Pressemitteilung | AOK - Bundesverband

AOK fordert vorsichtigeren Umgang mit Antibiotika

(Bonn) - Die AOK fordert einen vorsichtigeren Umgang mit Antibiotika. Ein zu sorgloser und unangemessener Einsatz führe dazu, dass Bakterien zunehmend resistent gegen Antibiotika werden, warnten Experten des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) und der Uni Freiburg bei einer Veranstaltung des AOK-Bundesverbandes in Berlin. Um die lebensrettende Wirkung von Antibiotika auf Dauer zu erhalten, macht sich die AOK stark für den Aufbau eines Resistenz-Atlasses, für Leitlinien für den Umgang mit Antibiotika, für bessere Patienteninformationen und für eine Zusammenführung von Diagnose- und Verordnungsdaten.

Hintergrund der Forderungen ist eine gemeinsame Studie des WIdO und der Uni Freiburg. Die kritische Analyse der Antibiotikaverordnung zeigt, dass auch in Deutschland das Problem der Antibiotikaresistenzen zunimmt. Ein Grund dafür ist das Verordnungsverhalten der Ärzte. "Studien zeigen, dass Ärzte bei Erkältungserkrankungen in vielen Fällen Antibiotika verordnen. Erkältungen werden aber meistens durch Viren ausgelöst, gegen die Antibiotika nicht helfen", nannte Helmut Schröder, Forschungsbereichsleiter beim WIdO in Bonn, ein Beispiel für den unnötigen Einsatz der Medikamente.

Nach Schröders Angaben gibt es zudem regionale Unterschiede im Verschreibungsverhalten der niedergelassenen Ärzte: "In den alten Bundesländern werden deutlich mehr Antibiotika verschrieben als in Ostdeutschland - im Saarland waren es im Jahr 2001 doppelt so viele wie in Sachsen."

Auf dem Weg zu einem rationalen Antibiotika-Einsatz in Deutschland, so Schröder, müsse geklärt werden, inwieweit die Therapieentscheidung von Ärzten und Patienten mit neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen übereinstimme: "Um zu erfahren, ob der Antibiotika-Einsatz gerechtfertigt war, müssten wir Verordnungsdaten mit Diagnosedaten verknüpfen können. Dadurch ließe sich beurteilen, ob eine Über-, Unter- oder Fehlversorgung mit Antibiotika besteht und ob es künftig zu Resistenzen kommen wird. Wir brauchen dringend einen Atlas, der Auskunft über regionale Resistenz-Raten gibt. Zurzeit liegen lediglich Einzelbefunde vor."

Entwicklung aktueller Leitlinien

"Es liegen keine Erkenntnisse vor, ob der Einsatz von Antibiotika immer leitliniengerecht erfolgt", sagte der Leiter der Infektiologie der Uniklinik Freiburg und Mitautor der Studie, Prof. Winfried Kern, bei der AOK-Veranstaltung. Der Grundstein für das Problem der Resistenzbildungen werde vermutlich schon im frühen Kindesalter gelegt. "Die häufige Verordnung von Antibiotika bei Kindern - zum Beispiel bei Mittelohrentzündung - führt dazu, dass die Medikamente bei anderen bakteriellen Infekten nicht mehr anschlagen." Kern forderte die Entwicklung und ständige Aktualisierung von Leitlinien für den Einsatz von Antibiotika. Aus Sicht der AOK müssen die Leitlinien auch Vorgaben für konkrete Patienteninformationen einschließen.
Reserveantibiotika sparsamer einsetzen

Ist eine Antibiotikatherapie angezeigt, spielt nach Darstellung der Experten die Wahl des Wirkstoffs eine wichtige Rolle. Dabei sollte aufgrund der steigenden Resistenzen zunächst auf bewährte Antibiotika zurückgegriffen werden. Laut Analyse von WIdO und Uni Freiburg wurde jedoch 2001 bereits in jedem dritten Fall ein neues, so genanntes Reserveantibiotikum verschrieben. Dadurch wachse die Resistenzgefahr gegenüber hochwirksamen Substanzen. Die Forderung der Experten: "Reserveantibiotika nur bei schwerwiegenden Erkrankungen oder bei schon bestehenden Resistenzen einsetzen."

Jan Geldmacher, stellvertretender Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Südbaden, riet bei der AOK-Veranstaltung seinen ärztlichen Kollegen zu mehr Resistenz gegenüber der Pharmaindustrie: "Neue Antibiotika werden mit großem Werbeaufwand in die Verordnungspraxis gepresst." Dadurch wachse nicht nur die Gefahr der Antibiotikaresistenz. Neue Präparate seien zudem teurer. Geldmacher: "Lassen Sie sich nicht durch eloquente Außendienstmitarbeiter und aufwändige Hochglanzprospekte von ihrer guten klinischen oder persönlichen Erfahrung mit Standardantibiotika abbringen."

Quelle und Kontaktadresse:
AOK - Bundesverband Kortrijker Str. 1 53177 Bonn Telefon: 0228/8430 Telefax: 0228/843502

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