Pressemitteilung | Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
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„Bayerns Kindergärten stehen schlechter da“ / Die Leiterin des Forums Kindertagesstätten beim BLLV, Sigrid Hepting, übt scharfe Kritik am vor zwei Jahren eingeführten BayKiBiG

(München) - „Familienministerin Christa Stewens zieht zwar eine positive Bilanz nach der anderen, dadurch wird aber das vor zwei Jahren gegen den massiven Protest tausender Erzieherinnen durchgesetzte Bayerische Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz (BayKiBiG) auch nicht besser.“ Zu Beginn des neuen Kindergartenjahres steht für die Leiterin des Forums Kindertagesstätten im Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV), Sigrid Hepting, fest, dass sich seit Einführung des umstrittenen Gesetzes die Situation an vielen bayerischen Kindertagesstätten dramatisch verschlechtert hat. „Dass Bayerns Kindertagesstätten überhaupt noch so gut funktionieren, liegt am Einsatz und Engagement der Erzieherinnen und Kinderpflegerinnen, denen es in erster Linie um die Kinder geht.“ Erneut forderte sie eine kritische Überarbeitung des umstrittenen Gesetzes unter Einbeziehung aller Beteiligten, eine leistungsgerechte Bezahlung, mehr Anerkennung des Berufs in der Öffentlichkeit, eine höherwertige Ausbildung und ausreichende Vorbereitungszeit.

Seit zwei Jahren werden Erzieherinnen nach der Anzahl der zu betreuenden Kinder und der gebuchten Stunden bezahlt. Immer öfter werden deshalb auch unter Dreijährige in Regelgruppen aufgenommen. Hepting: „Die Gefahr ist groß, dass ihre speziellen Bedürfnisse im Alltag untergehen. Eine Erzieherin, die über 20 Kinder zu betreuen hat, kann beim besten Willen nicht auf alle speziellen Wünsche und Anforderungen eingehen, weil sie dafür einfach keine Zeit hat.“ Altersmischungen in den Kindergartengruppen sind an sich positiv zu bewerten, weil die Kinder davon profitieren können. Ins Negative verkehrt es sich aber, wenn aufgrund schlechter Rahmenbedingungen - zu große Gruppen, zu wenig Personal - die Erzieherinnen den unterschiedlichen Bedürfnissen von Zwei- bis Sechsjährigen nicht gerecht werden können. „Viele Einrichtungen laufen Gefahr, ungewollt zu reinen Aufbewahrungsorten zu verkommen.“

Hepting spricht von einer „Zerreißprobe“, der die pädagogischen Fachkräfte tagtäglich ausgesetzt sind: „Sie spüren, dass die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit riesengroß geworden ist und sie den Zielen, die der Bayerische Bildungs- und Erziehungsplan (BEP) formuliert, nicht gerecht werden können. Keine noch so qualifizierte Erzieherin kann an einem Vormittag drei oder mehr Kinder wickeln und gleichzeitig die Älteren in der Gruppe individuell fördern, auf Verhaltensprobleme oder entwicklungsbedingte Störungen, Sprachprobleme oder körperliche Schwierigkeiten, Belastungen durch familiäre Veränderungen und Schicksalsschläge einzelner Kinder eingehen. In keiner sonstigen Bildungseinrichtung wird nutzungszeit-bezogen vergütet“, kritisierte Hepting und wies darauf hin, dass sich - wie befürchtet - die Arbeitszeiten des Personals je nach Nutzungsverhalten jährlich ändern. „Kürzungen der Arbeitszeit gehen in der Regel zu Lasten der Vorbereitungszeit. Elterngespräche, die Zusammenarbeit mit anderen Einrichtungen, der durch das Gesetz vermehrte Verwaltungsaufwand und die Vorbereitung auf die Bildungsarbeit mit den Kindern müssen in der Freizeit geleistet werden oder die Kollegin wird in der Gruppe mit den Kindern alleine gelassen.“

Für Erzieherinnen ist die neue Regelung eine Zumutung. Sie arbeiten schließlich an außerordentlich verantwortungsvoller Stelle und die Politik wird nicht müde, immer wieder darauf hinzuweisen, wie groß die Bedeutung des elementaren Bildungsbereichs und wie entsprechend groß die Verantwortung ist, die der Beruf der Erzieherin mit sich bringt. „Ihr Einsatz geht trotz schlechter Bezahlung weit über ihre Arbeitszeit hinaus."

Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV) Andrea Schwarz, Pressereferentin Bavariaring 37, 80336 München Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155

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