500 Bauern mit Kühen vor dem Brandenburger Tor / Viehauftrieb Unter den Linden / Gegen Milchpreisverfall und Betriebsschließungen für faire Preise
(Bonn) - Unsere Milchviehbetriebe befinden sich in einer extremen Notlage. Ihnen steht das Wasser bis zum Halse. Sie kämpfen um Überleben. Schuld daran sind die dramatisch gesunkenen Erzeugerpreise für Milch auf nunmehr 27 Cent pro kg. Dieses Niveau wurde zuletzt in den 70er Jahren erreicht. Seit 2001 befinden sich die Milchpreise im Sturzflug. Damals erhielten die Bauern im Durchschnitt noch 32,8 Cent/kg. Mit diesen Worten beschrieb der Präsident des Hessischen Bauernverbandes und Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Heinz Christian Bär, heute im Rahmen einer Kundgebung hessischer Bäuerinnen und Bauern vor dem Brandenburger Tor in Berlin die schon seit Monaten anhaltende schwierige Situation der Milcherzeuger. Für die gut 5.000 hessischen Milchviehhalter bedeuteten die gesunkenen Erlöse mittlerweile einen Verlust von insgesamt 56 Mio. Euro (bundesweit 1,6 Milliarden Euro). Das seien mehr als 11.000 Euro pro Betrieb.
Viehauftrieb Unter den Linden
Über 500 hessische Bäuerinnen und Bauern waren mit zehn Bussen aus ganz Hessen früh morgens nach Berlin aufgebrochen, um mit einem Kuhgespann, Kühen und Kälbern vor das Brandenburger Tor zu ziehen und gegenüber den verantwortlichen Politikern ihren Unmut zu verdeutlichen. Mit einem Viehauftrieb Unter den Linden, Flugblättern und Milchgetränken, die an die Bevölkerung verteilt wurden, machten die Bauern auf ihre schwierige Lage aufmerksam.
Präsident Bär kritisierte in seiner Ansprache die Brüsseler Agrarpolitik, die weitere Preissenkungen beschlossen habe. Er forderte Bundeslandwirtschaftsministerin Künast auf, endlich aktiv zu werden und die Milchquote europaweit zu kürzen, anstatt sie mehr und mehr auszudehnen.
Der Lebensmitteleinzelhandel, allen vor an die Discounter mit Lidl & Aldi an der Spitze, nutzten diese bauernfeindlichen agrarpolitischen Rahmenbedingungen schamlos aus. Deren aggressiver Kampf um Marktanteile werde auf dem Rücken der Milcherzeuger ausgetragen.
Bei einem Milchauszahlungspreis von 27 Cent oder weniger und durchschnittlichen Produktionskosten von 32 Cent je kg Milch sei klar, dass bei den Bauern unter dem Strich nichts mehr übrig bleibe. Die meisten Betriebe lebten von der Substanz und es sei nur eine Frage der Zeit, wann auf den Höfen die Lichter ausgingen. Adalbert Kienle, Stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, war ebenfalls vor Ort und unterstützte die Bäuerinnen und Bauern mit ihren berechtigten Forderungen gegenüber der Politik.
In einem Demonstrationszug, angeführt von einem Kuhgespann und begleitet von Kühen zogen die Bauern zum Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft, um der Bundesregierung eine Resolution mit folgenden Forderungen zu überreichen:
- Beenden Sie den ruinösen Werteverfall für Milch und Milchprodukte
- Treten Sie für eine an die Nachfrage angepasste europaweite Reduzierung der Milchmengen ein
- Kämpfen Sie für die deutschen Interessen bei der WTO-Handelsrunde
- Verhindern Sie die geplante Erhöhung der Milchquoten um 1,5 Prozent ab dem Jahre 2006
- Setzen Sie sich für die Abschaffung des Interventionssystems ein
- Unterstützen Sie die Möglichkeit zu Mengenbündelungen auf der Anbieterseite
Bauernverbandspräsident Bär übergab diese Resolution zuvor auch an Bundestagsvizepräsident Hermann Otto Solms, mit der Bitte um Unterstützung. Aus den an die Berlin Bevölkerung verteilten Flugblättern ging hervor, dass die Zahl der Milchviehbetriebe in den letzten drei Jahren von 131.800 auf 116.100 und somit 12 Prozent gesunken ist. Somit hätten innerhalb von drei Jahren 15.700 Betriebe ihre Tore für immer geschlossen. Damit gehe ein Verlust von rund 30.000 Arbeitsplätzen allein in der Landwirtschaft einher. Bundesweit müssen pro Tag 14 Betriebe aufgeben. Damit müsse jetzt endlich Schluss sein. Hessische Milcherzeuger und ihre Familien brauchen Zukunft! so lautete die zentrale Forderung an die Bundesregierung.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Bauernverband e.V. (DBV)
Godesberger Allee 142-148, 53175 Bonn
Telefon: 0228/81980, Telefax: 0228/8198205
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