Analyse im Magazin Mitbestimmung / Vorstandsbezüge: Deutsche Unternehmen mit kurzfristiger Perspektive
(Düsseldorf) - Deutsche Unternehmen orientieren sich bei der Vergütung ihrer Vorstände besonders stark an kurzfristigen Erfolgskennziffern. Ein hohes Gewicht bei der Bezahlung haben Tantiemen. Sie sollen Manager dazu motivieren, am Jahresende eine Erfolgsbilanz auszuweisen, die über den für das Jahr vereinbarten Zielwerten liegt. Das sorge im internationalen Vergleich "für die Pole Position bei der kurzfristig angelegten Vergütung", schreibt Dr. Matthias Müller, Corporate-Governance-Experte der Hans-Böckler-Stiftung, im Magazin Mitbestimmung.
Nach Daten der Unternehmensberatung Hay Group zahlen deutsche Unternehmen im Schnitt 34 Prozent der gesamten Vorstands-Vergütung als Boni für kurzfristige Erfolge. In den USA sind es dagegen nur 20 Prozent, in Frankreich 27 Prozent und in Großbritannien 32 Prozent. Dabei berge gerade eine einseitige kurzfristige Orientierung am Börsenkurs Risiken, warnt Müller in seiner Analyse. Mögliche Folgen: "Innovationen werden vernachlässigt, Traditionsunternehmen werden radikal zerlegt, die Loyalität der Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten zum Unternehmen nimmt ab."
Arbeitnehmervertreter in mitbestimmten Aufsichtsräten stünden vor einer schwierigen Herausforderung, so Müller. Sie sollten genau prüfen, ob durch die Anreizsysteme in ihrem Unternehmen "Entscheidungen, die tendenziell für die Arbeitnehmer Nachteile bringen, belohnt" würden. Das neue Vorstandsvergütungs-Offenlegungsgesetz erleichtere der Arbeitnehmerseite zumindest die Informationsbeschaffung in Vergütungsfragen, beobachtet der Experte: Bisher nicht selten praktizierte "Ausgrenzungsstrategien" gehörten mit der neuen Regelung der Vergangenheit an.
Quelle und Kontaktadresse:
Hans-Böckler-Stiftung
Rainer Jung, Leiter, Pressestelle
Hans-Böckler-Str. 39, 40476 Düsseldorf
Telefon: (0211) 77780, Telefax: (0211) 7778120
Weitere Pressemitteilungen dieses Verbands
- Einkommensteuersenkung kein effektiver Weg, um Wirtschaft zu stärken – Druck auf Investitionen kann sogar Wachstum kosten
- Warum die Schweiz kein Vorbild ist: Die Schattenseiten langer Arbeitszeiten
- Rechtswissenschaftler: OT-Mitgliedschaft in Arbeitgeberverbänden ist juristisch fragwürdig und sollte eingeschränkt werden
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen

