Pressemitteilung | Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V. (BAVC)

Chemie-Tarifpaket f√ľr 13 Monate: 1,5 Prozent Tariferh√∂hung / 0,6 Prozent zus√§tzliche Einmalzahlung mit √Ėffnungsklausel / 2 Prozent mehr Ausbildungspl√§tze

(Wiesbaden) - Nach heftigem Tauziehen haben Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) in der dritten Verhandlungsrunde f√ľr die rund 580.000 Besch√§ftigten der deutschen Chemie-Industrie ein Tarifpaket mit 13-monatiger Laufzeit vereinbart. Kern ist eine Entgelterh√∂hung von 1,5 Prozent nach einem Leermonat und eine nicht tabellenwirksame Einmalzahlung von 0,6 Prozent. Die Ausbildungsverg√ľtungen werden eingefroren. Das Ausbildungsplatzangebot wird im Jahr 2005 erneut, und zwar um 2 Prozent erh√∂ht. Insgesamt soll es bis zum Jahr 2007 um 7 Prozent steigen.

Die wesentlichen Elemente des Tarifpakets:

- Eine Tariferh√∂hung von 1,5 Prozent nach einem Leermonat, in dem die alten Tarifs√§tze weitergelten. Wegen des Leermonats und der 13-monatigen Laufzeit ergibt sich eine Belastung von 1,3 Prozent. Hinzu kommt eine nicht tabellenwirksame Einmalzahlung von 0,6 Prozent. Die Einmalzahlung ist flexibilisiert. Arbeitgeber und Betriebsrat k√∂nnen sie aus wirtschaftlichen Gr√ľnden per Betriebsvereinbarung verschieben, k√ľrzen oder wegfallen lassen.

- Zur Unterst√ľtzung der Einstellung von mehr Auszubildenden werden die Ausbildungsverg√ľtungen nicht erh√∂ht. Die Auszubildenden erhalten die Einmalzahlung von 0,6 Prozent.

- Das Ausbildungsplatzangebot, das im Jahr 2004 bereits aufgrund des Tarifvertrages "Zukunft durch Ausbildung" um 1,7 Prozent steigt, wird im Jahr 2005 um weitere 2 Prozent erh√∂ht. Insgesamt soll durch diesen Tarifvertrag die Zahl der Auszubildenden bis zum Jahr 2007 um 7 Prozent gegen√ľber dem Basisjahr 2003 gesteigert werden. Durch den Tarifvertrag sind die tarifgebundenen ChemieUnternehmen von der gesetzlichen Ausbildungsplatzabgabe befreit.

- In einer gemeinsamen Erkl√§rung sichern BAVC und IG BCE den Unternehmen ihre Unter-st√ľtzung bei der vorausschauenden Nutzung der vielf√§ltigen Flexibilisierungsinstrumente des Chemie-Fl√§chentarifvertrags zu.

Die Bestandteile des Tarifpakets im Einzelnen:

1,5 Prozent Tariferhöhung, flexibilisierte Einmalzahlung und 13 Monate Laufzeit

Die Tarifvereinbarung umfasst eine Laufzeit von 13 Monaten. Der erste Monat ist ein Leermonat. Ab dem zweiten Monat tritt die Tariferh√∂hung in Kraft. Demgem√§√ü werden die Tarifentgelte in den Bezirken Hessen, Nordrhein und Rheinland-Pfalz mit Wirkung ab 1. Juni 2004 um 1,5 Prozent erh√∂ht. In den Bezirken Baden-W√ľrttemberg, Bayern, Berlin (West), Hamburg und Schleswig-Holstein sowie Niedersachsen und Westfalen gilt dies ab 1. Juli 2004. Im Saarland und im Tarifgebiet Ost einschlie√ülich Berlin (Ost) tritt die Erh√∂hung ab 1. August 2004 in Kraft. Die Tarifvertr√§ge laufen somit Ende Mai, bzw. Ende Juni und Ende Juli 2005 aus.

Parallel zur Entgelterh√∂hung erhalten die Chemie-Arbeitnehmer eine Einmalzahlung von 0,6 Prozent. Sie geht nicht in die Tarifbasis ein. Unternehmensleitung und Betriebsrat k√∂nnen aus wirtschaftlichen Gr√ľnden Vereinbarungen √ľber eine Verschiebung, K√ľrzung oder den Wegfall dieser Einmalzahlung treffen.

2 Prozent mehr Ausbildungsplätze und Befreiung von der Ausbildungsplatzabgabe

Die Ausbildungsverg√ľtungen bleiben unver√§ndert. Die Auszubildenden erhalten die Einmalzahlung von 0,6 Prozent. Der erfolgreiche Chemie-Tarifvertrag "Zukunft durch Ausbildung" wird fortgef√ľhrt. Dazu wurde vereinbart, dass die Zahl der angebotenen Ausbildungspl√§tze im Jahr 2005 um weitere 2 Prozent erh√∂ht werden. Der Tarifvertrag reicht bis ins Jahr 2007 und soll gegen√ľber dem Basisjahr 2003 insgesamt 7 Prozent mehr Ausbildungspl√§tze schaffen.

Dieser Tarifvertrag ist dem Berufsausbildungssicherungsgesetz gleichwertig und geht ihm vor. Dadurch sind die tarifgebundenen Mitgliedsunternehmen der chemischen Industrie von der gesetzlichen Ausbildungsplatzabgabe befreit.

Abgesenkte Einstiegstarife f√ľr Langzeitarbeitslose verl√§ngert

Die Chemieregelung √ľber abgesenkte Einstiegstarife f√ľr Langzeitarbeitslose und Berufsanf√§nger wird verl√§ngert, um dadurch weiterhin deren Einstellung zu erleichtern. Die Langzeitarbeitslosen erhalten im ersten Jahr ihrer Einstellung 90 Prozent, Berufsanf√§nger 95 Prozent des sonst √ľblichen Tarifentgelts.

Erklärung zur Nutzung des modernisierten Chemie-Flächentarifvertrags

BAVC und IG BCE bekr√§ftigen in einer gemeinsamen Erkl√§rung ihr Bekenntnis zum modernisierten Fl√§chentarifvertrag. Die zahlreichen darin enthaltenen Flexibilisierungsinstrumente haben bisher bereits in einer Vielzahl von F√§llen zum Erhalt von Standorten und zur Besch√§fti-gungssicherung beigetragen. Angesichts der steigenden Herausforderungen des internationalen Wettbewerbs und der EU-Osterweiterung empfehlen BAVC und IG BCE ihren Mitgliedsunternehmen die vorausschauende Nutzung dieser Instrumente. BAVC und IG BCE garantieren den tarifgebundenen Unternehmen der chemischen Industrie die verantwortungsvolle Nutzung dieser tariflichen Instrumente und sagen ihnen volle Unterst√ľtzung bei der Anwendung zu.

Vertretbarer Tarif-Kompromiss

Hans-Carsten Hansen, Verhandlungsf√ľhrer des BAVC, sagte zum Tarifpaket: "Mit der Gesamtbelastung des Abschlusses sind die Chemie-Arbeitgeber angesichts der noch schwachen Konjunktur an die Grenze des M√∂glichen gegangen. Durch den vorgeschalteten Leermonat und dadurch, dass der Einmalbetrag nicht in die Tarifbasis einflie√üt, ergibt sich f√ľr die Unternehmen eine niedrige Dauerbelastung von lediglich 1,3 Prozent."

Firmen, die sich in schwieriger wirtschaftlicher Lage befinden, k√∂nnen zudem von der Flexibilisierung Gebrauch machen und mit dem Betriebsrat eine Verschiebung, K√ľrzung oder sogar den Wegfall des Einmalbetrags vereinbaren. Insgesamt sei dadurch ein f√ľr die Unternehmen akzeptabler Kompromiss zustande gekommen, sagte Hansen.

"Im gegenw√§rtigen unsicheren politischen und wirtschaftlichen Umfeld ist der Abschluss" - so Hansen - "auch ein Signal der Berechenbarkeit. Er h√§lt den Weg offen f√ľr den dringend ben√∂tigten Aufschwung in der Chemie."

Ausbildungs-Chancen f√ľr junge Menschen

Dr. R√ľdiger Erckel, Pr√§sident des BAVC, hob insbesondere das Engagement und die erfolgreichen Ausbildungsanstrengungen der chemischen Industrie hervor. Die Ausbildungsvereinbarungen der Chemie-Tarifparteien h√§tten ihre Wirksamkeit bewiesen. "In den vergangenen 5 Jahren haben die Chemie-Unternehmen ihre Ausbildungsplatzzahlen um √ľber 15 Prozent gesteigert. Insgesamt soll das Angebot bis zum Jahr 2007 um weitere 7 Prozent erh√∂ht werden. Die Chemie-Unternehmen nehmen damit ihre gesellschaftspolitische Verantwortung wahr und leisten einen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Chemie-Branche am Standort Deutschland. Nur mit Innovationen und gut ausgebildeten Mitarbeitern ist dies zu erreichen. Dies ist auch vom Gesetzgeber anerkannt worden. Durch den Tarifvertrag 'Zkunft durch Ausbildung' sind die tarifgebundenen Chemie-Unternehmen von der gesetzlichen Ausbildungsplatzabgabe befreit." Dieses positive Ergebnis sei ein weiterer Beleg f√ľr die Gestaltungskraft der Chemietarifparteien, sagte Erckel.

Quelle und Kontaktadresse:
Bundesarbeitgeberverband Chemie e.V. Abraham-Lincoln-Str. 24, 65189 Wiesbaden Telefon: 0611/778810, Telefax: 0611/7788123

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