Pressemitteilung | Hans-Böckler-Stiftung
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Analyse in der aktuellen Ausgabe der WSI-Mitteilungen / Familienförderung und Gleichstellung: Deutschland liegt trotz Fortschritten international zurück

(Düsseldorf) - Erfolgreiche Familienpolitik kann die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für Frauen und für Männer fördern. Das zeigt das Beispiel Schweden. In dem skandinavischen Land sind relativ viele Frauen voll erwerbstätig, gleichzeitig beteiligen sich Männer stärker an der unbezahlten Hausarbeit als in anderen europäischen Staaten. Dazu trägt ein breites Angebot an öffentlich finanzierten Einrichtungen zur Ganztags-Kinderbetreuung ebenso bei wie eine großzügige Elternzeitregelung mit spezieller Väterförderung. Deutschland bietet hingegen "ein uneinheitliches Bild mit einer weiterhin vorhandenen Förderung des Ernährermodells und einer Teilmodernisierung, wie sie etwa mit der Einführung des Elterngeldes deutlich wird", schreibt die Sozialwissenschaftlerin Dr. Anneli Rüling in der aktuellen Ausgabe der WSI-Mitteilungen.

Deutschland habe zwar in letzter Zeit Fortschritte gemacht, attestiert die Forscherin in ihrer Analyse für die WSI-Mitteilungen. Im Vergleich zu Schweden, Frankreich und selbst Großbritannien schneide die Bundesrepublik gleichwohl schlecht ab: Die Situation stelle sich "als stark verbesserungswürdig dar", so Rüling. Die Wissenschaftlerin, die an der Universität Göttingen und im Institut für Sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra) arbeitet, hatte zusammen mit ihrem Forscherkollegen Karsten Kassner im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung für vier europäische Länder die Lage von Familien aus der Gleichstellungsperspektive analysiert. Deutschland liegt in verschiedenen Bereichen deutlich zurück:

Frauen-Berufstätigkeit: Obwohl auch Schweden von einer Gleichverteilung der Arbeit noch weit entfernt ist, ist hier die Aufteilung von Erwerbs- und Betreuungsarbeit zwischen Männern und Frauen ausgewogener als in den anderen Ländern. So waren in Schweden 71 Prozent der Frauen erwerbstätig, in Deutschland nur 59 Prozent. Allerdings ist die Frauenerwerbsquote allein nicht aussagekräftig, weil in allen vier Ländern viele Frauen in Teilzeit beschäftigt sind. Umgerechnet auf Vollzeitstellen sinkt die Beschäftigungsquote von Frauen in Schweden auf 63 Prozent, in Deutschland auf 46 Prozent, Frankreich und Großbritannien liegen mit jeweils 51 Prozent dazwischen.

Berufstätigkeit von Eltern: Sind erst einmal Kinder da, sinkt in Deutschland, Frankreich und Großbritannien die Beschäftigungsquote der Frauen. Nur in Schweden wirkt sich Mutterschaft nicht negativ auf die Erwerbsquote aus. Bei den Müttern mit Kindern unter drei Jahren liegt die tatsächliche Beschäftigung in allen Vergleichsländern höher als in Deutschland. Zudem arbeiteten in Schweden Ende der 90er-Jahre bei mehr als der Hälfte aller Paare mit Kindern unter sechs Jahren beide Partner Vollzeit. In Deutschland ist hingegen bei etwa 50 Prozent der Elternpaare mit Kindern unter fünf Jahren das traditionelle Ernährermodell zu finden, das durch das Ehegattensplitting auch steuerlich gefördert wird. Knapp ein weiteres Viertel der Paare praktiziert ein "modernisiertes Ernährermodell", bei dem der Mann Vollzeit, die Frau Teilzeit arbeitet.

Aufteilung der unbezahlten Arbeit: Die Aufteilung der bezahlten Arbeit weist schon darauf hin, dass in Deutschland die Frauen einen deutlich größeren Anteil an der Hausarbeit und der Kinderbetreuung übernehmen. Allerdings funktioniert der Umkehrschluss nicht: Auch wenn Frauen und Männer im gleichen Umfang einer Erwerbstätigkeit nachgehen, leisten die Frauen trotzdem mehr Haus- und Familienarbeit. Insgesamt arbeiten in allen vier Ländern die Mütter mit Kindern unter sechs Jahren durchschnittlich sechs Stunden unbezahlt - und damit doppelt soviel wie die Väter mit rund drei Stunden. Dabei engagieren sich Väter in Deutschland weniger lang als in Schweden, aber länger als in Großbritannien und Frankreich. Im Ländervergleich haben die schwedischen Mütter die längsten Erwerbsarbeitszeiten und die geringste Belastung durch Haus- und Familienarbeit.

Aufteilung von Elternzeit: Während in Deutschland im Jahr 2007 etwa sieben Prozent der zu Elternzeit berechtigten Personen Väter waren, lag diese Quote in Schweden 2004 bei 43 Prozent. Der Grund: Neben einer großzügigen finanziellen Ausgestaltung mit 80 Prozent des Bruttolohns ist nach Ansicht der Autorin vor allem die Flexibilität der schwedischen Elternzeit vorteilhaft. Beide Elternteile haben Anspruch auf 18 Monate Auszeit, die sie auch tageweise oder in Teilzeit nehmen können - bis zum achten Lebensjahr des Kindes. Zusätzlich machen sich die nicht übertragbaren zwei Monate Väterzeit bemerkbar.

Anneli Rüling, Vereinbarkeit von Familie und Beruf und die Gleichstellung der Geschlechter im europäischen Vergleich. In: WSI-Mitteilungen 10/2007, Schwerpunktheft: "Kann Familienpolitik zur Gleichstellung der Geschlechter beitragen?"

Quelle und Kontaktadresse:
Hans-Böckler-Stiftung Rainer Jung, Leiter, Pressestelle Hans-Böckler-Str. 39, 40476 Düsseldorf Telefon: (0211) 77780, Telefax: (0211) 7778120

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