Pressemitteilung | Deutscher Städtetag - Hauptgeschäftsstelle Berlin
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Deutscher Städtetag warnt vor Zulassung so genannter Gigaliner / Riesen-Lastzüge beschleunigen das Wachstum des Lkw-Verkehrs und sind für Innenstädte untauglich

(Berlin) - Der Deutsche Städtetag hat vor der Zulassung so genannter Gigaliner auf deutschen Straßen gewarnt. „Auch wenn interessierte Kreise gern das Gegenteil behaupten: Mit einer Zulassung dieser Riesen-Lastzüge würde das Wachstum des Lkw-Verkehrs auf den deutschen Straßen weiter beschleunigt“, sagte heute (5. Oktober 2006) der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, Dr. Stephan Articus. Eine solche Entwicklung liefe jedoch dem Ziel zuwider, künftig einen wachsenden Anteil des Güterverkehrs auf der Schiene statt auf der Straße abzuwickeln. „Die Städte stehen dem Einsatz solcher 60-Tonner ausgesprochen skeptisch gegenüber – sowohl aus verkehrspolitischen Überlegungen heraus als auch aus Sorge um die Umwelt und damit die Lebensqualität in den Städten“, sagte Articus.

In den vergangenen Wochen haben mehrere Bundesländer Ausnahmegenehmigungen für den Einsatz von Gigalinern erteilt. Der Bund hat die Bundesanstalt für Straßenwesen mit einer Studie zum Thema „Gigaliner“ beauftragt, deren Ergebnisse im Lauf des Herbstes vorliegen sollen. Der Städtetag betonte, dass im Rahmen dieser Untersuchung auch die Auswirkungen von Gigalinern auf den städtischen Verkehr berücksichtigt werden müssten.

Eine weitere Zunahme des Lkw-Verkehrs durch eine Zulassung so genannter Gigaliner, so der Deutsche Städtetag, sei schon deshalb unvermeidlich, weil diese bis zu 25 Meter langen und bis zu 60 Tonnen schweren Gefährte die Innenstädte aufgrund ihrer Dimensionen in der Regel nicht erreichen könnten. Damit werde es unvermeidlich, das Frachtgut außerhalb der Städte auf kleinere Fahrzeuge umzuladen, um es dann in den Städten zu verteilen.

Ein Einsatz der auch unter der Bezeichnung „Euro-Combi“ firmierenden Lastwagen in den deutschen Innenstädten kommt nach Ansicht des Deutschen Städtetages nicht in Frage, da selbst auf gut ausgebauten Verkehrswegen in den Städten ein problemloses Durchfahren nicht gewährleistet werden könne. So seien viele Verkehrswege nicht auf den enormen Wendekreis von Gigalinern ausgerichtet; schon bei den derzeit zugelassenen Lastzügen seien zum Beispiel immer wieder Schwierigkeiten in den relativ engen Kurven von Aus- und Auffahrten an Stadtautobahnen zu beobachten. Zweifelhaft sei insbesondere auch, ob innerstädtische Brücken dem höheren Gesamtgewicht der Gigaliner gewachsen seien.

Schließlich äußerte der Deutsche Städtetag Bedenken im Hinblick auf die Verkehrssicherheit von Gigalinern: Aufgrund der Fahrzeuglänge dauere es wesentlich länger, einen solchen Lkw zu überholen, und sowohl Spurwechsel als auch Abbiege- oder Rangiervorgänge könnten erhebliche Risiken mit sich bringen. „Der Einsatz solcher Gigaliner ist aufgrund ihrer Abmessungen, ihres Fahrverhaltens sowie der mangelnden Übersichtlichkeit aus Sicht der Städte höchst problematisch“, betonte Articus.

Nach Ansicht des Deutschen Städtetages lassen sich die Erfahrungen, die Länder wie Schweden oder Finnland mit den 60-Tonnern gemacht haben, schon aufgrund der geografischen Gegebenheiten nicht auf Deutschland übertragen. Auch der Verweis auf den Einsatz von Riesen-Trucks in amerikanischen Städten stößt bei den deutschen Städten wegen der völlig anders strukturierten und erschlossenen Stadtzentren auf große Vorbehalte.

Quelle und Kontaktadresse:
Deutscher Städtetag, Hauptgeschäftsstelle Berlin Volker Bästlein, Leitung, Presse- u. Öffentlichkeitsarbeit Straße des 17. Juni 112, 10623 Berlin Telefon: (030) 377110, Telefax: (030) 37711999

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