3 Prozent) und Industrieautomation
(8,2 Prozent); darüber hinaus erreichte der Bereich Sonstige Branchen durch einen großen Buy-out 13,7 Prozent. 70 Prozent aller Investitionen flossen in Unternehmen am Standort Deutschland, 27 Prozent in Unternehmen in anderen europäischen Ländern. Innerhalb Deutschlands ergab sich die Reihenfolge der bevorzugten Regionen mit Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Berlin-Brandenburg und Bayern, auf die zusammen 71 Prozent der deutschlandweiten Investitionen entfielen.

Exitstruktur normalisiert sich weiter

Die Abgänge machten im vierten Quartal 530,0 Mio. Euro aus. Das Jahresvolumen stieg damit auf insgesamt 1,9 Mrd. Euro, das sind 26 Prozent mehr als im Vorjahr

(1,5 Mrd. Euro). Aufgrund der 2004 zu Ende gegangenen Branchenkonsolidierung sanken die Totalverluste nochmals deutlich auf 10 Prozent
(2004: 27 Prozent) des Exitvolumens. „Damit befinden wir uns wieder in der Normalität“, sagte Frommann. Wie 2004 wurden die so genannten positiven Exit-Alternativen verstärkt genutzt. Jeweils 21 Prozent entfielen auf Verkäufe an andere Beteiligungsgesellschaften und auf Trade sales, 17 Prozent auf Aktienverkäufe nach vorherigem IPO und 14 Prozent auf Rückzahlungen stiller Beteiligungen oder Gesellschafterdarlehen. Damit weist die Struktur der Exitkanäle eine breite Streuung auf. Zudem wurden im Jahr 2005 acht Exits durch IPOs an der Deutschen Börse, darunter auch am Entry Standard, gemeldet.

Private Equity-Industrie größter Arbeitgeber

Vor allem kleine und mittlere Unternehmen waren Nutznießer der Investitionen im abgelaufenen Jahr. Die 5.723 Unternehmen in den Portfolios deutscher Private Equity-Gesellschaften beschäftigten Ende 2005 rund 703.500 Mitarbeiter und erwirtschafteten einen kumulierten Jahresumsatz von 134,0 Mrd. Euro. Addiert man die Zahlen von Buy-out-Unternehmen hinzu, die nicht in der Investitionsstatistik integriert sind, dann beschäftigten die in Deutschland mit Private Equity finanzierten Unternehmen zum Jahresende 2005 insgesamt 797.100 Mitarbeiter und erwirtschafteten 170,3 Mrd. Euro. „Das sind mehr als
2 Prozent aller Erwerbstätigen in Deutschland und rund 8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts“, führte Frommann aus. „Die Private Equity-Industrie ist der größte private Arbeitgeber in Deutschland.“

Die Gesamtjahresstatistik 2005 und die Statistik zum vierten Quartal 2005 sowie Erläuterungen und Grafiken sind im Internet abrufbar unter www.bvk-ev.de.

Terminologie
Beteiligungskapital oder Private Equity bezeichnet die Vergabe von Beteiligungs­kapital an nicht börsennotierte Unternehmen in allen Unternehmensphasen, d. h. Venture Capital und Buy-outs. Venture Capital bezieht sich auf Early stage- (Frühphasenfinanzierung: Seed und Start up) und Later stage-(Expansions-) Finanzierung.

Quelle und Kontaktadresse:
Bundesverband deutscher Kapitalbeteiligungsgesellschaften e.V. (BVK) Dr. Holger Frommann, Geschäftsführer, Öffentlichkeitsarbeit und Lobbying Reinhardtstr. 27 c, 10117 Berlin Telefon: (030) 3069820, Telefax: (030) 30698220

(tr)

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