Dem Fachkräftemangel systematisch begegnen / Studiengebühren abschaffen
(Berlin) - Bei der Bewältigung absehbaren Fachkräftemangels auf Grund der demografischen Entwicklung kommt es jetzt auf langfristige Antworten an, teilte der DGB am Dienstag (21. August 2007) in Berlin zum Streit der Koalition über die vorzeitige erleichterte Zuwanderung in den Arbeitsmarkt mit.
Mit Aktionismus ist niemandem geholfen. Eine weitere vorsichtige Öffnung des Arbeitsmarkts für Fachkräfte aus dem Ausland ist sicher sinnvoll. Im Rahmen der Novellierung des Aufenthaltsgesetzes Mitte des Jahres hätte die Bundesregierung dazu ausreichend Gelegenheit gehabt" sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Den Arbeitsmarkt jedoch kurzfristig zu öffnen und sofort die Beschränkungen für die Beschäftigung osteuropäischer Arbeitskräfte abzuschaffen ist der falsche Weg. Parallel zur Herstellung der Arbeitnehmerfreizügigkeit müssen auch soziale Mindeststandards und ausreichende Bildungsmöglichkeiten geschaffen werden. Neben einem größeren Engagement der Unternehmen in der betrieblichen Aus- und Weiterbildung seien auch Länder und Hochschulen in der Pflicht, vorhandene Potenziale auszuschöpfen und dem Mangel an qualifizierten Kräften im Technikbereich systematisch zu begegnen.
Von einem generellen Fachkräftemangel, wie ihn Wirtschaft und Teile der Politik beklagen, könne zwar keine Rede sein. Deutliche Engpässe zeichneten sich allerdings bei den Ingenieuren ab.
Studiengebühren sind absolut kontraproduktiv, wenn man Akademiker auf dem Arbeitsmarkt braucht, sagte Ingrid Sehrbrock, stellvertretende DGB-Vorsitzende und u.a. zuständig für den Bereich Bildung und Qualifizierung. Das Bezahlstudium schreckt immer mehr Abiturientinnen und Abiturienten von dem Besuch einer Uni ab. Sie suchen dann auf dem Lehrstellenmarkt nach Alternativen und verdrängen Haupt- und Realschüler aus der betrieblichen Ausbildung, die dann noch schlechtere Chancen auf einen qualifizierten Berufseinstieg haben.
Der DGB drängt daher darauf, die Studiengebühren wieder abzuschaffen und Hochschulen sowie Universitäten zu öffnen, um auch beruflich erfahrenen Menschen ohne formale Hochschulreife ein Studium zu ermöglichen.
Außerdem müssten die Potenziale von Frauen und Älteren endlich genutzt werden. Ingrid Sehrbrock: Frauen brauchen bessere Chancen und mehr Mut, um in technischen Berufen aktiv zu werden. Nur elf Prozent aller Ingenieure sind weiblich, aber der Anteil der Frauen unter allen Arbeitslosen beträgt 25 Prozent!" Auch viele ältere Fachkräfte liegen brach: 42 Prozent der arbeitslosen Ingenieure sind älter als 50 Jahre.
Neben verbesserten Studienbedingungen wären also auch spezifische Qualifizierungsmaßnahmen hilfreich, um dem Fachkräftemangel im technischen Bereich beizukommen, betonte die stellvertretende DGB-Vorsitzende.
Zudem würde auch eine bessere Bezahlung die Zufriedenheit der Beschäftigten erhöhen und sie davon abhalten, ins Ausland abzuwandern. Unternehmen etwa in Dänemark und der Schweiz bieten den Beschäftigten im Bausektor oft höhere Löhne.
Der DGB warnt bereits seit Jahren vor einem drohenden Fachkräftemangel, der sich besonders bei anziehender Konjunktur auswirkt. Viele Betriebe bilden immer weniger aus und bauten in den letzten Jahren zudem qualifiziertes Personal ab. Vor allem Ältere wurden mit hohen Kosten in den (Vor)Ruhestand befördert; sie stehen jetzt nicht mehr dem Arbeitsmarkt zur Verfügung.
Annelie Buntenbach: Unternehmen können nicht erwarten, dass der Arbeitsmarkt von alleine neue Fachkräfte generiert. Sie sollten umdenken und auch Bewerber akzeptieren, die vielleicht nicht zu 100 Prozent auf die Stelle passen. Es braucht schon eigene Anstrengungen, neue Beschäftigte einzuarbeiten und auch Menschen eine Chance zu geben, die nur Teilqualifikationen mitbringen.
Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Gewerkschaftsbund (DGB), Bundesvorstand
Axel Brower-Rabinowitsch, Leiter, Presse- / Öffentlichkeitsarbeit, Finanzen
Henriette-Herz-Platz 2, 10178 Berlin
Telefon: (030) 24060-0, Telefax: (030) 24060-324
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Facebook. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenSie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von X. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr Informationen

