Bilanz des WSI-Tarifarchivs / Tarifrunde 2006: Unterschiede zwischen den Branchen wachsen Trendwende bei Stahl und Metall - Geringer Zuwachs bei Bau, Handel und öffentlichem Dienst
(Düsseldorf) - Die Tarifunterschiede zwischen den Wirtschaftszweigen werden größer. Während die exportorientierten Branchen im vergangenen Jahr Tarifsteigerungen oberhalb der Preissteigerungsrate zu verzeichnen hatten, blieben die Tarifzuwächse in den binnenmarktabhängigen Bereichen zum Teil weit darunter. Im gesamtwirtschaftlichen Durchschnitt sind die Tarifeinkommen der Beschäftigten in Deutschland im Jahr 2006 jahresbezogen um 1,5 Prozent gestiegen. Dies ergibt sich aus der Bilanz der Tarifpolitik des Jahres 2006, die das Tarifarchiv des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts in der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) heute (05. februar 2007) in Berlin vorlegt.
Die höchsten Zuwächse waren im Grundstoff- und Produktionsgütergewerbe mit einer Tarifsteigerung von 2,7 Prozent zu verzeichnen, gefolgt vom Investitionsgütergewerbe mit 2,4 Prozent und dem Kredit- und Versicherungsgewerbe mit 2,1 Prozent. Unterdurchschnittlich fiel die Tarifanhebung im Handel (0,9 Prozent), Baugewerbe (0,7 Prozent) und im Bereich Gebietskörperschaften/Sozialversicherung (0,5 Prozent) aus. "Es ist wichtig, dass die Ansätze einer Tarifwende in einzelnen Branchen stabilisiert und auf die gesamte Wirtschaft ausgeweitet werden", sagt der Leiter des WSI-Tarifarchivs, Dr. Reinhard Bispinck. "Andernfalls droht eine sozial und ökonomisch problematische Tarifspaltung."
Die Lebenshaltungskosten sind im Jahr 2006 durchschnittlich um 1,7 Prozent, die Arbeits-Produktivität um 1,8 Prozent gestiegen. Der daraus resultierende Verteilungsspielraum von 3,5 Prozent wurde von den Tarifabschlüssen insgesamt nicht ausgeschöpft. Bei den effektiven Bruttoeinkommen je Arbeitnehmer sieht die Entwicklung noch schwächer aus: Sie sind im vergangenen Jahr nominal lediglich um 0,7 Prozent gestiegen. Real sind die Einkommen also um 1 Prozent gesunken.
Insgesamt schlossen die DGB-Gewerkschaften in Deutschland im vergangenen Jahr Lohn- und Gehaltstarifverträge für rund 9,7 Mio. Beschäftigte ab, darunter etwa 8,3 Mio. in den alten und 1,4 Mio. in den neuen Bundesländern. Für rund 90 Prozent dieser Beschäftigten gab es Tarifabschlüsse mit verzögerter Anpassung der Lohn- und Gehaltserhöhungen. Als Ausgleich vereinbarten die Gewerkschaften für die meisten davon betroffenen Beschäftigten Pauschalzahlungen. Diese betrugen durchschnittlich 60 Euro (West: 61 Euro, Ost: 48 Euro) im Monat. Die Laufzeit der Verträge beläuft sich durchschnittlich auf 22,1 Monate (2005: 25,7). Für weitere 4,2 Mio. Beschäftigte traten im Jahr 2006 Erhöhungen in Kraft, die bereits 2005 oder früher vereinbart worden waren.
In den neuen Bundesländern hat sich das Tarifniveau im Vergleich zum Westen gegenüber dem Vorjahr um gut einen halben Prozentpunkt erhöht. Das Tarifniveau Ost/West betrug Ende 2006 bezogen auf die tariflichen Grundvergütungen 95,1 Prozent gegenüber 94,6 Prozent zum Ende des Vorjahres.
Im laufenden Jahr stehen neben den Verhandlungen in der Chemie- und Metallindustrie auch Lohnrunden im Bauhauptgewerbe, im Einzel- und Großhandel, in der Druckindustrie, in der Holz- und Kunststoffindustrie und im Kfz-Gewerbe auf der Tagesordnung. "Gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Situation, in der die Binnenkonjunktur spürbare Impulse braucht, ist es unerlässlich, dass alle Beschäftigten gleichermaßen am wirtschaftlichen Aufschwung teilhaben", so Tarifexperte Bispinck. "Die Abschlüsse bei Chemie und Metall können dafür als Orientierung dienen."
Quelle und Kontaktadresse:
Hans-Böckler-Stiftung
Pressestelle
Hans-Böckler-Str. 39, 40476 Düsseldorf
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