Pressemitteilung | Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth (IHK)
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Billigimporte aus China wachsen exponentiell

(Bayreuth) - Die Zahl der Kleinsendungen aus China nach Bayern ist in den vergangenen Jahren exponentiell gestiegen. Seit 2023 ist der Wert dieser Sendungen auf das Siebenfache angewachsen, macht Steffen Tropitzsch deutlich, Vorsitzender des Außenhandelsausschusses der IHK für Oberfranken Bayreuth. Dazu zählen vor allem Online-Einkäufe bei Plattformen wie Temu, Shein oder AliExpress.

Die vom Bayerischen Landesamt für Statistik veröffentlichten Importzahlen sprechen eine deutliche Sprache: 81 Prozent aller Kleinsendungen im sogenannten Extrahandel kamen 2025 nach aktuellen Berechnungen der IHK für Oberfranken Bayreuth aus China. Während 2022 Waren im Wert von 22,1 Millionen Euro importiert wurden, stieg der Wert 2023 auf 55,9 Millionen Euro, 2024 auf 195,1 Millionen Euro und 2025 bereits auf 400,0 Millionen Euro. Das entspricht einem Anstieg von 616 Prozent seit 2023.

Warenwert wohl in zwei Dritteln aller Fälle zu niedrig angegeben

Die amtlichen Zahlen sind aber nur die Spitze des Eisbergs, warnt Tropitzsch. Nach Schätzungen der EU-Kommission wird bei rund zwei Dritteln der Pakete der Warenwert zu niedrig angegeben, um Zollgebühren zu umgehen. Tag für Tag erreichen demnach 12 bis 13 Millionen solcher Pakete die EU.

IHK: Brauchen faire und einheitliche Wettbewerbsbedingungen!

Bisher können Pakete mit einem Warenwert bis 150 Euro zollfrei eingeführt werden. Das führt dazu, dass größere Bestellungen oft in mehrere Pakete aufgeteilt werden oder auch ein zu niedriger Warenwert deklariert wird. So werden Zollkosten umgangen, teilweise auch Einfuhr- beziehungsweise Umsatzsteuer nicht oder nur teilweise beglichen.

"Es kann nicht sein, dass so vielfach europäische Sicherheits-, Marken-, Sozial- und Umweltstandards umgangen werden", so Petra Dierck, Vorsitzende des Handelsausschusses der IHK für Oberfranken Bayreuth. "All das benachteiligt unsere Unternehmen, die sich an Recht und Gesetz halten."

Chinesische Plattformen vertreiben Plagiate oberfränkischer Produkte

Dass diese Handelsplattformen nicht nur vorgeschriebene Standards umgehen, sondern auch Plagiate in den Umlauf bringen, musste auch Carolin Schuberth feststellen, Gründerin und Geschäftsführerin der waschies GmbH in Kulmbach. "Auf diese Plagiate wurden wir durch Reklamationen unserer Kunden aufmerksam, als sie unsere vermeintlichen Produkte aufgrund mangelhafter Qualität reklamierten. Erst im Zuge dieser Beschwerden konnten wir nachvollziehen, dass es sich um Fälschungen handelt, die über Drittanbieter auf Plattformen wie Temu vertrieben wurden", so Schuberth. "Besonders problematisch ist, dass wir häufig erst dann von diesen Fällen erfahren, wenn enttäuschte Kunden mit einem gefälschten Produkt zum Originalhersteller kommen. Der entstandene Imageschaden trifft jedoch unser Unternehmen."

Und Schuberth weiter: "In Werbeanzeigen, die über die Plattform Meta geschaltet wurden, haben wir festgestellt, dass sowohl unser eingetragener Markenname als auch teilweise unsere Produktbilder verwendet wurden." Schuberth ist deswegen bereits mehrfach gegen die Werbeanzeigen auf Social-Media-Plattformen und damit gegen die betreffenden Temu-Händler vorgegangen.

Stichproben - unter anderem von der Stiftung Warentest - zeigen, dass ein Großteil dieser Produkte nicht den EU-Sicherheitsstandards entspricht und teilweise sogar gefährlich ist. Das stellt nicht nur einen Wettbewerbsnachteilnachteil dar, sondern auch ein potenzielles Risiko für Verbraucher, so Dierck. Die IHK für Oberfranken Bayreuth fordert deshalb, dass Online-Marktplätze stärker in die Verantwortung genommen werden.

Vollständige Zollpflicht muss zeitnah umgesetzt werden!

Ab Juli 2026 soll jedes Paket mit einem Warenwert bis 150 Euro mit einer Abgabe von drei Euro für jede Warenkategorie belegt werden. Die IHK begrüßt diesen Schritt, fordert aber eine schnellere und umfassendere Lösung, wie sie auch für heimische Unternehmen gilt: " Wir brauchen gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle. Die darüber hinaus geplante vollständige Zollpflicht ab dem ersten Euro ist ein erster Schritt, macht Dr. Johanna Horzetzky, Teamleiterin International, die Position der IHK deutlich. Wichtig sei in diesem Zusammenhang das geplante Zollsystem, das Einfuhren zentral erfassen und Missbrauch automatisiert erkennen soll. So soll es möglich sein, minderwertige und potenziell gefährliche Waren künftig besser herauszufiltern."

Billigimporte setzen stationären Handel zusätzlich unter Druck

Die Folgen für den Einzelhandel seien längst spürbar, vor allem bei Textil-, Deko- und Kleinartikeln, macht Dierck deutlich. Inhabergeführte Geschäfte könnten aufgrund von Steuern, Auflagen, Energie-, Miet- und Personalkosten strukturell oft nicht mehr mithalten. "Ladenschließungen und letztendlich eine Verödung der Innenstädte drohen, macht Dierck deutlich. "Kurzfristig profitieren Verbraucher sicher vom vermeintlich niedrigen Preis. Langfristig besteht aber die Gefahr, dass sich Preiswahrnehmung und Konsumgewohnheiten zulasten von Qualität, Beratung und Regionalität verändern." Der oberfränkische Handel fürchte den Wettbewerb nicht. "Derzeit besteht aber kein Wettbewerb auf Augenhöhe", macht Schuberth deutlich.

Mit Initiativen wie dem Zukunftshändler unterstützt die IHK für Oberfranken Bayreuth den regionalen Einzelhandel und setzt sich für faire Bedingungen ein. Nur so können wir die Attraktivität unserer Innenstädte erhalten und den Wettbewerb gerecht gestalten, so Dierck.

Quelle und Kontaktadresse:
Industrie- und Handelskammer für Oberfranken Bayreuth (IHK), Peter Belina, Leiter(in) Kommunikation, Bahnhofstr. 23-27, 95444 Bayreuth, Telefon: 0921 886-0

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