Branchenbündnis warnt vor Ende des Cyberschutzes bei Kraftfahrzeugen nach zehn Jahren
(Berlin) - Der Schutz vor Cyber-Angriffen im Auto darf kein Ablaufdatum haben. Ein breites Branchenbündnis um den Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK) fordert daher, Cybersicherheit über die gesamte Nutzungsdauer von Fahrzeugen verbindlich als Teil der Betriebssicherheit zu gewährleisten. Anlass ist die Debatte um ein mögliches Ende der Wartung von Cyber-Sicherheitssystemen („End of Cybersecurity-Support“, EoCSS): Deutsche Hersteller planen, nach zehn Jahren keine Updates mehr bereitzustellen.
„Ein festes Ablaufdatum für Cybersicherheit wäre ein sicherheitspolitischer Rückschritt mit weitreichenden Folgen für Verkehrssicherheit und Verbraucherschutz“, erklärt ZDK-Präsident Thomas Peckruhn. „Fahrzeuge sind heute digital vernetzte Systeme – ihre Sicherheit endet nicht mit einem Stichtag. Wer Cybersecurity befristet, setzt Autofahrer vermeidbaren Risiken aus und untergräbt das Vertrauen in moderne Mobilität. Sicherheit darf kein Verfallsdatum haben!“
Hinter der Initiative steht eine Allianz entlang der automobilen Wertschöpfungskette im Aftermarket: Neben dem ZDK engagieren sich der ADAC als Stimme der Autofahrer, der Bundesverband Reifenhandel und Vulkaniseur-Handwerk (BRV), der Wirtschaftsverband der deutschen Kautschukindustrie (wdk), der Bundesverband Autoglaser sowie der Gesamtverband Autoteile-Handel (GVA). Gemeinsam bündeln sie Verbraucherschutz, Pannenhilfe, Werkstattpraxis, Teileversorgung und technische Expertise.
Für sie steht fest: Ohne diskriminierungsfreien Zugang zu Fahrzeugdaten und ohne verlässliche Cybersecurity werden Wettbewerb, Reparierbarkeit und bezahlbare Mobilität zunehmend eingeschränkt. Die Folgen treffen Verbraucher und Kfz-Betriebe unmittelbar – mit steigenden Kosten, eingeschränkten Reparaturmöglichkeiten und wachsender Abhängigkeit von Herstellern.
Klare Ablehnung der VDA-Pläne für ein Support-Ende
Entschieden zurückgewiesen wird die vom Verband der Automobilindustrie (VDA) vorgeschlagene Einführung eines verbindlichen „EoCSS“ im Rahmen der UN-Regelung Nr. 155. Ein regulatorisch akzeptiertes Ende aktiver Cybersecurity-Maßnahmen für Fahrzeuge, die weiter am Straßenverkehr teilnehmen, hält das Branchenbündnis in einem gemeinsamen Positionspapier für nicht verantwortbar.
„Ein Ende der Updates für Cybersicherheit in Kraftfahrzeugen würde Millionen Fahrzeuge über Nacht entwerten – nicht technisch, sondern per Definition“, so Peckruhn. „Das trifft die Halter direkt im Geldbeutel, da kostspielige Aufrüstungen der digitalen Hardware erforderlich wären, um weiterhin angemessen geschützt zu sein. Dieses Vorgehen entzieht gerade Freien Werkstätten die Grundlage für Service und Reparatur.“
Cybersicherheit darf nicht befristet werden
Die praktischen Folgen wären gravierend: Fahrzeuge könnten trotz technischer Fahrtauglichkeit ihre Betriebserlaubnis verlieren oder nur noch eingeschränkt nutzbar sein. Sicherheitsrisiken nähmen zu, während gleichzeitig Wartung und Instandsetzung erschwert würden. „Wenn Updates ausbleiben, wird aus einem sicheren Fahrzeug schleichend ein Risiko – für Fahrer, Betriebe und den gesamten Verkehr“, warnt Peckruhn.
Die Verbändeallianz fordert stattdessen einen risikobasierten, lebensdauerorientierten Ansatz: Cybersecurity muss auch über das Produktionsende hinaus gewährleistet bleiben und die Realität eines alternden Fahrzeugbestands sowie eines starken Gebrauchtwagenmarkts abbilden. Gerade in Deutschland mit seinem großen Bestand älterer Fahrzeuge sei das entscheidend für Versorgungssicherheit, Nachhaltigkeit und soziale Teilhabe an Mobilität.
„Digitalisierung darf nicht dazu führen, dass Fahrzeuge faktisch frühzeitig aus dem System gedrängt werden“, so Peckruhn abschließend. „Cybersecurity muss über den gesamten Lebenszyklus eines Fahrzeugs gewährleistet sein – als integraler Bestandteil von Typgenehmigung, Betriebserlaubnis und Verbraucherschutz. Alles andere untergräbt Vertrauen, verteuert Mobilität und gefährdet die Sicherheit auf unseren Straßen.“
Quelle und Kontaktadresse:
Zentralverband Deutsches Kfz-Gewerbe (ZDK), Andreas Cremer, Pressesprecher(in), Franz-Lohe-Str. 21, 53129 Bonn, Telefon: 0228 91270
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