Pressemitteilung | ifo Institut - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung an der Universität München e.V.
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30 Prozent höhere Löhne und Gehälter in Einzelhandelsbetrieben mit Tarifbindung

(München) - Die Personalkosten von tarifgebundenen Betrieben im deutschen Einzelhandel liegen zwischen 25 und 32 Prozent über jenen von Wettbewerbern ohne Bindung an den Kollektivvertrag. Dies ist das Ergebnis einer neuen Analyse zur Tarifbindung im Einzelhandel, die das ifo Institut in seiner Zeitschrift "Schnelldienst" veröffentlicht hat. Besonders ausgeprägt ist dieser Entgelt-Unterschied in Ostdeutschland (44 Prozent) und für die Berufsgruppe der Kassierer (30 Prozent). In kleineren Betrieben ist der Unterschied höher als in großen.

Immer weniger Betriebe im Groß- und Einzelhandel sind tarifvertraglich gebunden. Während im Jahr 2000 noch rund die Hälfte aller Betriebe (52 Prozent) über einen Kollektivvertrag verfügten, so waren es - aktuellen Daten zufolge - im Jahr 2010 nur noch knapp ein Drittel (31 Prozent). In Westdeutschland war der entsprechende Anteil mit 35 Prozent im Jahr 2010 mehr als doppelt so hoch wie in Ostdeutschland (16 Prozent). Der Anteil tarifgebundener Arbeitnehmer im Groß- und Einzelhandel ist über den Zeitraum von 2000 bis 2010 von 75 Prozent auf 53 Prozent zurückgegangen.

Betriebe ohne Kollektivvertrag sind tendenziell kleiner, jünger und produktiver. Betriebe im Einzelhandel ohne Kollektivvertrag sind hinsichtlich Beschäftigtenanzahl und Umsatz im Durchschnitt halb so groß wie jene mit Tarifbindung, außerdem ist der Anteil von "jungen" Betrieben (maximal fünf Jahre alt) deutlich höher (24 Prozent statt 15 Prozent).

Entgegen manchen Vermutungen unterscheiden sich Betriebe ohne Tarifvertrag nicht systematisch von solchen mit Tarifbindung hinsichtlich des Anteils geringfügig Beschäftigter oder geringqualifizierter Arbeitnehmer. Beide Betriebsgruppen zeigen zudem eine ähnliche Altersstruktur ihrer Beschäftigten. In tarifgebundenen Betrieben ist die Produktivität - gemessen am Verhältnis Umsatz zu Entgeltsumme - tendenziell niedriger als in Betrieben ohne Kollektivvertrag.

"Forschungsergebnisse zeigen, dass der Rückgang der Tarifbindung zu einer Aufspreizung der Entgeltstruktur beigetragen hat. Das nutzen vor allem kleinere und jüngere Unternehmen, die dadurch zusätzliche Flexibilität gewinnen und Beschäftigung schaffen können", sagt Gabriel Felbermayr, einer der Autor des Artikels und Bereichsleiter am ifo Institut.

Quelle und Kontaktadresse:
ifo Institut für Wirtschaftsforschung e.V., an der Universität München Pressestelle Poschingerstr. 5, 81679 München Telefon: (089) 92240, Fax: (089) 985369

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