Aktuelle YouGov-Umfrage im Auftrag des BTW / Tourismus in Krisenzeiten: Die Menschen wertschätzen Urlaub und Reisen – doch wirtschaftliche Unsicherheit bremst die Nachfrage
(Berlin) - Deutschland steckt im Stimmungstief. Doch trotz weltweiter Krisen, geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheit bleiben Urlaub und Reisen für die Mehrheit der Menschen in Deutschland ein zentraler Bestandteil von Lebensqualität und Auszeit für vom Alltag. Das zeigt eine aktuelle repräsentative YouGov Befragung im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW).
Laut Umfrage sehen 64 Prozent der Bevölkerung Reisen als notwendige Auszeit vom belastenden Alltag, jeder Zweite beschreibt Urlaub als wichtigen Teil der eigenen Lebensqualität. Gleichzeitig blickt jedoch eine deutliche Mehrheit (67 Prozent) negativ bis sehr negativ auf die globale Lage – auch mit spürbaren Folgen für ihr eigenes Buchungs- und Reiseverhalten.
Das Thema Reisen in Krisenzeiten steht auch auf der Agenda des 27. Tourismusgipfels, der am morgigen Dienstag in Berlin stattfindet. Die repräsentative Umfrage erfolgte im Vorfeld des Gipfels. „Die Menschen haben nicht die Lust am Reisen verloren, sondern ihre Sicherheit“, sagt BTW Präsident Sören Hartmann. „Unsere Studie zeigt sehr klar: Nicht geopolitische Krisen allein, sondern vor allem auch wirtschaftliche Sorgen bestimmen aktuell, ob und wie überhaupt gereist wird.“
Wirtschaftliche Unsicherheit wird zum Haupthemmnis
Rund 40 Prozent der Befragten planen, 2026 bei Reisen zu sparen. Besonders betroffen sind ältere Menschen und Haushalte mit niedrigem Einkommen. Der wichtigste Treiber dieser Zurückhaltung ist die persönliche wirtschaftliche Unsicherheit – sie hat im Vergleich zum Vorjahr deutlich an Bedeutung gewonnen.
„Tourismus ist ein Spiegel der gesamtwirtschaftlichen Stimmung“, so der BTW Präsident weiter. „Wenn Menschen Angst um ihren Job oder ihr Einkommen haben, verzichten sie irgendwann auch auf Reisen und Genuss. Deshalb brauchen wir dringend wieder echtes Wirtschaftswachstum in Deutschland. Wir müssen raus aus dem Stimmungstief, sonst gefährden wir weiter unsere über 250.000 Tourismusbetriebe, meist Familienunternehmen.“
Insgesamt bleiben steigende Reisekosten der am häufigsten genannte Einflussfaktor, doch der stärkste Zuwachs entfällt auf Sorgen um die eigene wirtschaftliche Zukunft. Reiseentscheidungen spiegeln damit zunehmend die wirtschaftliche Unsicherheit und die Konsumzurückhaltung der Bevölkerung wider.
Deutschland & Europa profitieren – Sicherheit und Verlässlichkeit werden wichtiger
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage: Geopolitische Konflikte führen vor allem zu Verhaltensanpassungen – so auch beim Reisen:
• 35 Prozent entscheiden sich häufiger für Reiseziele innerhalb Europas,
• 22 Prozent bevorzugen bekannte oder bereits bereiste Destinationen
• 26 Prozent verzichten tatsächlich (teilweise) aufs Reisen - überdurchschnittlich trifft dies bei Geringverdienenden zu.
Flexibilität und Vertrauen als Schlüssel für die Branche
Die Maximierung von Flexibilität und Sicherheit spielt eine große Bedeutung beim Reisen: „Die Menschen reisen bewusster und risikoärmer“, betont der BTW Präsident. „Europa profitiert von dieser Entwicklung – vorausgesetzt, Mobilität bleibt bezahlbar und Urlaub planbar.“
Was Deutschen aktuell am meisten Sicherheit beim Reisen gibt, sind flexible Buchungs- und Stornomöglichkeiten, gefolgt von verlässlichen Informationen zur Lage vor Ort und Reiseangeboten mit integrierter Absicherung. Gerade Familien reagieren sensibel auf transparente und verlässliche Rahmenbedingungen; jüngere Zielgruppen schätzen zusätzlich persönliche Ansprechpartner. „Vertrauen ist eine zentrale Währung der Tourismuswirtschaft“, so Hartmann. „Das zeigt sich heute mehr denn je. Darauf müssen wir als Branche einstellen, brauchen aber auch die entsprechende politische Rückendeckung und Entscheidungen, z.B. wenn es um klare Kommunikation zu beispielsweise Reisewarnungen geht.“
BTW fordert „raus aus dem Stimmungstief, rein ins Wirtschaftswachstum.“
Aus Sicht des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft unterstreichen die Ergebnisse insbesondere auch die Bedeutung stabiler wirtschaftlicher und politischer Rahmenbedingungen für eine der Leitökonomien Deutschlands, welche knapp 4 Prozent zum BIP beiträgt.
„Als Tourismuswirtschaft sind wir in einer fragilen Lage. Uns muss allen klar sein: Tourismus ist kein verzichtbarer Luxus, sondern hat für die Menschen in diesem Land einen enormen gesellschaftlichen Wert und ist wirtschaftlich systemrelevant“, fasst der BTW Präsident zusammen.
Dafür ist es wichtig, wieder Wirtschaftswachstum in Deutschland zu realisieren und den Menschen wieder eine Perspektive zu geben. Besonders Einkommensschwache müssen vor weiteren Preissteigerungen geschützt werden, sodass Erholung & Genuss nicht zur sozialen Frage werden. So braucht es laut BTW eine Ausweitung der Preisbremse bei Kraftstoffen, geringere Belastungen für den Flugverkehr und ein einheitliches und entschiedenes Vorgehen der Deutschen Bundesregierung im Management der Iran-Krise.
Hartmann abschließend: „Jeder weitere Tag, an dem die Straße von Hormus geschlossen ist, belastet die Menschen in diesem Land und gefährdet die Existenz unserer Betriebe mit knapp 2,7 Millionen Beschäftigten. So sollte die EU mit ihren internationalen Partnern sich aktiv in eine Befriedung des Konfliktes einbringen“.
Hinweis: Dieses und weitere Themen werden morgen beim 27. Tourismusgipfel im Axica behandelt. Alle Infos zu den Inhalten und Speakern finden Sie unter www.tourismusgipfel.de
Über die Studie
Die repräsentative YouGov Omnibusbefragung wurde Ende April / Anfang Mai 2026 im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft unter 2.102 Personen ab 18 Jahren in Deutschland durchgeführt. Die Erhebung wurde nach Alter, Geschlecht und Region quotiert und die Ergebnisse anschließend entsprechend gewichtet.
Quelle und Kontaktadresse:
Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft e.V. (BTW), Nicole von Stockert, Pressesprecher(in), Am Weidendamm 1a, 10117 Berlin, Telefon: 030 726254-0
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