BVMed fordert umfassende Infektionsschutz-Strategie
(Berlin) - Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) fordert in einem neuen Faktenpapier eine umfassende und sektorenübergreifende Infektionsschutz-Strategie. „Wir müssen Folgeschäden nach stattgefundener Infektion und auch Folgekosten vermeiden. Nosokomiale Infektionen und Antibiotika-Resistenzen können nur mit einer umfassenden Strategie zum Infektionsschutz verringert werden“, so BVMed-Geschäftsführer und Vorstandsmitglied Dr. Marc-Pierre Möll.
„Ohne ein effektives strategisches Vorgehen im Bereich Infektionsschutz wird Deutschland nach OECD-Schätzungen für Infektionen durch zum Beispiel antibiotikaresistente Erreger jedes Jahr bis 2050 bis zu 144 Millionen Euro aufwenden müssen“, warnt der BVMed in dem Faktenpapier, das unter www.bvmed.de/positionen heruntergeladen werden kann. Die Mehrkosten entstehen unter anderem durch direkte Krankheitskosten wie eine hohe Mortalität, aber auch indirekt durch längere Aufenthalte in stationären Einrichtungen.
In Deutschland sind jährlich über 700.000 Patient:innen von nosokomialen Infektionen (NI) betroffen, bis zu 20.000 Menschen versterben daran jährlich – Tendenz steigend. Durch zunehmende Antibiotika-Resistenzen steigt das Risiko weiter. Eine Infektion verlängert die Krankenhausverweildauer um durchschnittlich 5 Tage und verursacht zusätzliche Kosten für das Gesundheitssystem in Höhe von bis zu 20.000 Euro pro Fall. Hinzu kommen die volkswirtschaftlichen Auswirkungen auf die Erwerbsbeteiligung.
„Wir brauchen eine klar definierte Strategie, die sich der Aufgabe der Stärkung des Infektionsschutzes annimmt sowie in Zeiten von Reformen, Krisen und für den Zivilschutz sämtliche Perspektiven auch dafür heranzieht“, so die BVMed-Hygieneexpertinnen Miriam Rohloff und Lena Richter.
Elemente einer Infektionsschutz-Strategie
Für den Aufbau und die Umsetzung einer sektorenübergreifenden Infektionsschutz-Strategie hält der BVMed unter anderem folgende Elemente für erforderlich:
• Flächendeckende Einführung einer gesicherten Infektionsprävention und -kontrolle (IPC) in Verbindung mit der Optimierung von Antibiotikaeinsätzen in Form von „Antibiotic Stewardship“ (ABS) in allen medizinischen Einrichtungen.
• Sicherung der strukturellen und personellen Voraussetzung zur präventiven Infektionsmedizin durch die Kombination von IPC und ABS als Mindestanforderung an die Qualität der Krankenhausbehandlung.
• Verankerung fester Indikatoren der Struktur- und Prozessqualität in der stationären und ambulanten Versorgung.
• Kontinuierliche Überprüfung und Anpassung der Ausbildung des Fachpersonals durch eine Compliance-Surveillance zur Versorgungsqualität.
• Evaluierung bestehender digitaler Tools und Zusammenführung von bereits etablierten digitalen Maßnahmen zur Surveillance von Infektionen.
Das Fazit des BVMed: „Klar definierte Strukturen dienen neben der Infektionsprävention und -kontrolle einer wirksamen Pandemieprävention. Sie fördern kontinuierliches und konsequentes Umsetzen der geforderten Hygienemaßnahmen unter korrekter Anwendung und Umgang mit den notwendigen Medizinprodukten sowie der Durchführung von Evaluationen innerhalb der Versorgung. Insbesondere in aktuellen und zukünftigen Krisenzeiten müssen medizinische Einrichtungen sicher aufgestellt sein.“
Quelle und Kontaktadresse:
Bundesverband Medizintechnologie e.V. (BVMed), Manfred Beeres, Leiter(in) Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Georgenstr. 25, 10117 Berlin, Telefon: 030 246255-0
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