Pressemitteilung | Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke e.V. (wafg)

Alkoholfreie Getränke 2001: Absatzplus von 1,6 Prozent

(Berlin) - Durchschnittlich 256 Liter alkoholfreie Getränke (AFG) hat jeder Verbraucher in Deutschland im abgelaufenen Jahr getrunken, so die aktuelle Erhebung der Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (wafg), Berlin. Das bedeutet im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 1,6 Prozent. Trotz der erneuten Absatzsteigerung auf hohem Niveau hat die Branche mit Problemen zu kämpfen.

Das Gesamtergebnis kann sich blicken lassen: Laut Hochrechnung der wafg haben die deutschen Konsumenten im letzten Jahr 106,2 Liter Erfrischungsgetränke, 109,5 Liter Wasser und 40,2 Liter Fruchtsäfte und -nektare getrunken. Damit legten die Erfrischungsgetränke um 0,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu, Wasser verzeichnete sogar ein Plus von 3,8 Prozent. Der Pro-Kopf-Verbrauch von Fruchtsäften und -nektaren ist dagegen im Vergleich zum Jahr 2000 um ein Prozent gesunken.

Bei den Wässern waren es ausschließlich die stillen und die wenig kohlensäurehaltigen Varianten, die 2001 gegenüber dem Vorjahr zulegen konnten. Diese Entwicklung ist umso erfreulicher, da bereits Ende 2000 jeder vierte Haushalt in Deutschland über einen Wassersprudler verfügte. Im Erfrischungsgetränke-Bereich fragten die Konsumenten vor allem die "Wellness-Produkte" verstärkt nach.

Mit diesem Ergebnis wird die Erfolgsgeschichte der alkoholfreien Getränke weiter fort geschrieben. Während der Absatz alkoholischer und sonstiger Getränke seit Jahren rückläufig ist, stieg der Verbrauch von alkoholfreien Durstlöschern seit 1991 um mehr als 26 Prozent an. Die wesentlichen Ursachen für die erfreuliche Entwicklung sind einerseits im steigenden Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung zu sehen, andererseits aber auch in der Innovationskraft der Branche.

Die alten Kategorien verschwinden
Immer stärker schlägt sich in den Statistiken nieder, dass der Verbraucher nicht mehr in den klassischen Getränkekategorien wie Limonade, Fruchtsaftgetränk oder Nektar denkt. Der Saftgehalt alleine ist kein wesentliches Einkaufskriterium mehr. Erfolgreich sind Getränke, die gut schmecken und einen "Mehrwert" aufweisen - sei es der Zusatz gesundheitsfördernder Inhaltsstoffe oder "Convenience" durch handliche Verpackungen und trinkfertige Mischungen.

Der Trend zu mehr Convenience zeigt sich beispielsweise in der rasanten Entwicklung der Schorlen, die bereits jeder dritte deutsche Haushalt fertig kauft. Mengenmäßig dominiert hier noch die Apfelschorle, doch konnten
sich im vergangenen Jahr zahlreiche rote Fruchtmischungen als zweite Generation erfolgreich am Markt positionieren.

Die Forderung nach Convenience betrifft auch den Verpackungsbereich. PET-Flaschen sind in allen Größen - als Portionspackung und im Großgebinde für den Familienbedarf - akzeptiert. Gerade im Freizeit- und Sportbereich konnten die leichten Flaschen deutlich zulegen.

Ein weiterer Wachstumsbereich sind die Functional Drinks, die dem Wellness-Gedanken folgen. Dieses Segment, in dem alle Getränke mit gesundheitlichem Zusatznutzen zusammengefasst sind, erfreut sich großer Beliebtheit. Ob ACE- Getränke, Gemüse-Fruchtmischungen, Sport- und Energy-Drinks, Mineralstoff- und Ballaststoffgetränke oder auch Mischungen von Frucht und Milch beziehungsweise Joghurt: Die Innovationskraft der deutschen Getränkeindustrie zeigt sich vor allem bei diesen Produkten. Und die hohe Akzeptanz bei den Verbrauchern bestätigt, dass die Hersteller auf dem richtigen Weg sind. Zusammen genommen hatten diese noch sehr jungen Produkte im Jahr 2001 bereits acht Prozent Anteil am AFG-Markt und dürften rasch über die Zehn-Prozent-Marke springen.

Neue Impulse für den AFG-Markt
Im vergangenen Jahr präsentierten die Hersteller alkoholfreier Getränke zahlreiche neue Produktideen. Viele Innovationen beruhten auf einer Weiterentwicklung bereits bekannter Sortimente wie beispielsweise auf neuen Fruchtmischungen oder neuen Vitamin-Mineralstoff-Kombinationen.
Bei den ACE-Getränken variieren nicht nur die Frucht-Gemüse-Kombinationen, sondern es ist inzwischen eine zweite Generation im Handelsregal zu finden. Nachdem die Deutsche Gesellschaft für Ernährung, Frankfurt, ermittelt hat, dass beim Vitamin Folsäure in Deutschland eine Mangelsituation zu verzeichnen ist, haben die ersten Getränkeanbieter mit Folsäure-angereicherten ACE-Produkten (F-ACE) reagiert.

Aber es gab auch völlig neue Konzepte. So wurde im Herbst erstmals die neue Produktgruppe "Near Water" vorgestellt, die auf stillem Wasser basiert. Darüber hinaus erhält sie durch den Zusatz von Fruchtsaftkonzentraten, Mineralstoffen und Vitaminen einen klar erkennbaren Zusatznutzen. Die neuen Getränke schmecken fruchtig, aber nicht zu süß und bieten die Möglichkeit der gezielten Anreicherung mit funktionellen Inhaltsstoffen.

Zu den jüngsten Innovationen zählen des weiteren Sojagetränke, die aufgrund ihres hohen Proteingehalts gesundheitsförderlich sind. Nach amerikanischem Recht besteht die Möglichkeit, diese Produkte mit dem Zusatz "good for your health" auszuzeichnen.

Brauereien denken um
Die Brauer denken ebenfalls in neuen Kategorien. Viele Brauereien sind im vergangenen Jahr auf den Trend zu Biermischgetränken aufgesprungen, um den seit Jahrzehnten rückläufigen Bierkonsum zu kompensieren. Für die ersten zehn Monate des vergangenen Jahres errechnete das Statistische Bundesamt in Deutschland einen Biermischgetränke-Absatz von rund zwei Millionen Hektolitern - elf Prozent mehr als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Nachdem fertig abgefülltes Alsterwasser oder Radler schon zu den etablierten Produkten zählen, eroberten 2001 neue Geschmacksrichtungen wie Bier-Cola-Mischungen den Markt. Auch Altbier und Weißbier werden inzwischen kräftig mit Alkoholfreiem versetzt. Nach Einschätzung der Gesellschaft für Konsumforschung, Nürnberg, kauft bereits jeder fünfte Haushalt in Deutschland Biermischgetränke ein. Diese Sortimentserweiterung bietet den Brauereien zudem die Chance, wieder eine jüngere Generation an sich zu binden, denn den Bier-AFG-Mix bevorzugen insbesondere junge Verbraucher.

Umsatzrückgang in Getränkeindustrie
Trotz des gestiegenen Absatzzahlen ist die Umsatzentwicklung der deutschen AFG-Betriebe negativ. Die wafg rechnet für das abgelaufene Jahr mit einem Umsatzrückgang von circa einem Prozent auf 9,07 Milliarden Euro. Verantwortlich dafür sind mehrere Gründe. So führte der wachsende Konkurrenzdruck bei den Herstellern und der Verdrängungswettbewerb im Handel zu rückläufigen Verbraucherpreisen. Laut Angabe des Statistischen Bundesamtes lag der Preisindex für alkoholfreie Getränke zwischen Januar und Oktober 2001 nur um 0,1 Prozent über dem entsprechenden Vorjahreswert und noch unter dem Referenzwert von 1995. Erschwerend kam hinzu, dass niedrigpreisige Handelsmarken weiter an Bedeutung gewannen. Auch die Importmenge alkoholfreier Getränke ist nach Einschätzung der wafg in diesem Jahr erneut gestiegen. Die zweistellige Zuwachsrate resultierte dabei vor allem aus der gewachsenen Einfuhrmenge stiller Wässer.

Die Betriebe konnten die aktuelle Absatz- und Preissituation nicht durch eine Produktivitätssteigerung ausgleichen. Vielmehr stieg die Anzahl der Mitarbeiter in den Betrieben 2001 um rund ein Prozent auf 32.848 Beschäftigte. Belastungen wie Ökosteuer und die kommende streckenbezogene LKW-Maut verschärfen die Situation in der Getränkeindustrie zusätzlich. Auch auf das Wetter konnten sich die Betriebe 2001 nicht verlassen: Die schlechten Witterungsverhältnisse führten in der ersten Jahreshälfte zu Umsatzeinbußen von knapp vier Prozent, die auch der große Durst in den heißen Monaten Juli und August nicht mehr ausgleichen konnte.

Quelle und Kontaktadresse:
Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke e.V. (wafg) Friedrichstr. 231 10969 Berlin Telefon: 030/25925811 Telefax: 030/25925820

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