Bessere Arbeitsbedingungen für Schulleiter / BLLV-Präsident Wenzel fordert ein eigenständiges Berufsprofil für die rund 5500 Schulleiter/innen in Bayern / Idealismus darf nicht länger ausgebeutet werden
(München) - Der Beruf des Schulleiters wird mehr und mehr zum Stressjob. Vor allem Leiter/innen sogenannter Brennpunktschulen mit mehreren hundert Schülern/innen sind oftmals extremen Belastungen ausgesetzt.
Obwohl viele Schulleiterinnen und -leiter beinahe täglich mit sozialen Problemen konfrontiert sind und intervenieren müssen, um Eskalationen zu vermeiden, müssen sie zusätzlich Unterricht abhalten und sind nicht frei gestellt, kritisierte der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Klaus Wenzel. Viele Schulleiterinnen und -leiter verbringen einen Großteil ihrer Arbeitszeit mit Gesprächen, in denen sie Streit schlichten. Oftmals kommen diese Gespräche mit Schülern und Eltern spontan zustande. Sie kosten nicht nur Energie und Kraft, sondern erfordern ein hohes Maß an Professionalität. Die meisten Schulleiter/innen werden mit der Fülle ihrer Aufgaben nur deshalb fertig, weil sie sich in ihrem Idealismus und Engagement ausbeuten lassen. Der Beruf hat deutlich an Attraktivität eingebüßt, so dass es immer schwieriger wird, frei gewordene Stellen zu besetzen. Besonders schlimm ist die Situation an kleinen Schulen. Schulleiter verfügen dort nicht einmal über eine Verwaltungskraft, führen aber Klassen und sollen allen Erwartungen gerecht werden.
Dass die Anforderungen an die Berufsgruppe der rund 5500 Schulleiter/innen in Bayern in den vergangenen Jahren massiv angestiegen sind, bestreitet niemand. Auf eine Verbesserung ihrer Arbeitbedingungen warten die Schulleiterinnen und -leiter allerdings immer noch vergeblich, monierte Wenzel. Er forderte angesichts der Dauerbelastung, die Kompetenzen von Schulleiterinnen und -leitern rasch zu stärken.
Ohne massive Unterstützung lassen sich die vielen zusätzlichen Aufgaben nur noch auf Kosten der Gesundheit einer ganzen Berufsgruppe umsetzen. Wenzel erkannte an, dass die Mehrheitsfraktion im Bayerischen Landtag durch die Bereitstellung zusätzlicher Mittel für Verwaltungsangestellte ein wichtiges Signal gesetzt hat. Der BLLV erwartet nun, dass der größte Teil der neuen Verwaltungsangestellten im Bereich der Grund-, Haupt- und Förderschulen eingesetzt wird.
Das Anforderungsprofil von Schulleiterinnen und -leitern hat sich stark verändert. Im Mittelpunkt der Arbeit steht heute nicht mehr das bürokratische Abwickeln von Verwaltungsaufgaben, sondern ein komplexes Aufgabenfeld, das viel Fingerspitzengefühl und Stressresistenz erfordert. Die viele Zeit, die in die Konfliktberatung investiert werden muss, fehlt an anderer Stelle. Dennoch muss die tägliche Flut dienstlicher E-Mails bewältigt und eine Fülle pädagogischer und administrativer Aufgaben umgesetzt werden. Außerdem muss Sorge getragen werden für einen geordneten Schulbetrieb. Die Schule muss zudem nach Außen vertreten werden. Hinzu kommen viele weitere Aufgaben: In Grundschulen müssen Schulleiter/innen z.B. zusätzlich mit den Kindergärten zusammenarbeiten oder die Einrichtung von Sprachlernklassen und Mittagsbetreuung organisieren. In Hauptschulen muss besonders viel Zeit in Beratungsgespräche und Kooperationen mit Schulsozialarbeit, Jugendhilfe und Polizei investiert werden. An den Förderschulen bzw. -zentren müssen sich die Schulleiter/innen um den Einsatz Mobiler Sonderpädagogischer Dienste und Hilfen, um Kooperations- und Außenklassen, um die Zusammenarbeit mit Beratungsstellen und Schulen verschiedener Schulsprengel kümmern. Sie müssen daher beste Möglichkeiten zur aktiven Gestaltung von Schule im Dialog mit Eltern, Gemeinden und Schulverwaltung vorfinden.
Überfällig ist es aus Sicht des BLLV:
- ein eigenständiges Berufsbild und Qualifikationsprofil zu schaffen, - spezifische Aus- und Fortbildungen anzubieten, - deutlich mehr Leitungszeit zur Verfügung zu stellen, - das Unterrichtsdeputat deutlich zu senken, - mehr Verwaltungskräfte einzustellen, - deutlich bessere Gestaltungsbedingungen zu schaffen, - klare Kompetenzen auszuweisen und für eine - bessere Bezahlung und Statussicherheit zu sorgen.
Andernfalls wird es zunehmend schwieriger werden, freie Stellen wieder zu besetzen, erklärte Wenzel. Inzwischen hat sich bei der Lehrerschaft herumgesprochen, dass die Anforderungen, die heute an Schulleitung gestellt werden, jedes Maß vermissen lassen. Das bleibt nicht ohne Folgen. So lässt sich seit einigen Jahren in einigen Regionen Bayerns der Trend beobachten, dass sich auf freie Stellen nur noch ein Kandidat bewirbt, früher waren es deutlich mehr. Ein echtes Auswahlverfahren findet nicht mehr statt. Auch mussten freie Stellen mehrfach ausgeschrieben werden, weil sich kein Bewerber fand.
Immer noch wird die Tätigkeit von Schulleiterinnen und -leitern als bloße Zugabe zum Lehrerberuf angesehen. Schulleitung ist jedoch ein Hauptamt. Es definiert sich längst als eigenes Berufsbild, bekräftigte Wenzel. Weil das Gelingen von Schule entscheidend von der pädagogischen Gestaltungskompetenz der Schulleitungen, von ihren Arbeitsbedingungen und von ihrem dienstlichen Status abhängig ist, darf nicht länger gezögert werden, den Beruf endlich so zu stärken, wie es angemessen ist.
Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
Andrea Schwarz, Pressereferentin
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