Bewährtes fortführen / BBV-Präsidium gegen radikale Änderung der Zuckermarktordnung
(München) - Das Präsidium des Bayerischen Bauernverbandes lehnt die von EU-Kommissar Franz Fischler veröffentlichten Vor¬schläge zur Neuausrichtung der Zuckermarktordnung entschieden ab.
Für die Präsidiumsmitglieder bedeutet die schrittweise Senkung der Zuckerquoten um 16 Prozent und die Rübenmindestpreise um 37 Prozent sowie die Kürzung der Produktionsquoten um 2,8 Mio. Tonnen einen radikalen Eingriff in die bewährte Marktordnung.
Da die Einkommensverluste der Rübenbauern nur zu 60 Prozent ausgeglichen und die Produktionsquoten sogar entschädigungslos gekürzt würden, werde dadurch vielen Rübenbauern und Zuckerfabriken die wirtschaftliche Existenzgrundlage entzogen. In Bayern bauen 14 000 Landwirte Zuckerrüben an, betroffen wären auch die Arbeitsplätze in der vor- und nachgelagerten Wirtschaft.
Als Augenwischerei bezeichnet das Präsidium die Vorstellungen der EU-Kommission, dass Zucker dadurch für die Verbraucher bis zu 40 Prozent billiger werde. Tatsache sei, dass 80 Prozent des in der EU verbrauchten Zuckers in Verarbeitungsprodukten verzehrt werden, bei denen Zucker nur einen Bruchteil am Endpreis ausmacht. Der Bauernverband verweist in diesem Zusammenhang auf die Getreidepreise, die vor Jahren massiv abgesenkt wurden, Brot und Semmeln aber dadurch nicht billiger geworden seien.
Das BBV-Präsidium macht deutlich, dass es um eine sinnvolle Änderung der Zuckermarktordnung gehe, dies aber nicht mit starken Preis- und Quotensenkungen umgesetzt werden dürfe. Die vorgeschlagenen Maßnahmen bedeuteten nur, dass der Rübenzucker durch Rohrzucker verdrängt werde. Die europäische Rübenproduktion verursache zwar höhere Kosten als die Erzeugung von Rohrzucker in Brasilien. Jedoch werde in Brasilien Rohrzucker mit billigsten Arbeitskräften produziert ohne Rücksicht auf Natur, Umwelt und ein stabiles Lohnniveau, gibt der BBV zu bedenken.
Von den vorgeschlagenen Reformen profitierten lediglich die Zuckerbarone. Die Armut der Kaffeebauern zeige, was ein voll liberalisierter Markt anrichte. Im Übrigen seien die Vorschläge auch ein schwerer Schlag gegen die AKP-Staaten (Afrikanisch-Karibisch-Pazifik), die bislang Zucker zu garantierten Preisen in die EU liefern konnten, und gegen die 50 ärmsten Entwicklungsländer, weil sie durch die 33-prozentige Senkung des Interventionspreises massiv betroffen wären. Diese Abkommen wären praktisch hinfällig.
Das Präsidium fordert, die bestehende Zuckermarktordnung, deren Laufzeit ohnehin erst 2005/06 enden dürfe, jedenfalls bis zum Abschluss der WTO-Verhandlungen und der Klärung offener Fragen in Abkommen mit Entwicklungsländern fortzuführen.
Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer BauernVerband, Körperschaft des öffentlichen Rechts
Max-Joseph-Str. 9, 80333 München
Telefon: 089/558730, Telefax: 089/55873505
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