BDS Bayern zum heutigen (10. Juni 2009) Insolvenzantrag von Arcandor: Arcandor ist kein Einzelfall / Innenstädte leben von verantwortungsvoll geführten Unternehmen
(München) - Im ersten Quartal 2009 mussten rund 7.700 Unternehmen Insolvenz anmelden - seit heute (10. Juni 2009) zählt Arcandor mit seinen Traditionsmarken Karstadt und Quelle dazu. "Unternehmer sein bedeutet nicht nur frei entscheiden zu können, sondern auch die Verantwortung für das eigene Tun zu übernehmen. Dazu waren die Eigner von Arcandor sowie deren Banken und Immobilienvermieter in letzter Konsequenz nicht bereit. Ihr Ruf nach dem Staat ist zu Recht ohne Widerhall verklungen. Der jetzige Insolvenzantrag muss nicht das Ende sein. Er bietet vielmehr die Möglichkeit des Neuanfangs ohne den Staat", so BDS-Präsident Professor Fritz Wickenhäuser.
Unternehmer und Selbständige schätzen zu 87 Prozent ihre eigene Entscheidungsfreiheit, wollen zu 83 Prozent Verantwortung übernehmen und zu 79 Prozent Leistung zeigen. Das sind laut einer BDS Umfrage unter seinen Mitgliedsbetrieben aus allen Branchen der mittelständischen Wirtschaft in Bayern die drei ausschlaggebenden Motive für die berufliche Selbständigkeit. Die Schattenseite ihrer Berufswahl mussten im ersten Quartal des laufenden Jahres rund 7.700 Unternehmer und damit rund 10 Prozent mehr als im Vorjahr am eigenen Leib erleben: sie haben laut heutiger (10. Juni 2009) Meldung des Statistischen Bundesamtes Insolvenz anmelden müssen. Arcandor ist somit kein Einzelfall, sondern nur das derzeit prominenteste Beispiel einer Insolvenzwelle, die auch den Mittelstand erfasst hat.
"Die Verantwortung für die heutige Arcandor Insolvenz liegt in erster Linie bei den Eigentümern, dem Management, den Banken und den Vermietern der Kaufhaus-Immobilien", so Wickenhäuser. "Daher ist es nicht nur ordnungspolitisch verständlich, wenn der Staat nicht bereit ist, für Risiken einzuspringen, die er selbst nicht zu verantworten hat. Dennoch ist er nicht frei von Schuld. Zum einen hat er sich in den letzten Monaten aus teilweise wahltaktischen Gründen als Retter profiliert. Zum anderen hat er im speziellen Fall von Karstadt durch eine falsche Ansiedlungspolitik auf der grünen Wiese erst die Grundlagen für das Ausbluten der Innenstädte und damit der Kaufhäuser und des Mittelstandes geschaffen", stellt Wickenhäuser weiterhin fest.
Wickenhäuser abschließend: "Systemrelevant und damit staatlich schützenswert sind nicht nur große Unternehmen, sondern die Summe der Kleinen. Drei von vier Arbeitnehmern verdienen dort ihr Geld, weit über 80 Prozent haben dort ihren Beruf erlernt. Der meist in Familienbesitz befindliche Mittelstand und die mit ihm verbundene Verantwortung für den eigenen Standort ist die Säule in der konjunkturellen Brandung. Greift dieses Verantwortungsbewusstsein auch auf das jetzige Insolvenzverfahren von Arcandor über, dann hat auch dieses Unternehmen noch eine Zukunft. Kurzfristiges Renditestreben findet in der aktuellen Situation zumindest keinen Platz mehr."
Quelle und Kontaktadresse:
BDS-DGV Bund der Selbständigen - Deutscher Gewerbeverband Landesverband Bayern e.V.
Pressestelle
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