Blick durch die rosarote Brille trübt Wahrnehmung der Fakten / Bildungsgewerkschaft: Reaktion auf Bericht der Stuttgarter Zeitung über PISA-Studie
(Frankfurt am Main) - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat die Verantwortlichen im Bildungsbereich davor gewarnt, die PISA-Ergebnisse durch die rosarote Brille zu sehen. Lehrkräften, Schülern und Eltern hilft es nur, wenn die Fakten ohne Scheuklappen zur Kenntnis genommen werden. Wer ernsthaft Konsequenzen ziehen will, muss die Diskussion ohne Tabus führen. Wenn die Daten der `Stuttgarter Zeitung´ korrekt sind, haben sich die Kompetenzen der 15Jährigen in Deutschland weder in Lesen noch in Mathe wesentlich verbessert. Hätten die Kultusminister seit dem PISA-Debakel von 2001 bei der Leseförderung den gleichen Eifer entwickelt wie bei der Perfektionierung der Auslese in der Schule, der Verkürzung der Schulzeit oder der explosionsartigen Vermehrung von Tests, könnten sich deutsche Schüler heute über einen Leistungsschub beim Lesen freuen, sagte GEW-Vize Marianne Demmer am Sonntag (2. Dezember 2007) in Frankfurt a.M. Sie wies darauf hin, dass Lesekompetenz die wichtigste Basisqualifikation für eine erfolgreiche Bildungs- und Berufsbiografie sei.
Demmer befürchtet, dass das Kardinalproblem des deutschen Bildungswesens, die starke Abhängigkeit des Bildungserfolges der Kinder vom sozialen Status und Geldbeutel der Eltern, auch durch die neue PISA-Studie bestätigt werde. Dieses Problem hatte die in der vergangenen Woche vorgestellte Grundschulleistungsstudie IGLU noch einmal deutlich gemacht. Deshalb müssen wir den von mehreren Bundesländern bereits eingeschlagenen Weg, der möglichst frühen Bildung aller Jungen und Mädchen in Kindertagesstätten konsequent weiter verfolgen. In den Schulen muss endlich mit der individuellen Förderung aller Schülerinnen und Schüler Ernst gemacht werden. Dafür muss die Politik einen verlässlichen Rahmen schaffen. Sie muss die Schulen strukturell so gestalten und materiell sowie personell so ausstatten, dass diese Lehr- und Lernprozesse qualitativ weiter entwickeln können. Solange die Kinder mit zehn Jahren allerdings in unterschiedlich anspruchsvolle Schulformen sortiert werden, wird dies vor allem in Hauptschulen nur unvollständig gelingen. So sehr das Lechzen der Kultusminister nach positiven Schlagzeilen verständlich ist vor dem Jubeln müssen sie ihre Hausaufgaben machen, betonte Demmer.
Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
Ulf Roedde, Pressesprecher
Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main
Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201
Weitere Pressemitteilungen dieses Verbands
- GEW: „Qualität in Kitas nicht leichtfertig verspielen“ / Bildungsgewerkschaft zur Studie „Regionale Disparitäten in der Fachkraft-Quote von KiTa-Teams“
- GEW zum Positionspapier des Wissenschaftsrats zu Personalstrukturen
- GEW: „130 Milliarden Euro für Bildung!“ / Bildungsgewerkschaft zur Abstimmung im Bundeskabinett über die Einrichtung des Sondervermögens Infrastruktur und Klimaneutralität
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen

