Ärztetag: DGB fordert Ende der Rationalisierungsdebatte und Reform der ärztlichen Vergütung
(Berlin) - Als "maßlos, empörend und im Grunde auch eine Beleidigung der anständigen Ärzteschaft" hat der DGB die Forderung von Ärztefunktionären kritisiert, die ausgerechnet kranke Menschen wegen der Finanzkrise und des Gesundheitsfonds abkassieren wollen. Das sei "schlicht verantwortungslos", betonte Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach am Dienstag (19. Mai 2009) in Berlin. Es sei höchste Zeit, dass die Ärzteschaft diese Debatte auf dem 112. Ärztetag endgültig beerdige, die Versicherte und Patienten zusätzlich verunsichere. Der DGB erteile einer weiteren Privatisierung von Gesundheitsleistungen eine deutliche Absage. Stattdessen sollte bei Ärztehonoraren nicht mehr zwischen Kassen- und Privatpatienten unterschieden werden.
Die Probleme liegen bei den Kassenärztlichen Vereinigungen selbst, erläuterte die Gewerkschafterin: "Die Verteilung der ärztlichen Vergütung ist völlig ungerecht und intransparent". So sei nicht nachvollziehbar, warum Radiologen oder Krankenhaus-Chefärzte im Geld schwömmen, während viele Haus- oder Landärzte Probleme hätten, über die Runden zu kommen. Die Kritik der Ärztefunktionäre sei in diesem Jahr "besonders bizarr", weil die Standesvertreter die Honorarreform selbst entwickelt hätten.
Buntenbach schlug eine Honorarreform vor, die nicht mehr zwischen Kassen- und Privatpatienten unterscheide. "Die Ärztelobby will ja nur deshalb immer weiter privatisieren, weil sie damit doppelt und dreimal so viel abrechnen können. Spätenstens die nächste Bundesregierung muss diesen antiquierten Irrsinn umgehend beenden. Die Gesundheit von Kassenpatienten ist genauso viel wert wie die der Privatpatienten - und das muss endlich bei der ärztlichen Vergütung zum Ausdruck kommen". Der DGB schlägt dazu vor, die PKV-Kunden langfristig in die GKV zu integrieren.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Bundesvorstand
Axel Brower-Rabinowitsch, Leiter, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Henriette-Herz-Platz 2, 10178 Berlin
Telefon: (030) 24060-0, Telefax: (030) 24060-324
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