Dannhäuser warnt vor Pervertierung der Lernkultur / BLLV-Präsident fordert anlässlich der Vergabe der Jahreszeugnisse, die Dominanz der Noten kritisch zu überdenken
(München) - Vor einer Pervertierung der Lernkultur hat der Präsident des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV), Albin Dannhäuser, anlässlich der am Freitag bevorstehenden Vergabe der Jahreszeugnisse an rund 1,5 Millionen Schüler/innen in Bayern gewarnt. Weil Lehrerinnen und Lehrer gezwungen sind, die Leistungen ihrer Schüler/innen ständig zu beurteilen, dreht sich an den Schulen alles um Noten und Berechtigungen. Der Zeugnistag wird für Tausende zum Schicksalstag. Er entscheidet über Zukunft und Karrieremöglichkeiten junger Menschen. Dannhäuser appellierte an die Eltern, bei schlechten Noten möglichst gelassen zu bleiben. Kinder und Jugendliche, die dem Leistungsdruck nicht standhalten können, schlechte Noten nach Hause bringen oder das Klassenziel nicht erreichen, benötigen Hilfen statt Strafen. Sie brauchen Perspektiven, die neue Chancen eröffnen und die sie nicht überfordern. Gute Noten sollten anerkannt werden. Die Politik forderte Dannhäuser auf, die Praxis der Notenvergabe kritisch zu überdenken.
Der Schulalltag in Bayern ist geprägt von Prüfungsterminen. Lerninhalte werden in kurzer Zeit eingepaukt, abgefragt - und von den Schüler/innen ebenso schnell wieder vergessen. Der Alltag vieler Familien dreht sich mehr und mehr um die Schule. Jedes fünfte Kind in Deutschland leidet inzwischen unter Stresssymptomen wie Kopf- oder Bauchweh, Schlafstörungen oder Einschlafproblemen.
Weil Noten dominieren, können auch wertvolle pädagogische Impulse der Lehrpläne und der inneren Schulentwicklung kaum zum Tragen kommen. Sie bleiben Absichtserklärungen, kritisierte Dannhäuser und sprach sich für eine produktive Lernkultur aus: Schüler/innen sollten sich spontan, kreativ und ohne leistungs- hemmenden Zeit- und Notendruck mit den Bildungsinhalten auseinander setzen können. Für die Lern-, Leistungs- und Persönlichkeitsentwicklung Heranwachsender junger Menschen ist es wichtig, Fehler machen zu dürfen, um aus ihnen zu lernen. Wenn sie aber ständig Angst haben müssen, etwas falsch zu machen und dafür schlechte Noten zu bekommen, bleiben Neugier, Experimentier- und Lernfreude auf der Strecke. Die Situation könnte in einem ersten Schritt durch die strikte Trennung von Lern- und Prüfungssituationen entkrampft werden. Schüler/innen dürften demnach in einem klar definierten Zeitraum nicht bewertet werden.
Der BLLV-Präsident betonte, dass Lern- und Leistungskontrollen durchaus ihren traditionellen Platz im Schulsystem haben. Sie sollten aber in erster Linie den Lern- und Leistungsstand eines Schülers dokumentieren, bei auftretenden Defiziten müssten sofort entsprechende pädagogische Maßnahmen zur individuellen Förderung einsetzen. Die Schulwirklichkeit sieht jedoch anders aus: Auch im Jahr vier nach der ersten Pisa-Studie werden die meisten Schüler/innen bei Leistungsproblemen allein gelassen, ihr Schulerfolg hängt immer noch von der Herkunft und der Finanzkraft ihrer Eltern ab.
Dannhäuser wies darauf hin, dass gute Leistungen in jedem Fall anerkannt müssen und nicht als selbstverständlich hingenommen werden dürfen. Kinder und Jugendliche freuen sich über Lob und Anerkennung. In den meisten Fällen haben sie hart dafür gearbeitet. Schlechte Leistungen dagegen dürften keinesfalls Anlass für dramatische Szenen, Vorwürfe oder Strafen sein. Schlechte Noten nagen ohnehin am Selbstwertgefühl junger Menschen.
Quelle und Kontaktadresse:
Bayerischer Lehrer- und Lehrerinnenverband e.V. im VBE (BLLV)
Andrea Schwarz, Pressereferentin
Bavariaring 37, 80336 München
Telefon: (089) 72100129, Telefax: (089) 72100155
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