Dauerblockade: VKA-Funktionäre fallen Kliniken in den Rücken
(Berlin) - Der Ärztestreik an den kommunalen Kliniken zeigt Wirkung: Geschäftsführer der bestreikten Kliniken beklagen massive Erlösausfälle durch den Ausstand und fordern eine einvernehmliche Lösung am Verhandlungstisch. Blockiert wird eine solche Lösung aber durch die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA). "Die Funktionäre der VKA sind weiterhin auf Krawall gebürstet und zeigen keine Bereitschaft, den Forderungen der streikenden Ärzte entgegenzukommen. Deshalb werden wir den Druck auch in dieser Woche weiter erhöhen und den Arbeitgebern keine Erholungspause gönnen", kündigte der 1. Vorsitzende des Marburger Bundes, Rudolf Henke, an.
Immer deutlicher tritt zu Tage, dass die Blockade der Arbeitgeber tiefere Gründe hat. "Das eigentliche Problem für eine Einigung in den fünf offiziellen Verhandlungsrunden lag darin, dass die Arbeitgeber nicht allein an den Verhandlungstisch mit dem Marburger Bund kamen. Sie bringen als unsichtbaren Partner eine andere Gewerkschaft mit, mit der sie zuvor für die kommunalen Amtsstuben schon eine Einigung erzielt haben. Die Gewerkschaft ver.di vertritt zwar keine Ärztinnen und Ärzten, aber darüber sieht man dort wie bei den Arbeitgebern großzügig hinweg, solange man nur gemeinsam eine Abwehr gegen den Marburger Bund errichten kann", sagte Henke. Es gehe den Arbeitgebern darum, die alten Tarifverhältnisse wiederherzustellen und die Ärzte in das Tarifkorsett von ver.di zu zwingen. "Anstatt den Ärzten für ihr Engagement und ihre Leistungsbereitschaft in den unterbesetzten Kliniken die verdiente Wertschätzung entgegenzubringen, werden ihnen Knüppel zwischen die Beine geworfen. Diese Missachtung ihrer hart erkämpften Rechte treibt die Ärzte auf die Straße", sagte der MB-Vorsitzende.
Ihren Unmut über die Blockadehaltung der Arbeitgeber tragen die Ärzte in dieser Woche erneut auf die Straße. Am morgigen Dienstag (1. Juni 2010) versammeln sich Hunderte Ärztinnen und Ärzte in Sindelfingen zu einer großen landesweiten Protestkundgebung in Baden-Württemberg. Am Mittwoch (2. Juni 2010) werden dann in Köln streikende Ärztinnen und Ärzten aus den kommunalen Kliniken durch die City zum Roncalliplatz am Kölner Dom marschieren. Hauptredner der dortigen Kundgebung sind Dr. Frank Ulrich Montgomery, Ehrenvorsitzender des Marburger Bundes und Vizepräsident der Bundesärztekammer, sowie Lutz Hammerschlag, Tarifexperte und Verhandlungsführer des MB.
Allein im Bereich des MB-Landesverbandes Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind inzwischen 66 der insgesamt rund 80 kommunalen Krankenhäuser vom Streik betroffen. Die Gesamtzahl der bundesweit bestreikten Kliniken liegt deutlich über 200. Die ärztliche Versorgung wird dabei auf das Niveau eines Wochenenddienstes heruntergefahren. Die Notfallversorgung ist auf jeden Fall durch Notdienstvereinbarungen mit den bestreikten Kliniken gewährleistet.
Quelle und Kontaktadresse:
Marburger Bund - Verband der angestellten und beamteten Ärztinnen und Ärzte Deutschlands e.V. - Bundesverband
Hans-Jörg Freese, Leiter, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Reinhardtstr. 36, 10117 Berlin
Telefon: (030) 746846-0, Telefax: (030) 746846-16
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