Pressemitteilung | Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
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BLLV zieht bildungspolitische Halbzeitbilanz: „Es gibt noch sehr viel zu tun!“ / BLLV-Präsident Albin Dannhäuser fordert enorme Anstrengungen für Schüler, die sozial benachteiligt sind, Klassen wiederholen und keinen Schulabschluss erreichen

(München) - Zur Halbzeit der Legislaturperiode des bayerischen Landtags hat der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV) eine bildungspolitische Zwischenbilanz gezogen. Dannhäuser bestätigte dem Landtag und der Staatsregierung einige spürbare Verbesserungen wie z. B. ein nahezu 100prozentiges Betreuungsangebot in Kindergärten, den Zuwachs an Lernkompetenzen in Mathematik bei den 15-jährigen und eine leichte Reduzierung der Zahl der Schüler ohne Schulabschluss. Er beklagte aber das Schneckentempo bei der Umsetzung vordringlicher Maßnahmen wie die Schaffung von Krippenplätzen, die Verringerung der Zahl der Wiederholungsschüler und den schleppend vorangehenden Ausbau der Ganztagsschulen. Scharf kritisierte er die Verschlechterung der Lern- und Arbeitsbedingungen an den Schulen, die erneute Erhöhung der Lehrerarbeitszeit und die Tatsache, dass die Zahl der Jugendlichen ohne Berufsausbildung von 17 Prozent auf 31 Prozent gestiegen ist. „Wenn wir den Bedarf an schulischen Verbesserungen und die Ankündigungen der Staatsregierung zu Beginn der Legislaturperiode vergleichen, müssen wir festhalten: es gibt noch sehr viel zu tun!“.

Zu Beginn der Legislaturperiode im Herbst 2003 hatte sich der BLLV als größte unabhängige bildungspolitische Kraft in Bayern auf Grund der Befunde der PISA-Studie mit klaren schul- und bildungspolitischen Zielsetzungen an Landtag und Staatsregierung gewandt. Zweieinhalb Jahre später sehen Bayerns Pädagogen immer noch enorme Probleme und sind zum Teil mit massiven Verschlechterungen konfrontiert – auch wenn sich in einigen Feldern leichte Verbesserungen abzeichen.

So könnte die Staatsregierung durchaus das Ziel erreichen, die Zahl der Schüler ohne Abschluss bis zum Ende der Legislaturperiode mindestens zu halbieren, wie es der BLLV gefordert hatte. Während 2003 die Zahl der Schüler ohne Abschluss bei 10,4 Prozent lag, ist sie bis heute auf 8,4 Prozent gesunken. Dannhäuser: „Für den BLLV hat ein erfolgreicher Schulabschluss für möglichst alle Schüler absolute Priorität.“ Erfreulich ist auch, dass die Zahl der Schüler, die den mittleren Abschluss an Hauptschulen erwerben, innerhalb von zwei Jahren um 4,1 Prozent auf 7,3Prozent gesteigert werden konnte. Leicht angestiegen ist auch die Zahl der Schüler mit Hochschulreife (+ 1,1 Prozent) bzw. Fachhochschulreife (+ 1,1 Prozent). Auf der positiven Seite verbucht der BLLV auch die große Selbständigkeit der Schulen durch das flächendeckende Angebot aus den Erfahrungen der sog. „Modus 21 Schulen“ zur Entwicklung spezifischer Schulprofile.

Entschiedeneres Handeln erwartet der BLLV vor allem, um die Zahl der Schüler, die eine Klasse wiederholen müssen, zu senken. Derzeit wiederholen immer noch 53.000 Schüler pro Schuljahr eine Klasse. „Die Kosten belaufen sich etwa auf 210 Mio. Euro pro Schuljahr“, kritisierte Dannhäuser. Die Bildungsbeteiligung von Kindern aus sog. Arbeitermilieu hat sich um ein Viertel erhöht. „Nach wie vor ist aber der Zusammenhang von sozialer Herkunft und Bildungsbeteiligung so hoch, dass inzwischen sogar die UNO darauf aufmerksam geworden ist.“

Mädchen mit Migrationshintergrund haben sich zwar bei Erreichen eines Schul-abschlusses um drei Prozentpunkte verbessert, allerdings liegt der Anteil derjenigen, die ohne Abschluss die Schule verlassen, insgesamt immer noch bei
31 Prozent. Dannhäuser: „Das ist unerträglich und unverantwortlich.“ In scharfer Form prangerte er an, dass mit einem Federstrich rund 350 (Teil)-Hauptschulen aufgelöst wurden und in den nächsten zwei Jahren weitere 300 aus der Schullandschaft verschwinden sollen. Dannhäuser stellte die Frage, wie sich dieser Kahlschlag mit dem Programm der CSU-Landtagsfraktion zur „Stärkung des ländlichen Raums“ vertrage. Die Belastung im Lehrerberuf hat sich in den letzten Jahren deutlich erhöht.
Obwohl der Lehrerberuf physisch und psychisch außerordentlich belastend ist, hat die Staatsregierung die Unterrichtspflichtzeit der Lehrerinnen und Lehrer innerhalb von zehn Jahren zum dritten Mal erhöht.
Gleichzeitig explodieren die Klassenstärken an Realschulen und Gymnasien, an allen Schularten türmt sich der Verwaltungsaufwand immens auf. Der BLLV-Präsident bemängelte, dass Präventivmaßnahmen zur Erhaltung der Lehrergesundheit bislang nur angedacht wurden. Zwar hat sich der bayerische Landtag wiederholt mit der Arbeitsbelastung an Schulen befasst, konkrete Maßnahmen sind bisher jedoch ausgeblieben.
„Auch wenn die Anzahl krankheitsbedingter Pensionierungen zurückgegangen ist, darf dies nicht darüber hinweg täuschen, dass die Rechnung dafür die Lehrerinnen und Lehrer bezahlen. Durch vermehrte Altersteilzeit und freiwilligen Vorruhestand nehmen sie erhebliche finanzielle Einbußen in Kauf.“

Dannhäuser appellierte an die Staatsregierung, endlich ausreichende und konkrete Maßnahmen zu ergreifen, um die soziale Benachteiligung in Bayern abzu-bauen, Lern- und Arbeitsbedingungen an allen Schulen deutlich zu verbessern, die pädagogische Arbeit wirksamer zu unterstützen und die Bildungsfinanzierung zu sichern.

Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV) Andrea Schwarz, Pressereferentin Bavariaring 37, 80336 München Telefon: (089) 7210010, Telefax: (089) 7250324

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