An Bayerns Grundschulen herrscht der Mangel / Zeit und Personal sind knapp / BLLV-Präsident Klaus Wenzel fordert vor allem kleinere Klassen und zusätzliche Mittel für individuelle Förderung
(München) - Der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Klaus Wenzel, fordert für die rund 2400 Grundschulen in Bayern kleinere Klassen, zusätzliche Mittel für die individuelle Förderung, eine Reduzierung des explodierenden Verwaltungsaufwandes, die Abschaffung der Kategorisierung und des Übertrittszeugnisses, eine besondere Förderung der Schulen in Brennpunktvierteln, mehr Zeit für die Schulleiter/innen, den Ausbau rhythmisierter Ganztagschulen und Modellversuche für eine längere gemeinsame Schulzeit. Grundschullehrer und -lehrerinnen sind Experten in Pädagogik und Didaktik. Sie legen den Grundstein für Lernmotivation und Leistungsbereitschaft der Kinder. Sie versuchen, Erziehungsdefizite zu kompensieren und soziale Benachteiligungen auszugleichen; beste Rahmenbedingungen sollten daher eine Selbstverständlichkeit sein. An den Grundschulen herrscht jedoch Mangel an Zeit und Personal, beklagte Wenzel. Sein Appell an die Staatsregierung: Pädagogen unterstützen und ihre Profession stärken, um so alle Kinder bestens fördern zu können.
An den bayerischen Grundschulen sind die Lern- und Arbeitsbedingungen alles anders als paradiesisch. Kinder und Lehrer/innen stehen unter massivem Druck. Weil viele Eltern die Übertrittsentscheidung als existentiell für die Lebensperspektive ihrer Kinder erleben, setzt dieser Druck immer früher ein. Nicht selten schon mit dem ersten Schultag. Spätestens mit Beginn der vierten Jahrgangsstufe wird es für alle Beteiligten unerträglich, manche Schulen berichten vom Übertrittskampf, der regelmäßig tobt, erklärte Wenzel. Die angespannte Atmosphäre beeinträchtigt die pädagogische Arbeit an den Grundschulen und das Verhältnis zwischen Eltern und Lehrern erheblich. Immer mehr Kinder erleben die Schule als einen Ort der Angst. Das hat fatale Auswirkungen auf ihre Lernbiografien. Die Idee der ganzheitlichen Erziehung gerät mehr und mehr in den Hintergrund. Wenzel: Die Grundschule als erfolgreichste und wichtigste Schulart läuft große Gefahr, durch den Übertrittsdruck deformiert zu werden. Die Frage stellt sich, warum eine so erfolgreiche Schulart nach vier Jahren wieder aufgelöst werden muss und warum Kinder, Eltern und Lehrer diesem Druck ausgesetzt sind.
Hinzukommen veränderte Sozialisationsbedingungen, die sich ebenfalls unmittelbar auf den schulischen Alltag auswirken: Übersteigerter Medienkonsum, Passivität, mangelnde Bewegung, ungesunde Ernährung, zu wenig Schlaf, Sprachprobleme und Defizite im Sozialverhalten stellen zentrale Herausforderungen dar. Um den Kindern pädagogisch gerecht werden zu können und um sie individuell fördern zu können, fehlt jedoch das Personal. Unterrichtet wird nicht in kleinen Gruppen, sondern in immer noch zu großen Klassen. Die ohnehin viel zu kurze Grundschulzeit wird nicht optimal genutzt, insgesamt sind die Lern- und Arbeitsbedingungen schlecht und müssen unverzüglich verbessert werden, erklärte Wenzel.
Grundschullehrerinnen und -lehrer treten für eine Gesellschaft ein, in der alle einen lebenswerten Platz finden sollen. Die meisten Pädagogen tun alles in ihrer Kraft stehende, damit ihre Schüler ihr künftiges Leben beruflich und privat meistern können. Sie engagieren sich in hohem Maß, bringen ihr Fachwissen ein und glauben an den Sinn ihrer pädagogischen Arbeit. Diese wird jedoch durch kontinuierlich schlechtere Rahmenbedingungen erschwert. Wenzel forderte für Grundschullehrerinnen und -lehrer eine deutlich bessere Bezahlung und attraktive Aufstiegsmöglichkeiten. Alle Lehrerinnen und Lehrer erfüllen wichtige und wertvolle pädagogische Aufgaben und sollten daher bezüglich Arbeitsbedingungen, Besoldung und Beförderung gleichwertig behandelt werden.
Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
Andrea Schwarz, Pressereferentin
Bavariaring 37, 80336 München
Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155
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