Bildungssparen ist Konzept für gehobene Mittelschicht / Bildungsgewerkschaft schlägt Erwachsenen-BAföG vor
(Frankfurt am Main/Berlin) - Das vorgelegte Bildungsspar-Modell greift viel zu kurz: Weiterbildung für alle Menschen lässt sich nicht allein mit diesem Instrument fördern, sagte Ulrich Thöne, Vorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), mit Blick auf das heute (13. Juni 2007) im Kabinett vorgelegte Eckpunktepapier zum Bildungssparen. Das ist ein Programm für die gehobene Mittelschicht. Vor allem Geringqualifizierte und Niedriglöhner bleiben außen vor. Sie müssen ihre ohnehin geringen Ersparnisse für die Altersvorsorge einsetzen. Die Förderung der Vermögensbildung und groß angelegte Darlehensprogramme gehen an der Lebenswirklichkeit vieler Menschen vorbei.
Den Anspruch, Weiterbildung zur vierten Säule des Bildungssystems auszubauen, werde Schwarz-Rot mit dem Drei-Komponenten-Konzept verfehlen, erklärte Thöne: Hierfür brauchen wir ein viel umfassenderes Konzept. Der GEW-Vorsitzende wies darauf hin, dass die Expertenkommission Finanzierung lebenslangen Lernens bereits im Sommer 2004 im Auftrag des Bildungsministeriums vernünftige Vorschläge gemacht habe.
Thöne schlug vor allem die Einführung eines Erwachsenen-BAföGs vor: Nicht nur Manager haben das Recht auf lebenslanges Lernen. Wir müssen viel mehr Menschen gerade auch mit niedrigen Abschlüssen, Arbeitslose, Alleinerziehende und Migranten - für die Weiterbildung gewinnen. Sie brauchen diese Qualifikation als Grundlage, um sich in Gesellschaft und Beruf zu integrieren. Die Gesellschaft benötige immer mehr qualifizierte Menschen. Ohne solide finanzielle Unterstützung sei dieses Ziel jedoch Makulatur.
Die so genannte Weiterbildungsprämie ist nach Auffassung der GEW ungenügend. Mit maximal 154 Euro lassen sich nur Kleinstmaßnahmen finanzieren. Insbesondere aufwändigere Fortbildungen sind für die Menschen nicht zu bezahlen, sagte Thöne.
Bisher seien sämtliche Versprechen, die Weiterbildung zur vierten Säule weiter zu entwickeln, Lippenbekenntnisse geblieben. Der nationale Bildungsbericht 2006 zeige: Immer weniger Menschen nehmen an beruflicher und allgemeiner Weiterbildung teil - und zwar in allen Qualifikationsgruppen.
Unternehmen und Staat ziehen sich weitgehend aus der Finanzierung von Weiterbildung zurück. Seit 2000 haben Bund, Länder und Kommunen ihre Ausgaben um satte 332 Millionen Euro (21,5 Prozent) reduziert. Diesen Trend müssen wir umkehren. Mit einer umfassenden Offensive für die Weiterbildung.
Wir brauchen ein Recht auf Weiterbildung, unterstrich Thöne.
Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Ulf Roedde, Pressesprecher
Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201
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