Pressemitteilung | Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
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„Armutszeugnis: enttäuschend unverbindlich und banal“ / GEW zu den gemeinsamen Schlussfolgerungen von KMK und BMBF aus dem ersten nationalen Bildungsbericht

(Frankfurt am Main) - Als „Armutszeugnis“ und „enttäuschend unverbindlich und banal“ hat Marianne Demmer, stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die gemeinsamen Schlussfolgerungen charakterisiert, die von Kultusministerkonferenz (KMK) und Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) als Reaktion auf den ersten nationalen Bildungsbericht gezogen worden sind.

Die bisher von KMK und Bundesregierung vereinbarten Maßnahmen zur Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowie mehr Bildungsforschung seien als Reaktion auf den Bildungsbericht „schmale Kost“. „Ein bisschen mehr Einfallsreichtum und Engagement hätte ich schon erwartet“, so die GEW-Vize. „Für solche Schlussfolgerungen braucht man ja nun wahrlich keinen Bildungsbericht, der viel Arbeit gemacht hat und auch nicht ganz billig war.“ Demmer schätzt die Kosten für den Bericht auf ca.300.000 Euro.

Nach Ansicht der GEW-Vize muss den Bildungspolitikern in Bund und Ländern klar sein, dass sie nach der Föderalismusreform „unter verschärfter öffentlicher Beobachtung“ stehen. Ihr sei unverständlich, wie man „als ersten Beleg für gemeinsam wahrgenommene gesamtstaatliche Verantwortung gleich eine so dünne Suppe servieren könne“. Das im Bildungsbericht offen zu Tage getretene Dilemma der Hauptschüler/innen und der „vergessenen Sonderschüler/innen“, das sich nach Beendigung der Schule weiter verschlimmere, hätte zum Beispiel nach einer Gesamtstrategie für den gesamten Bildungsverlauf verlangt. Nur – wie Frau Schavan - die Halbierung der Schulabbrecherquote zu verlangen, sei „doch ziemlich kurz gesprungen“.

Dies versprächen die Kultusminister der Länder schon seit Jahrzehnten, ohne dass sich etwas Nennenswertes getan habe.

Insgesamt sieht Demmer die Befürchtungen der GEW bestätigt, wonach der nationale Bildungsbericht von den Auftraggebern KMK und BMBF vor allem zur Beruhigung der Öffentlichkeit gedacht ist. „Eine kritische Bilanz über den Zustand des deutschen Bildungssystems“, so die GEW-Vize, „war von den Auftraggebern KMK und BMBF nicht gewünscht. Die beauftragten Wissenschaftler durften nur beschreiben, nichts kritisch bewerten und auch keine Empfehlungen geben. Die Parlamente auf Länder- und Bundesebene sowie die Öffentlichkeit wurden an keiner Stelle einbezogen.“ Herausgekommen sei ein „kastrierter Bericht“, dem die Provokationen für weiterführende Debatten fehlten. Demmer: „Die handelnden Politiker können bislang ungestört mit dem Bericht machen was sie wollen – ihn einfach in die Schublade legen oder sich auf unverbindliche Schlussfolgerungen verständigen“. Nach Ansicht der GEW-Vize sehnen sich KMK und BMBF nach der Hektik des PISA-Schocks vor allem nach „Ruhe an der Bildungsfront“. Menschlich sei ihr das ja verständlich, bildungspolitisch könne sich Deutschland das nicht leisten.

Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Ulf Roedde, Pressesprecher Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201

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