BDS Bayern zur angekündigten Strompreiserhöhung: Höhere Strompreise treffen die unternehmerische Substanz
(München) - Deutschlands Stromversorger erhöhen zum Jahreswechsel die Preise, um durchschnittlich neun Prozent. "Bayerns mittelständische Wirtschaft wird diese Preiserhöhung hart treffen", stellt BDS-Präsident Professor Fritz Wickenhäuser angesichts der Ergebnisse einer Mitgliederumfrage fest. Wickenhäuser: "Nur drei von zehn Betrieben werden die höheren Kosten an ihre Kunden weitergeben können. Der Rest wird aus der eigenen Substanz kommen müssen. Ist diese aufgebraucht, dann hat die Krise den Arbeitsmarkt erreicht."
Steigende Energiekosten treffen die mittelständische Wirtschaft im Freistaat. Rund zwei Drittel sogar "sehr stark" bzw. "stark". Da 70 Prozent der Unternehmen ihre Kosten nicht an ihre Kunden weitergeben können, dürfen diese erst gar nicht anfallen. 80 Prozent der rund 900 BDS-Mitgliedsunternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, wollen daher ihre Energiekosten verringern, indem sie Energie sparen (66 Prozent), technische Innovationen durchsetzen (23 Prozent) oder den Anbieter wechseln (12 Prozent).
Größere Mittelständler sind dazu übergegangen, ihren Strom selbst zu erzeugen. Diesen Weg ist auch die Holzwerk Obermeier GmbH aus dem oberbayerischen Schwindegg gegangen, indem sie u.a. die eigenen Holzabfälle verbrennt, um Strom und Wärme zu erzeugen. "Mit der Stromeinspeisung können wir unsere Stromkosten um ein Vierteil senken. Leider fehlt uns allerdings in den Sommermonaten ein Abnehmer für die von uns erzeugte Wärme", stellt Ingrid Obermeier-Osl, Präsidiumsmitglied des BDS Bayern, fest. Ein Wechsel des Stromanbieters scheidet für den oberbayerischen Standort aus. Bis Ende 2009 haben sich die Holzwerke Obermeier vertraglich an die E.ON Bayern gebunden.
Ähnlich erzeugertreu ist die Firma Kompostierungs-Service Käßmeyer GmbH mit ihrem Teilbetrieb Bio Energie Schwaben aus Erkheim in Bayrisch-Schwaben. Geschäftsführer Peter Käßmeyer, der zugleich Vorsitzender des BDS Schwaben ist, begründet seine bisherige Treue zu den Lechwerken (LEW) mit gewachsenen Geschäftsbeziehungen. Wie die Obermeier GmbH erzeugt auch Käßmeyer eigenen Strom, den er bislang ins LEW-Netz einspeist. Ob es allerdings nach der von der LEW angekündigten Strompreiserhöhung dabei bleiben wird, steht für Käßmeyer noch nicht fest. Denn zum Jahreswechsel steht zugleich die nächste Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) an. "Möglicherweise wird es künftig für uns wirtschaftlicher sein, den von uns erzeugten Strom selbst zu verbrauchen. Dieser kommt aus der Vergärung von Müll. Daher bekommen wir vom Staat nicht den gleichen Bonus wie Stromerzeuger, die nachwachsende Rohstoffe verbrennen. Der Kostenvorteil unseres eigenen Stroms im Vergleich zum LEW-Strom könnte somit trotz der Preiserhöhung dahin sein", erläutert Käßmeyer seine Überlegungen.
"Die Praxis zeigt uns, dass der unternehmerische Wille zum effizienten und wirtschaftlichen Umgang mit Strom seine Grenzen hat. Oftmals fehlt es auch am erforderlichen Kapital, das angesichts der Finanzkrise sicherlich nicht günstiger werden wird", stellt Wickenhäuser fest. Daher fordert der BDS Bayern sowohl die Stromerzeuger als auch den Staat dazu auf, die Stromkosten beherrschbar zu machen.
Seit Juli dieses Jahres sind die Einkaufskosten einer Kilowattstunde Strom für die Versorger um rund 30 Prozent gesunken. Wickenhäuser: "Diesen Einkaufsvorteil müssen die Stromversorger jetzt an ihre gewerblichen Kunden weitergeben und nicht erst in zwei Jahren, wenn der Terminmarkt dies regulär vorsieht. Ihren Zinsverlust wird der Mittelstand durch seine vertragliche Treue ausgleichen."
Ebenfalls in der Pflicht sieht Wickenhäuser den Staat. Über 40 Prozent des Strompreises entfallen auf Steuern und Abgaben. Die Stromerzeugung selbst macht nur noch ein Fünftel aus. "Der Staat sollte zumindest übergangsweise auf einen Teil seiner Steuer- und Abgabeneinnahmen verzichten. So hilft er der gesamten Wirtschaft und nicht nur einzelnen Branchen. Auch braucht es europaweite Lösungen. Die isolierte Energiepolitik der Bundesregierung führt in die Sackgasse, wie die aktuelle Entwicklung zeigt."
Zur Umfrage:
An der Umfrage unter der wissenschaftlichen Leitung von Professor Karlheinz Zwerenz (Hochschule München) haben sich 900 Mitgliedsunternehmen des BDS Bayern aus allen Branchen der Wirtschaft beteiligt. Diese beschäftigen im Durchschnitt 16 Mitarbeiter und sind seit 30 Jahren am Markt. 21 Prozent sind Kapitalgesellschaften, der Rest Einzel- und Personenunternehmen.
Quelle und Kontaktadresse:
BDS-DGV Bund der Selbständigen - Deutscher Gewerbeverband, Landesverband Bayern e.V.
Pressestelle
Schwanthalerstr. 110, 80339 München
Telefon: (089) 540560, Telefax: (089) 5026493
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