Pressemitteilung | Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW)
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Chancengleichheit in der Wissenschaft: eine Frage der Verbindlichkeit / Bildungsgewerkschaft zur Sitzung des Wissenschaftsrates - jede vierte Professur mit einer Frau besetzen

(Frankfurt am Main) - Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat kritisiert, dass die heute (16. Juli 2007) vorgestellten Empfehlungen des Wissenschaftsrats (WR) zur Chancengleichheit Männern und Frauen in der Wissenschaft keine Forderung nach einer Quotierung von Wissenschaftlerstellen enthalten.

Entsprechend enttäuscht zeigten sich Anne Jenter, für Frauenpolitik zuständiges Vorstandsmitglied der GEW, und Andreas Keller, im GEW-Vorstand für Hochschule und Forschung verantwortlich, am Montag (16. Juli 2007) in Frankfurt am Main.

Der Wissenschaftsrat habe bekannte Instrumente wie Zielvereinbarungen, Evaluierung oder Anreizsystem benannt, auf die Verbindlichkeit durch eine Quotenregelung jedoch verzichtet. Von der behaupteten Klimaverbesserung für gleichstellungspolitisches Handeln an Hochschulen gingen keine ausreichenden Handlungsanreize aus.

„Der strukturelle Ausschluss von Frauen aus Leitungsfunktionen in der Wissenschaft widerspricht nicht nur dem Verfassungsgrundsatz der Gleichberechtigung von Frauen und Männern. Er blendet auch die besondere Perspektive der Hälfte der Bevölkerung aus Forschung und Lehre aus“, sagte Jenter. Bundesweit seien nur 15 Prozent der Professuren mit Frauen besetzt, in der höchsten Besoldungsstufe C4 bzw. W3 sogar nur zehn Prozent.

„Der Wissenschaftsrat hat die einmalige Chance verpasst, den aktuellen Generationswechsel in der Professorenschaft für eine wirksame Gleichstellung von Frauen und Männern zu nutzen“, sagte Keller. Bund und Länder dürften sich nicht -länger allein auf die Hochschulen verlassen, sondern müssten die Quotierung durch klare gesetzliche Regelungen und verbindliche Zielvereinbarungen durchsetzen. In einem ersten Schritt sollte daher jede vierte Professur für die Besetzung mit einer qualifizierten Wissenschaftlerin reserviert werden.

Darüber hinaus unterstrichen Jenter und Keller die Notwendigkeit einer strukturellen Reform der Karrierewege von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. „Wer in Deutschland die Hochschullehrerlaufbahn einschlägt, muss eine extrem lange Phase der Abhängigkeit und Unsicherheit in Kauf nehmen. In dieser Zeit zwischen Promotion und Berufung auf eine Professur scheiden insbesondere viele Frauen aus der Wissenschaft auf“, sagte Keller. „Die GEW fordert eine frühere Selbstständigkeit für den wissenschaftlichen Nachwuchs und planbare Karriereperspektiven für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die keinen Lehrstuhl erhalten“, erklärte Jenter.

Quelle und Kontaktadresse:
Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Ulf Roedde, Pressesprecher Reifenberger Str. 21, 60489 Frankfurt am Main Telefon: (069) 78973-0, Telefax: (069) 78973-201

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