Pressemitteilung | Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
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BLLV fordert neues Berufsprofil für Schulleiter / Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband veranstaltet internationales Symposium / Präsident Albin Dannhäuser: „Schulleiter/innen brauchen mehr Leitungszeit“

(München) - Schulleitung in Bayern braucht ein neues Profil. Im Mittelpunkt der Arbeit der rund 5500 Schulleiter/innen im Freistaat steht nicht mehr die reibungslose Verwaltung, sondern die aktive Gestaltung von Schule im Dialog mit Eltern, Gemeinden und Schulverwaltung. Bei einem vom Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) in München veranstalteten Symposium „Die professionelle Kompetenz eines Schulleiters“ forderte BLLV-Präsident Albin Dannhäuser ein eigenständiges Berufsbild und Qualifikationsprofil für Schulleiter/innen: „Die Tätigkeit von Schulleiterinnen und -leitern ist keine bloße Zugabe zum Lehrerberuf. Schulleitung ist ein Hauptamt.

Es definiert sich als eigenes Berufsbild.“ Die Frage der professionellen Kompetenz von Schulleitern ist eine zentrale Frage für die Schulen, denn das Gelingen von Schule hängt entscheidend ab von der pädagogischen Gestaltungskompetenz der Schulleitungen, von ihren Arbeitsbedingungen und von ihrem dienstlichen Status. „Andere Länder machen uns bereits vor, welche Qualifikationen modernes Schulmanagement erfordert und wie sie umzusetzen sind“, erklärte Dannhäuser. Der BLLV lud daher Experten aus Österreich, Irland, Israel und den USA ins Münchner Goethe Forum.

Der BLLV forderte eine spezifische Aus- und Fortbildung sowie mehr Leitungszeit, eine deutliche Senkung des Unterrichtsdeputats und mehr Verwaltungskräfte.

Das Verständnis von Führung in der Schule hat sich in den vergangenen Jahren erheblich gewandelt. „Im Mittelpunkt steht nicht mehr der reibungslose Vollzug ministerieller Anordnungen, sondern vor allem die ‚pädagogische Führung’ im Sinne von selbstverantwortlicher Gestaltung von Schule im Dialog mit Schülern, Eltern, mit Schulträgern und Schulaufsicht“, stellte Dannhäuser fest. Um dies leisten zu können, brauchen Schulleiter/innen entschieden mehr Leitungszeit. Die steht den Schulleiterinnen und -leitern jedoch immer weniger zur Verfügung: „Sie werden von der Last immer weiterer Aufgaben und perfektionistischer Verwaltungsvorstellungen geradezu erdrückt.“ Einerseits sind sie verpflichtet, sehr viele Stunden selbst zu unterrichten. Andererseits müssen sie eine Fülle von Verwaltungsaufgaben technisch selbst abwickeln. „Was Schulleiterinnen und -leitern neben ihrer Leistungsaufgabe zugemutet wird, grenzt an Ausbeutung - die Probleme sind massiv.“ In Grundschulen ist es aktuell z.B. die Kooperation mit den Kindergärten, in den Hauptschulen die Konfliktberatung mit der Schulsozialarbeit, in den Förderschulen die Koordination mit den Diagnose- und Förderklassen, mit Kooperations- und Außenklassen. „Es gibt kaum einen Beruf, in dem so viele unterschiedliche Tätigkeiten gleichzeitig wahrgenommen werden müssen.“

Statt Schulleiter mit ständig neuen Aufgaben zu konfrontieren, sollte vielmehr an einem neuen Berufsprofil gearbeitet werden: Ideal wären Schulleiter/innen, die für diese Aufgabefülle entsprechend ausgebildet sind und vor allem keinen Unterricht halten müssen. „Derzeit ist ihre Lage mehr als unbefriedigend, weil sie keiner der zahlreichen Aufgaben wirklich gerecht werden können. Auch bereiten die bislang angebotenen Fortbildungsmaßnahmen nicht angemessen auf das komplexe Aufgabenfeld eines Schulleiters vor“, gab Dr. Dieter Poschardt von der Erziehungswissenschaftlichen Fakultät Erlangen-Nürnberg zu bedenken. „Es ist paradox, gerade diejenigen Lehrer/innen für eine Leiterfunktion auszuwählen, die hoch professionellen Unterricht halten können, um sie dann mit Verwaltungsaufgaben zu konfrontieren, auf die sie nicht fundiert genug vorbereitet wurden. Über das derzeitige Angebot eines einzigen Kurzlehrgangs ist wohl niemand glücklich.“ Poschardt ermunterte die Bayerische Staatsregierung, sich auf internationaler Ebene
umzuschauen: „In den USA ist Schulleitung ein eigenständiger Beruf mit eigenständiger Ausbildung. Prof. Stephen Keith von der Longwood University, Virginia, bestätigte dies: „Bei uns müssen Schulleiter ihre Ausbildung im Rahmen eines WeiterbildungsMasters selbst finanzieren und können sich erst danach um eine Stelle bewerben.“ Poschardt sieht darin einen möglichen Weg zur echten Professionalisierung von Schulleitern, allerdings müssen sich dann auch Gehalt und Arbeitsbedingungen entsprechend verändern.

„Schulleiter/innen sind pädagogische Führungskräfte“, stellte Ellonora Feichtner vom Pädagogischen Institut des Bundes in Oberösterreich, Linz, klar. Der österreichische Weg zur Weiterentwicklung der Kompetenzen sieht vor, dass Schulleiter/innen durch ein mehrstufiges Auswahlverfahren mit Assessment Center ausgewählt werden, anschließend verpflichtend einen viersemestrigen Schulmanagementlehrgang besuchen und diesen mit einer Projektarbeit abschließen. 2004 hat Frau Bundesministerin Elisabeth Gehrer zur Weiterbildung von Schulleiterinnen und Schulleitern und von Führungspersonen aus dem Bereich der Schulverwaltung ein Österreich weites und Institutionen übergreifendes Projekt ins Leben gerufen: die Leadership Academy. Gegenstand ist die praxisorientierte Vermittlung eines modernen Führungsverständnisses.

Koby Gutterman, Berater des israelischen Erziehungsministers, berichtete, wie stark das Ministerium derzeit bei der Form der Auswahl und des Trainings von Schulleitern engagiert ist. „Auch in Israel läuft eine intensive Reformdebatte über ein neues Training für Schulleiter, bei der vor allem ökonomische und politische Gründe eine wichtige Rolle spielen. Auch Israel überlegt den Aufbau eines Master-Studiengangs für Schulleiter.“

Helen O Sullivan aus Irland betonte ebenfalls, „dass Schulleitung heute sehr spezifische Kenntnisse, Fähigkeiten und professionelle Kompetenz erfordert, um Schulen in einer sich ständig verändernden Wirklichkeit auf Kurs zu halten.“

Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV) Andrea Schwarz, Pressereferentin Bavariaring 37, 80336 München Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155

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