Pressemitteilung | Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e.V. (AUMA)

AUMA-Herbst-Pressegespräch: Messewirtschaft auf dem Weg der Besserung / Ausstellerzahlen in 2003 nur noch leicht gesunken

(Berlin) - Zum Ende eines nochmals schwierigen Jahres für die internationalen Messen in Deutschland gibt es konkrete Anzeichen für eine Konsolidierung. Der AUMA-MesseTrend 2004/2005 zeigt, dass die Messen ihre Position im Marketing-Mix der deutschen Unternehmen leicht verbessern und damit erstmals den Außendienst überholen. Dies unterstrich Dr. Hermann Kresse, Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des AUMA-Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft im Herbst-Pressegespräch des Verbandes am 19.11.2003 in Berlin.

Die deutschen Messen haben, wie bereits 2002, auch in 2003 erneut unter ungünstigen ökonomischen Rahmenbedingungen gelitten; auch hätten die vielfach chaotischen Reformdiskussionen zu einer weit verbreiteten Verunsicherung geführt, die sich negativ bei der Investitionsbereitschaft der Industrie und der Kauflust der Verbraucher niederschlage. Daher habe sich die Messewirtschaft nur ansatzweise von den Rückgängen des Jahres 2002 erholt. Immerhin hätten sich aber die Verluste an Ausstellern und Besuchern, gerade im 2. Halbjahr 2003, deutlich abgeschwächt.

Nach vorläufigen Berechnungen des AUMA werden die Ausstellerzahlen der 142 internationalen Messen im Durchschnitt um 1,5 Prozent unter den Ergebnissen der jeweiligen Vorveranstaltungen liegen (2002: - 2,5 Prozent). Erneut war, so Dr. Kresse, eine erhebliche Schere zwischen der Entwicklung der inländischen und ausländischen Aussteller zu verzeichnen.

3 Prozent mehr ausländische Aussteller

Die Zahl der heimischen Aussteller liege voraussichtlich um rund 6 Prozent unter denen der Vorveranstaltungen (im Vorjahr: - 6,7 Prozent). Dagegen erwarte der AUMA rund 3 Prozent mehr ausländische Aussteller (2002: + 2,2 Prozent). Der Anteil ausländischer Unternehmen auf den deutschen Messen liegt damit erstmals über 50 Prozent. Dr. Kresse: „Es ist äußerst positiv, dass das Interesse in aller Welt an deutschen Messen weiter zunimmt. Viele innovative Unternehmen drängen auf den deutschen Markt und bereichern damit das Angebot. Auf der anderen Seite kommen auch Aussteller dazu, die nur mit Mühe unseren Qualitätsstandards entsprechen. Die Messegesellschaften müssen hier teilweise schon das Interesse bremsen, um die Güte ihrer Veranstaltungen in der gesamten Angebotsbreite und Qualität zu halten.“

Die Ausstellerzahl der deutschen Unternehmen habe wiederum unter der hohen Zahl von Firmenaufgaben und Zusammenschlüssen gelitten. Ein Ende dieser Entwicklung zeichne sich jedenfalls für die nähere Zukunft noch nicht ab. Entsprechend der Ausstellerzahl ist auch der Umfang der vermieteten Fläche nochmals zurückgegangen: Zu rechnen sei mit etwa - 4 Prozent (2002: - 3,4 Prozent).

Besucherzahlen im 2. Halbjahr stabilisiert

Auf der Besucherseite sei jedoch im Vergleich zu 2002 eine deutliche Abschwächung des damals relativ starken Rückgangs festzustellen: -4 Prozent im Vergleich zu - 6 Prozent vor einem Jahr. Hauptgrund dafür sei eine vielfach positive Besucherbilanz auf den Messen im 2. Halbjahr gewesen. Auch die Ausstellerzahlen hatten sich im Durchschnitt in den letzten Monaten stabilisiert. Ohnehin verbirgt sich hinter den durchschnittlichen Veränderungen ein erhebliches Spektrum: Wie im Vorjahr hatten rund die Hälfte der bisher ausgewerteten Messen positive Kennzahlen, die andere Hälfte negative. Deutlichen Schwächen etwa in den Bereichen IT und Bau standen eine Vielzahl von einzelnen guten Veranstaltungskonjunkturen gegenüber. Insgesamt erwartet der AUMA für das laufende Jahr 161.000 Aussteller, davon 84.500 aus dem Ausland, rund 6,3 Millionen m² vermietete Fläche und rund 9,6 Millionen Besucher.

Dr. Kresse: „Aufgrund der beginnenden Erholung der Konjunktur in zahlreichen Industrieländern rechnen wir damit, dass es in 2004 bei den 149 geplanten Messen zu einer Stabilisierung der Aussteller- und Besucherzahlen kommt. Die hoffentlich leicht anziehende Konjunktur in Deutschland dürfte dazu beitragen, das Minus inländischer Aussteller zumindest zu reduzieren und das Besucherinteresse zu stimulieren. Eine durchgreifende Wende in den Plusbereich ist gegenwärtig für das nächste Jahr noch nicht absehbar, nicht zuletzt aufgrund der längeren Vorlaufzeiten für Messebeteiligungen. Insofern ist die Ausstellerentwicklung eher ein Spätindikator für einen wirtschaftlichen Aufschwung.“

AUMA-MesseTrend 2004/2005

Der AUMA-MesseTrend 2004/2005, eine Befragung von 500 repräsentativ ausgewählten deutschen Ausstellern, durch das EMNID-Institut in der zweiten Oktoberhälfte, zeigt, dass der Messeanteil an den gesamten Kommunikationsetats für Business-to-Business-Kommunikation nahezu unverändert ist. Er wird in den beiden nächsten Jahren bei 38 Prozent liegen, gegenüber 39 Prozent in den beiden letzten Jahren. Von durchgängigen Umschichtungen innerhalb der Etats zulasten der Messe kann, so Dr. Kresse, nicht die Rede sein. Bestätigt wird dies auch durch die Tatsache, dass nahezu gleich viele Firmen - jeweils rund ein Viertel - ihre Messe-Etats erhöhen bzw. senken wollen. 50 Prozent wollen ihre Messe-Etats konstant halten.

Mehr Geld für Konsumgütermessen

Positiv zu vermerken ist, dass im Konsumgütersektor nach deutlichen Rückgängen in den letzten Jahren offensichtlich die Talsohle durchschritten ist und Messen wieder verstärkt im Fokus stehen. Fast ein Viertel der befragten Konsumgüterhersteller wollen ihre Messe-Investitionen verstärken, nur 17 Prozent senken. Im Durchschnitt aller befragten Aussteller werden die Messebudgets der nächsten beiden Jahre um gut 3,5 Prozent unter denen der Jahre 2002/2003 liegen: 245.000 Euro im Vergleich zu 254.000 Euro. Dies ist, so Dr. Kresse, zwar ein leichter Rückgang, aber er ist weit entfernt von den gelegentlich prognostizierten Einbrüchen. Zu berücksichtigen sei eben auch, dass der Messebudgetanteil von fast 40 Prozent hier und da dazu einlädt, einige Prozent einzusparen, während man bei Instrumenten mit geringerer Bedeutung dies weniger schnell ins Auge fasst. Wenn Etaterhöhungen geplant werden, fließen die Mittel vorrangig in die Optimierung des Standbaus (von rund 40 Prozent der Aussteller genannt) und in zusätzliche Beteiligungen, gefolgt von der Erweiterung der Standfläche, höheren Ausgaben für Standservice und Kommunikation sowie höheren Hotelkosten.

Diejenigen Aussteller, die mehr Geld für Hotels ausgeben werden, haben als Grund dafür zu 80 Prozent höhere Hotelpreise angegeben, ein Drittel haben als Ursache höheren Personaleinsatz genannt. Wenn Messe-Etats reduziert werden, wollen zwei Drittel der Unternehmen die Zahl der Beteiligungen zurückfahren. Mit deutlichem Abstand folgt die Reduzierung der Standgröße, Einsparungen bei den Personalkosten, Einsparungen beim Standbau und Reduzierung der Hotelkosten. Dr. Kresse: „Unverändert ist hier die Strategie erkennbar: die Qualität der Beteiligungen halten! Wenn Einsparungen nötig sind, dann wird eher auf eine Beteiligung verzichtet.“

Aussteller wollen wegen Hotelkosten Personal reduzieren

Von denjenigen Ausstellern, die Hotelkosten einsparen wollen, haben immerhin drei Viertel gesagt, dass sie dies durch weniger Personaleinsatz erreichen wollen, gut die Hälfte will auf preiswertere Hotels ausweichen. Die Tatsache, dass so viele Aussteller aus Kostengründen die Standbesatzung reduzieren, kann man, so Dr. Kresse, nur als alarmierend bezeichnen. Denn unzufriedene Besucher aufgrund weniger intensiver Betreuung bedeute langfristig weniger Besucher und damit wiederum weniger Übernachtungen in der Messestadt. Dies könne nicht im Sinne der Hotels sein. Hier säge man schnell den Ast ab, auf dem man sitze. Die zahlenmäßige Entwicklung des Messeengagements zeigt folgendes Bild: Von den deutschen Ausstellern wollen 12 Prozent die Zahl ihrer Inlandsbeteiligungen erhöhen, 59 Prozent wollen sie konstant halten und ein Viertel reduzieren. Auch hier verzeichnen die Konsumgüteraussteller ein überdurchschnittliches Ergebnis: Fast 14 Prozent wollen sich häufiger beteiligen, zwei Drittel gleich oft. Zusätzlich zu ihrem Engagement in Deutschland wollen sich ein Drittel der Unternehmen auch an Messen im europäischen Ausland beteiligen. Zusätzlich in Ländern außerhalb Europas wollen knapp ein Fünftel ausstellen.

Im Durchschnitt werden sich die deutschen Unternehmen innerhalb der nächsten zwei Jahre rund 5 Mal an Inlandsmessebeteiligungen und gut zweieinhalb Mal an Auslandsmessen beteiligen. Bei der Frage nach der generellen Relevanz von Messen für ihr Unternehmen sehen 19 Prozent der Aussteller eine wachsende Bedeutung (Ergebnis vor einem Jahr 15 Prozent), 51 Prozent sehen sie als konstant an (vor einem Jahr 56 Prozent) und 30 Prozent sehen eine sinkende Bedeutung (bisher 29 Prozent). Dr. Kresse: „Die Einschätzung der Bedeutung von Messen wird zunehmend differenzierter. Positiv ist aber, dass in der Kategorie Zuwächse deutlich mehr Firmen zu finden sind. Dies sind erste Zeichen für einen Stimmungswandel.“

Messen erstmals höher als Außendienst eingeschätzt

Unterstützt werde dieses Ergebnis durch die Tatsache, dass mehr Firmen als bisher die Bedeutung von Messen im Kommunikations-Mix als wichtig oder sehr wichtig einschätzen. Messen haben sogar den bisher führenden persönlichen Verkauf, also im Wesentlichen den Außendienst, erstmals überholt. Offensichtlich werde dessen Effizienz in Frage gestellt. Nur der eigene Internet-Auftritt wurde von noch mehr Firmen als wichtig oder sehr wichtig genannt (79 Prozent). Das Internet ist aber, so Dr. Kresse, eine Art Grundversorgung für die Bereitstellung permanenter, allgemeiner Informationen und ist deshalb keine direkte Konkurrenz zu Messen; vielmehr unterstütze es messevor- und nachbereitende Kommunikation. Die Reihenfolge der Instrumente, die als wichtig oder sehr wichtig angesehen werden, im Detail: Messen 76 Prozent, Außendienst 75 Prozent, Firmenpräsentationen 67 Prozent und Direktwerbung 61 Prozent.

Fazit des AUMA-MesseTrend 2004: Die Aufwendungen für Messebeteiligungen gehen zwar leicht zurück. Die Position der Messen im Kommunikations-Mix hat sich aber sogar leicht verbessert. Offensichtlich wird auch bei anderen Instrumenten weiterhin gespart. Die Effizienz des bisher führenden Außendienstes wird
stärker hinterfragt.

Rekordprogramm an offiziellen Auslandsmessebeteiligungen

Im Jahr 2004 wird das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit in Kooperation mit dem AUMA auf 265 Auslandsmessen vertreten sein, um vor allem mittelständischen deutschen Firmen eine Exportplattform zur Verfügung zu stellen. An diesen offiziellen Präsentationen können sich deutsche Unternehmen in der Regel im Rahmen eines Gemeinschaftsstandes zu günstigen Konditionen beteiligen.

Im laufenden Jahr werden auf 180 Messen offizielle Beteiligungen realisiert. Möglich wird das Rekordprogramm von 265 Beteiligungen im nächsten Jahr durch eine Reihe kostensenkender Maßnahmen, die der AUMA dem Wirtschaftsministerium in Abstimmung mit seinen Mitgliedsverbänden vorgeschlagen hatte, darunter der Bundesverband der Deutschen Industrie e.V. (BDI), der Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK), der Verband deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) und der Zentralverband Elektrotechnik und Elektroindustrie (ZVEI). Dazu gehören gestaffelte Konditionen für die Anmietung von Standfläche, die Begrenzung der Teilnahmehäufigkeit und die Reduzierung der Standbaukosten. Außerdem hat die Bundesregierung für 2004 den Etat-Ansatz auf 36 Mio. Euro erhöht; für 2003 hatte der Bundestag 35 Mio. Euro beschlossen.

Dr. Kresse: „Die Messewirtschaft begrüßt es außerordentlich, dass Auslandsmessebeteiligungen vorrangiger Schwerpunkt der Außenwirtschaftsoffensive der Bundesregierung sind. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen haben dadurch bessere Chancen, ihren Export Richtung Osteuropa, Asien und Amerika auszubauen. Angesichts der Wachstumsschwäche in Deutschland und in der EU ist dies eine existentielle Notwendigkeit.“ Regionaler Schwerpunkt des Auslandsmesseprogramms 2004 ist erneut Ostasien mit 119 Beteiligungen vor Mittel- und Osteuropa (46).

Mehr Auslandsmessen deutscher Veranstalter

Deutsche Messeveranstalter werden 2004 insgesamt 161 Messen auf allen Kontinenten organisieren, das sind 10 mehr als in diesem Jahr. Schwerpunkt der Auslandsaktivitäten der AUMA-Mitglieder ist Ostasien mit 81 Veranstaltungen, gefolgt von Europa (41), Lateinamerika (17), dem Nahen und Mittleren Osten (12), Nordamerika (9) und Australien (1). Dr. Kresse: „Die Konzepte dieser Messen orientieren sich in der Regel an den Standards führender internationaler Messen in Deutschland und ermöglichen deshalb den Ausstellern auch in schwierigen Märkten überdurchschnittlichen Messe-Erfolg.“

Inzwischen sind nicht nur große und mittlere Veranstalter im Ausland tätig. Auch kleinere Messeunternehmen, in erster Linie Spezialisten, gehen ins Ausland, vorrangig nach West- und Mitteleuropa, um ihr Risiko zu streuen und gleichzeitig neue Interessenten für ihre heimischen Messen zu akquirieren.

Pressekontakt: Harald Kötter, Telefon: 030/24 000-140,
Fax: 030/24 000-264, E-Mail: h.koetter@auma.de

Druckfähige Grafiken sind erhältlich bei Annett Käpernick,
Fax: 030/24000264, E-Mail: a.kaepernick@auma.de.

Quelle und Kontaktadresse:
Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft e.V. (AUMA) Littenstr. 9, 10179 Berlin Telefon: 030/240000, Telefax: 030/24000263

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