Beschäftigte in der Gebäudereinigung wollen zwei Euro mehr pro Stunde / IG BAU-Tarifkommission stellt Forderung für kommende Verhandlungen auf
(Frankfurt am Main) - Zwei Euro mehr pro Stunde für alle Beschäftigten im Gebäudereiniger-Handwerk, das ist die Forderung der zuständigen Bundestarifkommission der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU) für die anstehenden Tarifverhandlungen. Für die unterste Lohngruppe, die auch der Branchenmindestlohn ist, beträgt der Stundenlohn dann 17 Euro, Glas- und Fassadenreiniger*innen würden nach erfolgreicher Verhandlung beispielsweise 20,40 Euro die Stunde verdienen. Die Laufzeit des neuen Tarifvertrages soll zwölf Monate betragen.
„Bewusst fordern wir einen Festbetrag, damit vor allem die unteren Lohngruppen angehoben werden. Die Beschäftigten leiden sehr unter der ansteigenden Inflation. Die Lebensmittelpreise, die Energiekosten, die Mieten und vieles andere mehr sind immens gestiegen, das reißt richtige Löcher in die Haushaltskassen“, sagt Ulrike Laux, im Vorstand der IG BAU zuständig für die Gebäudereinigung. Zudem erklärt die Gewerkschafterin, dass die Beschäftigten eine wichtige und harte Arbeit leisten. Sie seien zuständig für die Sauberkeit und damit auch für die Hygiene. „Sie sorgen in Büros, Schulen, Industriebetrieben und Krankenhäusern für saubere Arbeitsplätze und damit auch für die Gesundheit aller. Das kann gar nicht genug wertgeschätzt werden.“
Immer wieder äußerten die Arbeitgeber das Argument, so Laux weiter, dass es keine Lohnerhöhungen geben könne, weil die Kunden keine Preiserhöhungen akzeptierten. Sie verweist dabei auf die zu geringen Stundensätze, die Kunden für die Reinigung zahlten. „In anderen Handwerksbranchen sind mindestens 45 oder sogar über 60 Euro pro Stunde der Preis für die Ausführung der Leistung. In der Gebäudereinigung weniger als die Hälfte. Das ist ein Skandal.“ Auch die Firmen müssten ihren Beitrag leisten und die Beschäftigten an den erzielten Gewinnen beteiligen.
Das Gebäudereiniger-Handwerk ist mit über 29,5 Milliarden Euro Jahresumsatz ein bedeutender Wirtschaftszweig und mit rund 700.000 Beschäftigten das größte Handwerk in Deutschland. Etwa 500.000 bekommen lediglich den Branchenmindestlohn, ein Großteil von ihnen sind Frauen. In den Betrieben des Bundesinnungsverbandes sind rund 80 Prozent aller Beschäftigten angestellt. Der erste Verhandlungstermin ist am 9. September 2026, der derzeitige Tarifvertrag läuft Ende dieses Jahres aus.
Die Forderung wird zum internationalen Tag der Gebäudereinigung aufgestellt. Seit 36 Jahren demonstrieren am 15. Juni in vielen Ländern dieser Welt Beschäftigte in der Gebäudereinigung und im Sicherheitsdienst für Gerechtigkeit und faire Arbeitsbedingungen – auch in Deutschland. An diesem Tag machen sie Arbeitgeber, Kunden und die Öffentlichkeit aufmerksam auf die oft „unsichtbaren“ Arbeitskräfte. Mit Aktionen in Betrieben und in der Öffentlichkeit erinnern die Gewerkschaften an eine Demonstration von Reiniger*innen am 15. Juni 1990 in Los Angeles im Anschluss eines dreiwöchigen Streiks für bessere Arbeitsbedingungen. Die Demonstration wurde von Polizeikräften niedergeknüppelt, es gab zahlreiche Verletzte. Ein Gericht entschied später, dass die Ordnungsbehörde rund 3,5 Millionen Dollar an die Gewerkschaft SEIU (Service Employees International Union) zahlen musste, in der die Reiniger*innen organisiert waren. Der Streik war ein voller Erfolg, sie erkämpften eine 25-prozentige Lohnerhöhung.
Quelle und Kontaktadresse:
IG BAU - Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, Frank Tekkiliç, Leiter(in) Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Olof-Palme-Str. 19, 60439 Frankfurt am Main, Telefon: 069 95737-0
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